Warum wird in der Früh- und Hochphase des Minnesangs nicht gegessen?: Eine Untersuchung der Lieder Reinmars des Alten und Heinrichs von Morungen

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GRIN Verlag, Oct 30, 2008 - Literary Criticism - 23 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, Note: 1,0, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Deutsches Seminar I), Veranstaltung: Reinmar und Morungen, 32 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: „Swenn siz parel im gebôt, / daz gerüeret het ir munt, / So wart in niwe freude kunt / daz er da nach sult trinken.“ Wenn im Parzival Gawân den Becher mit seiner Dame teilt und mit ihr speist, verbinden sich höfische Minne und höfisches Mahl. Dieses mittelalterliche ‚Candle Light Dinner‘ entspricht in dieser Weise sicher nicht der höfischen Realität, ist aber dennoch in einem zentralen Punkt vollkommen glaubhaft: Selbst zu festlichen Gelegenheiten bei Hofe teilen sich die Gäste die Trinkgefäße. In der höfischen Epik speisen Männer und Frauen in Paaren – eine ideale Gelegenheit also, um sich kennen zu lernen. Umso erstaunlicher ist es, dass, im Gegensatz zu dieser Szene aus der höfischen Epik, im Minnesang das gemeinsame Mahl nicht existiert. Im Textkorpus, der die Früh- und Hochphasen des Minnesangs (ca. 1150-1230) umfasst, dem „Des Minnesangs Frühling“ erscheint das Wortfeld um Nahrungsaufnahme (etwa „ezzen“, „speisen“, „smecken“, „trinken“, „visch“, „vleisch“, „wazzer“, „brôt“, „vasân“, „wîn“) im Zusammenhang mit der Minnesituation gar nicht. Warum wird in der Früh- und Hochphase des Minnesangs auf das gemeinsame Speisen und sogar auf die Nennung von Nahrungsmitteln verzichtet? Auch in der Forschung ist diese Thematik stark vernachlässigt: Während das Bankett in der höfischen Epik Gegenstand zahlreicher Untersuchungen ist,5 ist das nicht existierende Mahl im Minnesang noch unerforscht. Als Untersuchungsgegenstand bieten sich die Lieder Heinrichs von Morungen und Reinmars des Alten als Repräsentanten der Hochphase des Minnesangs an. Denn hier versammeln sich die Motive des Minnesangs (zum Motiv der heimlichen Liebe siehe 2.1, zum Motiv des Kussraubs vgl. 4.2), Topoi (zum roten Mund als Teil des Schönheitstopos‘ vgl. 4.1) und Untergattungen (zur Untergattung ‚Frauenlied‘ vgl. 3, zum ‚Tagelied‘ insbesondere 2.2 und 4.2), die andere begründeten; sie werden zur Vollendung gebracht und variiert.
 

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