Was ist Syntax?: Ein kritischer Versuch

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N.G. Elwert, 1894 - German language - 163 pages
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Page 48 - Satz ist der sprachliche Ausdruck eines Urteils", überwunden hat, hätte man auch die Definition: „Syntax ist Satzlehre", aufgeben sollen, auch wenn man „Satz" als rein grammatischen Terminus gebraucht. Denn beide irrigen Definitionen entspringen doch der gefährlichen Methode des Ausgehens von dem Inhalt, dessen Ausdrucksform gesucht bzw. postuliert wird . . . Lautlehre, Wortlehre und Syntax sind Teile der Gesamtgrammatik, welche dadurch entstehen, daß man die menschliche Rede in ihre Bestandteile...
Page 33 - So ist denn in der Tat eine Behandlung derjenigen Satzbildungsmittel, die ich unter dem Namen der musikalischen zusammenfassen möchte: Tempo, Pausen, Betonung, Rhythmus, Melodie, kaum noch je ernstlich im einzelnen versucht worden. Von welcher Wichtigkeit die eingehende Erforschung der musikalischen Satzbildungsmittel für die richtige Erkenntnis der syntaktischen Gebilde ist, ersieht man allein aus dem Umstande...
Page 48 - Wortgefüge" als eine sinnvolle Verbindung von Worten zu einer neuen Einheit, so würde die richtige Reihe lauten: Laut — Wort — Wortgefüge. Die fehlerhafte Unterschiebung des engern Begriffs Satz an Stelle von Wortgefüge hätte sich im gemeinen Gebrauch nicht so festsetzen können, wenn die Grammatik nicht so sehr unter den Einfluß der Logik geraten wäre. Der Begriff und Terminus „Satz", der seinen Ursprung aus der Logik nicht verleugnen...
Page v - in zwei teile : einen speciellereu , rein kritischen , der die üblichen syntaktischen Systeme einer prüfung unterzieht, und einen allgemeineren, der, ausgehend von der kritik des Verhältnisses der syntax zu den übrigen teilen der grammatik, zu positiven ergebnissen zu gelangen sucht
Page 143 - ... Formenlehre steht nicht die Syntax zur Seite, sondern die Bedeutungslehre; in Formenlehre und Bedeutungslehre zerfällt sowohl die Wortlehre als die Syntax. Syntax ist der dritte Teil der nach den behandelten Objekten gegliederten Grammatik. Er behandelt die Verbindung der Worte zu neuen Einheiten oder die Wortfügung. Sein Gegenstand sind die Wortgefüge; alle Wortgefüge und nicht nur die Sätze . . ."'« Ries selbst hat auf dieser Grundlage keine Grammatik geschrieben.
Page 97 - ... die Mehrzahl der Tempusbedeutungen), als auch zur Bezeichnung einer Modifikation der Wortbedeutung (z. B. die Steigerungsformen). Die irrige Ansicht, die ohne weiteres allen Flexionsformen und allen ihren Bedeutungen ein syntaktisches Interesse zuschreibt, eine Ansicht, die heute noch die unbedingt herrschende ist, hat zu einer Verschleierung und Verwischung der wesentlichen Verschiedenartigkeit der Flexionsbedeutungen geführt, die meist unbeachtet bleibt und oft völlig verkannt wird.
Page 157 - Das Wort hat aber noch eine andere Eigenschaft an sich, die Bedeutung ; es gibt eineGattung von Wörtern, die in jeder Art der Rede in Anspruch genommen werden, deren Bedeutung aber weder in der Etymologie erörtert werden kann, noch auch in der Syntax Platz findet, weil ihre Bedeutung weder von etymologischen noch von syntaktischen Regeln abhängig ist. Lassen sich...
Page 161 - Auch die Flexionslehre ist Syntax ; nicht ein Teil (!) der Syntax, sondern ein Kompendium der Syntax : wenn gesagt wird, dass in einer Sprache der Dativ auf -e ausgehe, so heisst das nichts anderes als: bei den Verben gehen, schenken etc. stehen gewisse auf -e ausgehende Wortformen.
Page 49 - Zerlegt sich die wissenschaftliche Betrachtung das komplexe Gebilde der Sprache, von formalen Gesichtspunkten ausgehend, in seine Bestandteile, so findet sie: 1) die Laute, als die kleinsten, nicht weiter zerlegbaren, einfachsten Einheiten; 2) zu neuen (verhältnissmässig) selbständigen Einheiten verbundene Laute dh Wörter; und 3) wiederum zu neuen (relativ) selbständigen Einheiten verknüpfte Wörter dh Wortgefüge. Sätze aber findet eine formale Analyse zunächst nicht".

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