Wahnsinn in der Literatur am Beispiel von Oskar Maria Grafs "Wir sind Gefangene" und Arnold Zweigs "Der Mann des Friedens"

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GRIN Verlag, 2007 - 64 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Ludwig-Maximilians-Universitat Munchen (Fakultat fur Sprach - und Literaturwissenschaften), Veranstaltung: Der Erste Weltkrieg in der Literatur, 14 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Der Wahnsinn ist ein Motiv mit langer Tradition in der Literatur. Ob Iwein," der Ritter der Artusrunde, das Gretchen im Faust" oder der Bahnwarter Thiel," viele Figuren werden aus den verschiedensten Anlassen wahnsinnig und dies hat die unterschiedlichsten Folgen fur sie. Die Grunde dafur sind zahlreich: Enttauschung, Wut, Verzweiflung, etc. Auch in der Literatur, welche zur Zeit des Ersten Weltkrieges spielt, erliegen die Protagonisten dem Wahnsinn, wie z.B. Oskar" in Oskar Maria Grafs Wir sind Gefangene" und der Richter Helbret" in Arnold Zweigs Der Mann des Friedens." In dieser Seminararbeit mochte ich die beiden Figuren und deren Geisteszustand miteinander vergleichen. Zuerst werde ich dazu den Begriff Wahnsinn kurz definieren und auf die Tradition des Motivs in der Literatur eingehen, dann das Weltbild Oskar Maria Grafs dem von Arnold Zweig gegenuberstellen und den Inhalt der beiden Werke erlautern. Im Folgenden werde ich die zwei Protagonisten unter verschiedenen Gesichtspunkten beschreiben und herausarbeiten aus welchen Grunden sie verruckt" werden und welche Konsequenzen dieser Zustand fur sie hat. Zuletzt werde ich darauf eingehen, welche Funktion das Motiv Wahnsinn" in den beiden Werken erfullt.
 

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Contents

Wahnsinn Der Versuch einer Definition
5
Richter Helbret in Der Mann des Friedens
13
Oskar in Wir sind Gefangene
18
Vergleich der beiden Protagonisten und deren Geisteszustand 22 1 Zu Anfang
22
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Page 4 - Kranken, der alsbald furchtbar zu toben begann, mit Gewalt von der Strecke zu entfernen. Man mußte ihm Hände und Füße binden, und der inzwischen requirierte Gendarm überwachte seinen Transport nach dem Berliner Untersuchungsgefängnisse, von wo aus er jedoch schon am ersten Tage nach der Irrenabteilung der Chariti überführt wurde. Noch bei der Einlieferung hielt er das braune Mützchen in Händen und bewachte es mit eifersüchtiger Sorgfalt und Zärtlichkeit.
Page 9 - Uesküb, nachher noch dreizehn Monate vor Verdun. Dies war die schwerste Zeit meines Lebens; ich brauchte meine ganze Kraft und Zähigkeit, um zu widerstehen. Dann wurde ich durch die Hilfe von Männern, die zum großen Teil verstorben sind, nach Ober-Ost gerettet und sah in der Presse-Abteilung aus der Perspektive des obersten Stabes, was ich vorher von ganz unten durchgestanden hatte. Als Kämpfer für die Rechte des Menschen und für einen besseren Aufbau...
Page 19 - ... Wort. Im Garten traf ich meine Kameraden wieder. Leow kam, wollte mir erzählen. Ich schwieg. Mayer kam. Ich schwieg. Der große Berliner kam. Ich schwieg. Entsetzt erzählten sich alle, ich sei stumm. Krepieren oder frei werden, wiederholte ich in Gedanken und knirschte in mich. Alle bemißtraute ich. Jedermann war mein Feind. Kam der Arzt und wollte mit mir sprechen, machte ich eine Geste, wie wenn ich etwas aufschreiben wollte. Erhielt sodann einen Bleistift und Zettel dazu und schrieb meine...
Page 9 - Begeisterung hin. Am liebsten wäre er gleich freiwillig in die Armee eingetreten, so sehr befeuerte ihn der ins Ästhetische verklärte «Heldengeist...
Page 16 - Sie, die von ihm noch nie ein heftiges Wort gehört, ihn in einer Ehe von dreiundzwanzig Jahren stets besonnen und wohlerzogen gesehen hatte, vermochte vor Entsetzen kein Wort zu erwidern; nach einigen vergeblichen Atemzügen ging sie ganz...
Page 23 - Etliche sahen mich sonderbar an. Ich brach auf einmal in ein wüstes Gelächter aus, tanzte förmlich und steckte den ganzen Saal mit meiner Fröhlichkeit an.
Page 19 - ... der Arzt. Ich schwieg und sah ihn böse an. Fünf Monate schwieg ich. Selbst allein sprach ich kein Wort. Im Garten traf ich meine Kameraden wieder. Leow kam, wollte mir erzählen. Ich schwieg. Mayer kam. Ich schwieg. Der große Berliner kam. Ich schwieg. Entsetzt erzählten sich alle, ich sei stumm. Krepieren oder frei werden, wiederholte ich in Gedanken und knirschte in mich. Alle bemißtraute ich. Jedermann war mein Feind. Kam der Arzt und wollte mit mir sprechen, machte ich eine Geste, wie...
Page 21 - Heilanstalt", sagte der Arzt tonlos, und die Wärter nahmen mich in ihre Mitte. Ich hatte mich etwas beruhigt. Peinlich nahmen alle Abschied. Viele schauten mich an, als sei ich ein Geist oder Teufel.
Page 8 - Selbstverständliche war. Oskar Maria Graf wurde am 22. Juli 1894 in Berg am Starnberger See geboren...
Page 19 - Und wieder, wieder, immer wieder mußte ich zurück und, die Hand an der Schläfe, das Gesicht dem Korporal zugewendet, vorbeidefilieren. Mein Lachen verstärkte sich zur Salve. Der Unteroffizier sprang, fauchte, piepste. Da auf einmal brach ich zu Boden vor Lachen, hielt noch immer die Hand an der Schläfe und sah den vollkommen ratlosen, wütenden Unteroffizier an. Alle lachten. Der Unteroffizier zog sein Notizbuch und schrieb mich...

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