Wer soll Hüter der Verfassung sein?: Abhandlungen zur Theorie der Verfassungsgerichtsbarkeit in der pluralistischen, parlamentarischen Demokratie

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Mohr Siebeck, 2008 - Law - 112 pages
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English summary: Hans Kelsen is seen as the most important precursor of constitutional jurisdiction in the 20th century. His concept of a central judicial authority with the power of judicial review (negative legislator) over parliament is not only a consequence of the constitution's priority. In his two ground-breaking texts from 1929 and 1931, Kelsen finds the reasons for this in the theory of democracy, thus defending the constitutional court as an element of pluralistic democracy against Carl Schmitt's concept of a presidential custodian of the political unity or people. It is precisely through his pure theory of law that Kelsen is able to attain a modern understanding of constitutional jurisdiction, which does away with the traditional arguments that the separation of powers and democracy are incompatible as well as with the myth of an unpolitical constitutional justice. German description: Hans Kelsen gilt als wichtigster Vordenker der Verfassungsgerichtsbarkeit im 20. Jahrhundert. Seine Konzeption einer zentralen Gerichtsinstanz mit machtvoller Normenkontrollkompetenz (negativer Gesetzgeber) gegenuber dem Parlament ergibt sich aber nicht nur aus dem rechtsstaatlichen Vorrang der Verfassung. Kelsen begrundet dies in bahnbrechender Weise vielmehr demokratietheoretisch: Im Machtkampf des politischen Systems ist das Verfassungsgericht 'ein' Huter der Verfassung, indem es sich die gesetzgebende Gewalt mit weiteren Verfassungsorganen im Sinne von checks and balances teilt; dies zum Schutz von Minderheiten als 'Elixier' einer offenen Gesellschaft - und daher vor allem auch als Instrument der parlamentarischen Opposition. Im Schlagabtausch mit seinem Gegner Carl Schmitt verteidigt er so das Verfassungsgericht als Element pluralistischer Demokratie gegen dessen Konzeption eines prasidialen Huters der homogenen politischen Einheit Volk. Gerade der 'reine' Rechtslehrer Kelsen dringt damit zu einem modernen Verstandnis der Verfassungsgerichtsbarkeit durch, das mit den tradierten Argumenten einer vermeintlichen Unvereinbarkeit mit Gewaltenteilung und Demokratie in einer bis heute unubertroffenen Weise ebenso aufraumt wie mit dem weit verbreiteten Mythos einer 'unpolitischen' Verfassungsjustiz. Dieser Zusammenhang, der den beiden zentralen Texten Kelsens zur Verfassungsgerichtsbarkeit von 1929 und 1931 zugrunde liegt, wird in einem einfuhrenden Essay anhand der Kelsen-Schmitt-Kontroverse entfaltet.

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About the author (2008)

Hans Kelsen, 1919-30 Universitatsprofessor in Wien; 1919-30 Verfassungsrichter; 1930-33 Professor in Koln; 1933-40 Professor in Genf; 1936-38 Professor in Prag; 1945-52 Professor in Berkeley.Robert Chr. van Ooyen, Geboren 1960; Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und des Offentlichen Rechts in Wien, Duisburg, Bonn und Basel; 1991 Promotion zum Dr. phil.; 1998-2001 Vertretung einer Professur fur Politikwissenschaft an der Universitat Duisburg; seit 2001 Dozent und ORR an der Fachhochschule des Bundes.

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