Zeichen der Zeit - Heinrich Heine als politischer Poet betrachtet anhand der Zeitgedichte 'Doktrin', Lebensfahrt' und 'Nachtgedanken'

Front Cover
GRIN Verlag, May 5, 2004 - Literary Criticism - 11 pages
0 Reviews
Die Entstehung des mit der römischen Ziffer ? bezeichneten ersten Zeitgedichts „Doktrin“ wird laut [DHA 2, S. 685] auf Anfang Juni 1844 datiert, am 20. Juli 1844 erscheint der Erstdruck. Im Vergleich zu den beiden in dieser Analyse noch folgenden Gedichten „Lebensfahrt“ und „Nachtgedanken“ ist „Doktrin“ von der Entstehungszeit gesehen das jüngste der drei betrachteten Gedichte, so dass von einer chronologischen Anordnung nicht die Rede sein kann. Vielmehr leitet dieses Gedicht den Zyklus ein und will die Kernaussage der Zeitgedichte als Einheit plakativ und verbal radikal verdeutlichen. Auf eine mögliche Interpretation soll jedoch erst an späterer Stelle genauer eingegangen werden. Bestehend aus drei Strophen á vier Verse mit einem Reimschema der Form abcb / defe / gbhb weist dieses Gedicht größtenteils im Militär verwendetes Vokabular auf. Hauptbestandteil bzw. Gegenstand des Geschehens ist eine Trommel, die sowohl das hier in der dritten Strophe auftretende lyrische Ich als auch ein konkret aufgefordertes Du schlägt bzw. schlagen soll. Die Trommel als Symbol des Aufbruchs, als Mittel „die Leute aus dem Schlaf“ (V5) zu wecken, durchzieht das ganze Gedicht. Außerdem bekundet das lyrische Ich durch das Trommelschlagen Sinn und Zweck von Wissenschaft, Büchern und der Philosophie des deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel aufdecken, oder salopp ausgedrückt, ans Tageslicht führen zu können. In Bezug auf die sich reimenden Wörter in jeder Strophe ist zu beobachten, dass eine eher den sinnlichen Werten zugewandte Lebenseinstellung vom Tambour angeschlagen bzw. ins Leben gerufen werden soll. Im Gegensatz zu „Sinn“ (V4, V10), „Jugendkraft“ (V6) und dem Sein (hier „weil ich ein guter Tambour bin“ (V12)) steht die „Wissenschaft“ (V8). Das Küssen der „Marketenderinn“ (V2) wird hierzu in der späteren Interpretation eine wesentliche Rolle spielen. Des weiteren darf die Aufgabe eines Tambours, also des Trommelschlagenden in einem Militärkorps, dessen gute Ausführung dieses Berufs sich das lyrische Ich in der letzten Strophe selbst zuschreibt, nicht unbeachtet ble iben: Der Tambour gibt den Takt an, in dem die Soldaten zu marschieren haben, vielleicht ein Hinweis auf Heines Verständnis als politischer Poet (hierzu später mehr).

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Bibliographic information