Vergleich des Romans "Berlin Alexanderplatz" mit der filmischen Umsetzung von 1931: Vor dem Hintergrund der Haltung Döblins gegenüber dem Medium Film und den kontemporären Verhältnissen

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GRIN Verlag, 2007 - 32 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,7, Christian-Albrechts-Universitat Kiel (Institut fur Neuere Deutsche Literatur und Medien), Veranstaltung: Proseminar, 19 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Die Arbeit untersucht die Unterschiede der Konzeption des Romans "Berlin Alexanderplatz" und der filmischen Umsetzung, an der Romanautor Alfred Doblin selbst beteiligt war. Neben dem pragmatischen Grund der im Medium des Films obligatorischen Komplexitatsreduktion sollen weitere Motive der Abweichung herausgearbeitet werden sowie symbolische Motive in Roman und Film kontrastiert herausgearbeitet werden., Abstract: Alfred Doblin schrieb mit seinem Roman "Berlin Alexanderplatz" eines der komplexesten Werke der deutschen Romangeschichte. Die Fulle an kompositorischen Feinheiten, an Montagetechniken und intertextuellen MArkern machen diesen auch sehr zeitkritischen Werk zu einem Monumentalwerk. Oft wurde das Werk als Roman in Drehbuchform bezeichnet, da seine Zusammenstellung die bisher gekannten Massstabe der Literatur anderte und ausgesprochen fortschrittlich wirkte. Interessanterweise ist der von Doblin betreute und von Jutzi realisierte Film weniger Fortschrittlich. Im Zuge der Analyse wird untersucht, inwieweit die Biberkopf Figuren unterschiedlich konzipiert sind und es wird nach den Grunden gefragt. Dabei wird auch die Frage gestellt, ob der Roman de facto Drehbuchform besitzt oder nicht. Zudem stellt sich die Frage, ob der historische Kontext zur Entscharfung des Stoffes beitrug oder eher kunstspezifische Motive von Relevanz waren."
 

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Page 4 - Denn der Mann, von dem ich berichte, ist zwar kein gewöhnlicher Mann, aber doch insofern ein gewöhnlicher Mann, als wir ihn genau verstehen und manchmal sagen: wir könnten Schritt um Schritt dasselbe getan haben wie er und dasselbe erlebt haben wie er.
Page 6 - Wenn ein Roman nicht wie ein Regenwurm in zehn Stücke geschnitten werden kann und jeder Teil bewegt sich selbst, dann taugt er nichts.
Page 11 - Mauer und ging nicht. Der Aufseher am Tor spazierte einige Male an ihm vorbei, zeigte ihm seine Bahn, er ging nicht. Der schreckliche Augenblick war gekommen (schrecklich, Franze, warum schrecklich?), die vier Jahre waren um. Die schwarzen eisernen Torflügel, die er seit einem Jahre mit wachsendem Widerwillen betrachtet hatte (Widerwillen, warum Widerwillen?), waren hinter ihm geschlossen.
Page 7 - Holzbretter faulen an, sie zerfließt in Jauche, sie, die einmal in Treptow im Paradiesgarten mit Franz getanzt hat in weißen Segelschuhen, die geliebt und sich herumgetrieben hat, sie hält ganz still und ist nicht mehr da. Er aber hat seine vier Jahre abgemacht. Der sie getötet hat, geht herum, lebt, blüht, säuft, frißt, verspritzt seinen Samen, verbreitet weiter Leben. Sogar Idas Schwester ist ihm nicht entgangen. Mal wird es auch ihn erwischen. Ist doch auch ich weiß nicht wer gestorben.
Page 9 - Ach Gottchen, das liebe Köpfchen, son kleines Köpfchen und die Härchen, nicht, ist schön, aber Alimente zahlen, da gibts nichts zu lachen, das treibt in Not. Kaufen Sie sich solchen Schlips bei Tietz oder Wertheim, oder, wenn Sie bei Juden nicht kaufen wollen, woanders. Ich bin ein arischer Mann.
Page 4 - ... allgemein im Verhalten, sondern bis in Einzelheiten der mentalen Verfassung, wie sie im inneren Monolog und der erlebten Rede ungefiltert zu Tage tritt. Nicht daß Biberkopf der Individualität ermangelte. Aber er läßt sich nicht im alten Sinne als Person verstehen, die in einem Bildungsgang eine keimhafte Anlage zu ihrer ureigenen Möglichkeit entfaltet hat. Trotz tragender individueller Züge bleibt Biberkopf bis in die letzten Phasen der Erzählung zugleich 'Mikrobe' im Strome der großstädtischen...
Page 3 - ... Er hat seinen eigenen Stil, dessen frühe, herrliche Blüte die „Drei Sprünge des Wang-lun" sind, in einigem gerüttelt, geschüttelt, vereinfacht, hat aufsteigen lassen diese Kugelblasen des Unterbewußten, Trägen, Automatischen, den Refrain, ich sage, du sagst, er sagt. Nicht gelungen ist ihm, Berlin oder den Alexanderplatz so zu schildern, wie etwa die Stadt Dublin durch Joyce gezeichnet wurde. Die höllische Straße und die Totalität der wichtigen Nebensächlichkeiten. Den Donner der...
Page 5 - ... Hildesheim 1993. 3 Vgl. Helmut Lethen: Neue Sachlichkeit 1924-1932. Studien zur Literatur des »Weißen Sozialismus«. Stuttgart 1970, S. 156ff.; Bernd Hüppauf: Hans Fallada: »Kleiner Mann - was nun?« In: Manfred Brauneck (Hrsg.): Der deutsche Roman im 20. Jahrhundert. Bd. 1, Bamberg 1976, S. 209-239; Renate Möhrmann: Biberkopf, was nun? Großstadtmisere im Berliner Roman der präfaschistischen Ära. Dargestellt an Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« und Hans Falladas »Kleiner Mann...

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