Weiblichkeitsentwürfe und empfindsame Moral in G.E. Lessings 'Miß Sara Sampson' und 'Emilia Galotti'

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GRIN Verlag, 2007 - 112 pages
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Magisterarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,0, Christian-Albrechts-Universitat Kiel, 72 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Der Titel meiner Magisterarbeit lautet Weiblichkeitsentwurfe und empfindsame Moral in G. E. Lessings Miss Sara Sampson' und Emilia Galotti'." Das von mir intendierte Ziel besteht darin, mittels einer Analyse der Trauerspiele bestimmte literarische Weiblichkeitskonzepte abzuleiten und mit Hilfe historischer und soziologischer Ergebnisse auf die Problemstellung einzugehen, inwiefern diese Weiblichkeitskonzepte mit der historischen Realitat kongruent sind oder nicht. Etwas profan ausgedruckt konnte man formulieren: Stehen die von Lessing dargestellten Frauenbilder im Einklang mit dem allgemeinen Geschlechterverstandnis des 18. Jahrhunderts oder antizipiert Lessing eine modernere Auffassung bezuglich der Rolle der Frau? Diese Frage stellt sich meines Erachtens zu Recht, denn als Dramatiker der Aufklarung vertrat Lessing jene vernunftorientierten Maximen, die den Menschen' in den Vordergrund stellten und nicht dessen Geschlecht. Fuhrt man diesen Gedankengang konsequent weiter, gelangt man zu den neueren feministischen Theorien und den von ihren Vertretern geforderten Egalitatsbestrebungen, deren wichtigste Pramisse analog zu Lessings humaner Einstellung darin bestand, dass all of us, men as well as women should be regarded as human beings." Dass Lessing in seinen Dramen nicht die Theorien der modernen Women's Studies' oder Gender Studies' antizipierte beziehungsweise antizipieren konnte, versteht sich von selbst. Wenn ich im Folgenden den Begriff Emanzipation' verwende, ist dieser nicht im Sinne gegenwartig gefuhrter Debatten zu verstehen, sondern muss als eine Anerkennung und Aufwertung der weiblichen Sphare beziehungsweise einer partiellen Loslosung von dem traditionell vorherrschenden Frauenbild des 18. Jahrhunderts begriffen werden. Fur die Beantwortung d"
 

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Contents

Prolog
4
Die Familie im 18 Jahrhundert
54
Epilog
86
Copyright

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Page 65 - Die Namen von Fürsten und Helden können einem Stücke Pomp und Majestät geben; aber zur Rührung tragen sie nichts bei. Das Unglück derjenigen, deren Umstände den unsrigen am nächsten kommen, muß natürlicher Weise am tiefsten in unsere Seele dringen; und wenn wir mit Königen Mitleiden haben, so haben wir es mit ihnen als mit Menschen, und nicht als mit Königen.
Page 30 - Ehedem wohl gab es einen Vater, der seine Tochter von der Schande zu retten, ihr den ersten den besten Stahl in das Herz senkte - ihr zum zweiten das Leben gab. Aber alle solche Taten sind von ehedem ! Solcher Väter gibt es keinen mehr! ODOARDO. Doch, meine Tochter, doch! (indem er sie durchsticht) Gott, was hab
Page 27 - Ich kenne das Haus der Grimaldi. Es ist das Haus der Freude. Eine Stunde da, unter den Augen meiner Mutter; — und es erhob sich so mancher Tumult in meiner Seele, den die strengsten Übungen der Religion kaum in Wochen besänftigen konnten.
Page 48 - Wie kann ein Mann ein Ding lieben, das, ihm zum Trotze, auch denken will? Ein Frauenzimmer, das denket, ist eben so ekel als ein Mann, der sich schminket. Lachen soll es, nichts als lachen, um immerdar den gestrengen Herrn der Schöpfung bei guter Laune zu erhalten. - Nun, worüber lach
Page 45 - Wann wir einmal alle — wir, das ganze Heer der Verlassenen — wir alle in Bacchantinnen, in Furien verwandelt, wenn wir alle ihn unter uns hätten, ihn unter uns zerrissen, zerfleischten, sein Eingeweide durchwühlten — um das Herz zu finden, das der Verräter einer jeden versprach und keiner gab! Ha! das sollte ein Tanz werden! das sollte!
Page 26 - Der Prinz ist galant. Du bist die unbedeutende Sprache der Galanterie zu wenig gewohnt. Eine Höflichkeit wird in ihr zur Empfindung; eine Schmeichelei zur Beteurung; ein Einfall zum Wunsche; ein Wunsch zum Vorsatze. Nichts klingt in dieser Sprache wie alles: und alles ist in ihr so viel als nichts.
Page 37 - Wenn ich der Marwood Erfahrung gehabt hätte, so würde ich den Fehltritt gewiß nicht getan haben, der mich mit ihr in eine so erniedrigende Parallel setzt.
Page 18 - Wie? muß der, welcher tugendhaft sein soll, keinen Fehler begangen haben? Hat ein einziger so unselige Wirkungen, daß er eine ganze Reihe unsträflicher Jahre vernichten kann: So ist kein Mensch tugendhaft; so ist die Tugend ein Gespenst, das in der Luft zerfließet, wenn man es am festesten umarmt zu haben glaubt...
Page 17 - Abgrund herabstürzen, als ich mich, noch zur rechten Zeit, von einer mir ähnlichen Person zurückgehalten fühlte. Schon wollte ich ihr den feurigsten Dank abstatten, als sie einen Dolch aus dem Busen zog. Ich rettete dich ! schrie sie. um dich zu verderben ! Sie holte mit der bewaffneten Hand aus - und ach ! ich erwachte mit dem Stiche.
Page 22 - Merken Sie aber wohl, daß ich hier nicht von dem Ausgange rede, denn das stelle ich in des Dichters Gutbefinden, ob er lieber die Tugend durch einen glücklichen Ausgang krönen, oder durch einen unglücklichen uns noch interessanter machen will.

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