Verlegermacht und innere Pressefreiheit - ein vergessener Konflikt

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GRIN Verlag, 2007 - 86 pages
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Diplomarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik, Note: 2,3, Hochschule Bremen, Veranstaltung: Studiengang Fachjournalistik Hochschule Bremen, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Pressefreiheit ware perfekt: Alle deutschen Zeitungen herausgegeben von einem einzigen Verlag. Theoretisch konnte ein solches Super-Monopol nach einer geplanten Novelle des Kartellrechtes entstehen. Das geltende Gesetz aus dem Jahre 1976 sollte vor allen Dingen die kleineren Verlage vor einer Ubernahme durch grosse Konzerne schutzen. Wo aber die aussere Vielfalt in Gefahr ist, gewinnt die innere Pressefreiheit, also die redaktionelle Unabhangigkeit und Mitsprache, als Thema wieder an Bedeutung. Zwar hat das Modell des politisch motivierten Verlegers, wie ihn der Zeitungswissenschaftler Otto Groth noch beschrieb, weitgehend ausgedient. Doch an dessen Stelle ist eine ausgepragte okonomische Orientierung der Verlagschefs getreten. Und das macht die Gefahren fur die publizistische Unabhangigkeit der Redaktion nicht geringer. Denn im Gegensatz zu der ausseren Pressefreiheit, die durch Artikel 5 des Grundgesetzes gegen Eingriffe des Staates geschutzt ist, geniesst die innere Pressefreiheit kaum juristischen Schutz; im Gegenteil laufen bestimmte rechtliche Rahmenbedingungen - wie etwa der so genannte Tendenzschutz, der die Arbeitnehmervertreter in Medienbetrieben von wichtigen Mitbestimmungsrechten auschliesst - den Bemuhungen um redaktionelle Autonomie zuwider. Es gab - vor allem in den 70er Jahren - immer wieder Bestrebungen seitens der journalistischen Berufsverbande und auch innerhalb einzelner politischer Parteien, die innere Pressefreiheit juristisch zu schutzen. Die Politiker aber stellten ihre Uberlegungen angesichts des Machteinflusses der Verleger stets rasch wieder zuruck und verwiesen auf die Tarifparteien. Die Journalistenorganisationen indes scheiterten an der Bastion der Verleger, die bestimmte Entscheidungskompetenzen beispielsweise hinsi
 

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Contents

Einleitung
3
Mitbestimmung?
20
Das Thema innere Pressefreiheit und das gesellschaftliche
32
Medien
49
Gesellschaft
57
Fazit
66
Copyright

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Common terms and phrases

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Popular passages

Page 14 - Befähigung zu reellen Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft, des Gedankens oder des bürgerlichen Lebens in sich fühlt? Ihr, Proletarier, verkauft Euren Arbeitsherren doch nur Eure Zeit und materielle Arbeit. Jene aber verkaufen ihre Seele! Denn der Korrespondent muß schreiben, wie der Redakteur und Eigentümer will; der Redakteur und Eigentümer aber, was die Abonnenten wollen und die Regierung erlaubt!
Page 8 - Eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfene Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates; insbesondere ist eine freie, regelmäßig erscheinende politische Presse für die moderne Demokratie unentbehrlich.
Page 6 - Hier geht es um die innere Struktur der Presse, die Verteidigung ihrer inneren Unabhängigkeit, der Sauberkeit ihrer Berichterstattung, Meinungsbildung und Meinungsäußerung gegen übermächtige kommerzielle Einflüsse, gegen finanzielle Korrumpierung, dagegen, daß die Presse, statt ein Organ der öffentlichen Meinung zu sein, als Instrument wirtschaftlicher, zumal anonymer Kräfte mißbraucht wird.
Page 11 - Der Verleger muß den Redakteur im Anstellungsvertrag auf Innehaltung von Richtlinien für die grundsätzliche Haltung der Zeitung verpflichten." Aus der privatwirtschaftlichen Struktur der Presse in der Bundesrepublik ergibt sich das Recht des Eigentümers, - die allgemeine, politische, wirtschaftliche und kulturelle Richtung seines Blattes vorzuschreiben - und die Redakteure in ihren Arbeitsverträgen daran zu binden. Derartige ausdrückliche...
Page 21 - Eine für die gesamte Redaktion geltende Vereinbarung zwischen dem Eigentümer einer Zeitung oder Zeitschrift und deren Redakteuren, ihren Vertretern oder einer Gewerkschaft über die Abgrenzung der Rechte und Pflichten der Redaktionsmitglieder untereinander und zum Verleger (vgl.
Page 22 - ... Das Statut, oft zitiert, oft in anderen Redaktionen als Modell diskutiert, war die demokratischste, freiheitlichste ,Verfassung' eines Pressebetriebes, die unter den herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen erreicht werden konnte. Von vielen Kollegen landauf, landab wurde die stera-Redaktion um diese Festschreibung ihrer Rechte beneidet.
Page 22 - Kollegen landauf, landab wurde die stera-Redaktion um diese Festschreibung ihrer Rechte beneidet. Es war als beneide man einen Blinden, weil ihm eine besonders schöne Brille geschenkt worden ist.
Page 18 - Es gibt gute Gründe für eine gesetzliche und ebensolche für eine kollektivvertragliche Lösung, die auch schneller zu verwirklichen wäre", schrieb der damalige DJV-Vorsitzende Rupert Gießler in der Verbandszeitschrift .Journalist
Page 13 - Was die sogenannte innere Pressefreiheit bedeutet, lernt man erst verstehen, wenn man sich die historische Entwicklung vor Augen führt.
Page 22 - Das Statut steckte eine Arena der Demokratie ab, in der die zum Kampf entschlossenen Parteien zuweilen aufmarschierten aber nicht kämpften. Kam es zum Kampf, dreimal im ganzen, dann stand der Gewinner von vornherein fest, und das Statut war nicht das Papier wert, auf dem es verbreitet worden ist.

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