Vernichtung "lebensunwerten" Lebens während des Dritten Reichs

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GRIN Verlag, Oct 31, 2005 - Social Science - 158 pages
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Examensarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Pädagogik - Pädagogische Soziologie, Note: 1,0, Technische Universität Dortmund, 75 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Verfolgung und Ermordung von Minderheiten während des Nationalsozialismus erscheinen aus heutiger Sicht menschenunwürdig und nicht nachvollziehbar. Häufig wird diese sogenannte ‚Vernichtung lebensunwerten Lebens’ als ein Werk Adolf Hitlers bezeichnet. Tatsächlich entstand die Idee von einer ‚reinen’ Gesellschaft nicht erst am Ende des 19. Jahrhunderts, vielmehr ist sie fast so alt wie die Menschheit selbst. Die Abwertung von Menschen sowie die ‚Vernichtung lebensunwerten Lebens’ waren demnach das Ergebnis eines langen Prozesses (vgl. Klee 1991, 16 ff.), was vielen Menschen heute nicht bewusst ist. Die Kontinuität dieser Idee von der Antike bis hin zu den Mordprogrammen der Nationalsozialisten wird in dieser Arbeit aufgezeigt. Die tatsächliche ‚Vernichtung lebensunwerten Lebens’ zwischen 1939 und 1945 ist der Höhepunkt rassenhygienischen Denkens, dem eine Vielzahl von Maßnahmen zur Abwertung, Ausgrenzung und Diskriminierung von behinderten und kranken Menschen vorausging (vgl. Siemen 1999, 15). Dass die Nationalsozialisten bei der Durchführung der Sterilisierung ‚erbkranker’ Menschen zunächst in der Bevölkerung nur auf geringen Widerstand trafen, scheint aus dem heutigen Verständnis heraus nicht fassbar. Betrachtet man jedoch die rassenhygienische Entwicklung, so wird das Handeln der Menschen nicht verständlicher, aber es erscheint aus ihrer Sicht logisch. Die Verhinderung von ‚lebensunwerten Lebens’ wurde nicht nur allgemein in der Bevölkerung begrüßt, sondern auch die Einrichtungen der Behindertenpflege befürworteten die Einführung des ‚Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses’. Dieser Unterstützung konnte sich Hitler bei der Ermordung des ‚lebensunwerten Lebens’ nicht sicher sein, weshalb er versuchte, die Morde zu verheimlichen. Die Ausgrenzungspolitik der Nationalsozialisten implizierte die Unterscheidung zwischen ‚normalen’ und ‚unnormalen’ Menschen. Inwiefern diese Differenzierung in der Zeit der Pränataldiagnostik relevant ist, wird am Ende der Arbeit diskutiert. Bei der Auseinandersetzung mit diesem emotional geladen Thema ist es nicht einfach, persönliche Wertungen außen vorzulassen. Die Verfasserin bemühte sich jedoch, auf eigene Stellungnahmen zu verzichten, um eine objektive Darstellung der Ereignisse zu gewährleisten. In der vorliegenden Arbeit werden Namen von Ärzten, Pfarrern, Politikern und Privatpersonen genannt, um kontextbezogene Sachverhalte zu verdeutlichen und zu erklären.
 

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