Verwandlung und Wandlung in Ferdinand Raimunds "Der Alpenkönig und der Menschenfeind"

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GRIN Verlag, 2007 - 56 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1, Universitat Salzburg (Fachbereich Germanistik), Veranstaltung: SE 'Verwandlung & Wandlung als Motiv', 15 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die vorliegende Arbeit soll ein Stuck von Ferdinand Raimund behandeln, das wahrscheinlich als sein erfolgreichstes gelten muss. Es mag mehrere Grunde dafur geben, einer ist in jedem Fall die herausragend inszenierte Wandlung der Hauptfigur Rappelkopf vom Misanthrop zum pensionierten Menschenfeind." Dieser Aspekt der Wandlung soll deswegen auch im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Vorangeschickt wird ein biographischer Abriss von Raimunds Leben, der sich hauptsachlich mit (negativen) Vorfallen in seinem Leben beschaftigen soll, und einer allgemeinen Bestandsaufnahme der vormarzlichen Gesellschaft. Der Grund fur diesen Vorspann liegt vor allem in der Wichtigkeit und der engen Verknupfung dieser Umstande mit dem ganzen Stuck, besonders aber mit der Figur des Rappelkopfs. Auch wenn eine zu eng gefasste biographische Interpretation unpassend sein mag, ist es doch nicht zu ubersehen, dass erhebliche Parallelitaten zwischen Raimund und Rappelkopf, aber auch anderen Figuren bestehen. Der menschenfeindliche Rappelkopf bildet also die Ausgangsbasis und wird von Raimund in seinem rasenden Wahn besonders wirksam dargestellt, um im Verlauf der Handlung deutlich seine Wandlung zeigen zu konnen. Der leitmotivische Gebrauch des Spiegels und daraus resultierende Schaffung eines Doppelgangers durch den Alpenkonig bilden so den ersten Hohepunkt. Rappelkopf, der am Gipfel seines Wahns samtlichen Kontakt zu seinen Mitmenschen aufgekundigt hat, soll in einem Versuch" wieder in die Gesellschaft gefuhrt werden. Langsam aber stetig kann man den Wandel mitverfolgen, allmahlich distanziert sich Rappelkopf immer mehr von sich selbst. Das tragische Finale stellt ein Duell dar, das nur einen Verlierer kennen kann. Er kurz vor Rappelkopfs
 

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Page 7 - Da streiten sich die Leut herum Oft um den Wert des Glücks, Der eine heißt den andern dumm, Am End weiß keiner nix. Da ist der allerärmste Mann Dem andern viel zu reich. Das Schicksal setzt den Hobel an Und hobelt s
Page 9 - Doch wo bist du, eitler Traum? Luftverronnen ist der Baum, Ausgelöscht der Sonne Licht, Auch den Fels erblick ich nicht. Dunkel ist es um mich her Und vertrocknet ist das Meer. Darum schleich ich zum Kamin, Setze mich ans Feuer hin, Leg die Hände in den Schoß, Schau den Rauch - gedankenlos.
Page 22 - Der Mensch soll vor allem sich selber erkennen, Ein Satz, den die ältesten Weisen schon nennen, Drum forsche ein jeder im eigenen Sinn: Ich hab mich erkannt heut, ich weiß, wer ich bin.
Page 19 - Es ist schon genug, daß er ein Menschenfeind ist. Ich begreife gar nicht, wie man bei einem so großen Vermögen, einer gutmütigen Frau, einer wohlerzogenen Tochter und einem so hübschen Stubenmädchen ein Menschenfeind sein kann. Lied Ach, die Welt ist gar so freundlich Und das Leben ist so schön. Darum soll der Mensch nicht feindlich Seinem Glück entgegenstehn. Alles sucht sich zu gefallen, Liebend ist die Welt vereint, Und das Häßlichste von allen Ist gewiß ein Menschenfeind.
Page 22 - Malchen auf. So nimm ihn hin, du Mädchen seltner Art, Das treulich hält, was liebend es verspricht, Und weil ich euch so väterlich gepaart, Vergeßt auch auf den Alpenkönig nicht! Geht ab. RAPPELKOPF Kinder, ich bin ein pensionierter Menschenfeind, bleibt bei mir, und ich werde meine Tage ruhig im Tempel der Erkenntnis verleben.
Page 9 - Überhaupt habe ich hier wieder Gelegenheit, die Gemeinheit des Theaterwesens mit Ekel zu betrachten, ich komme mir unter diesen egoistischen, nur ihre gemeinen Freuden liebenden Menschen vor wie ein Wesen aus einer anderen Welt, das nicht begreifen kann, wie Leuten zumute ist, die auf dieser geboren sind.
Page 5 - ... den Wagen, um zu schlafen. Beim Erwachen stand Raimund vor mir mit starrem Blick und kündigte mir an, daß unsere Reise nur bis Salzburg gehen würde. Er hatte nämlich zufällig in der Gaststube ein Buch gefunden, worin allgemeine Regeln für Unglücksfälle enthalten waren, und kam unter...
Page 16 - Hals auch geht. ASTRAGALUS. Wohlan! So laß uns den Versuch beginnen. Weil nicht Vernunft kann dein Gemüt gewinnen, Soll Geistermacht zu deinem Glück dich zwingen, Und mit dem Alpenkönig wirst du ringen. Vermeid dies Haus! Sonst tritt auf allen Wegen Vergangenheit dir leichenblaß entgegen. Und willst du Elemente Brüder nennen, Lern ihre Wut und ihre Schrecken kennen.
Page 7 - Man beobachte unbesangen und schars den Hypochondristen — und man wird mit Bedauern gewahr werden, daß sein Übel eigentlich in einem dumpsen, traurigen Egoismus besteht. Nur sür das jämmerliche, von tausend Feinden bedrohte, kleine Ich lebt, denkt und leidet er: abgewendet von allem Schönen und Großen, das die Natur und die Menschenwelt einem offenen Herzen bieten, teilnahmlos sür die Freuden — und, was noch sürchterlicher ist! — sür die Leiden seiner Brüder...

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