Zeitgenössische Kritik an der Neuen Sachlichkeit

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GRIN Verlag, 2007 - 28 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen, Note: 2,0, Universitat Osnabruck (Institut fur Germanistik), Veranstaltung: Seminar: Literatur und Theorie der Neuen Sachlichkeit, Sprache: Deutsch, Abstract: Die realistische, uberwiegend emotionslose und asthetisch wenig ambitionierte Literatur der Neuen Sachlichkeit erfreute sich nicht nur positiver Resonanz. Anhand ausgewahlter Textbeispiele soll die kritische Diskussion um die Literatur der Neuen Sachlichkeit differenziert beleuchtet werden. Schwerpunkt dieser Arbeit bilden dabei die Fragen, was genau an der Literatur der Neuen Sachlichkeit kritisiert und von welchen Standpunkten aus Kritik geubt wurde. Anhand des Aufsatzes Schluss mit der Neuen Sachlichkeit" von Joseph Roth sollen zunachst wesentliche Argumente gegen die neusachliche Literatur herausgearbeitet werden. Zur Erganzung und zum Vergleich folgen einige Beispiele aus Roths Roman Flucht ohne Ende," der in seiner Schaffensphase als Vertreter der Neuen Sachlichkeit entstand. Der Vollstandigkeit halber werden in einem nachsten Schritt kritische Positionen der burgerlichen und marxistischen Linken, der Rechtskonservativen und der Volkisch-Nationalen und schliesslich der Nationalsozialisten gegenuber der Neuen Sachlichkeit betrachtet. In einem abschliessenden Teil sollen einige Kritikpunkte noch einmal aufgegriffen und vom heutigen Standpunkt aus gesehen diskutiert werden."
 

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Page 15 - Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen...
Page 5 - Freundes, Kameraden und Gesinnungsgenossen Franz Tunda. Ich folge zum Teil seinen Aufzeichnungen, zum Teil seinen Erzählungen. Ich habe nichts erfunden, nichts komponiert. Es handelt sich nicht mehr darum zu »dichten«.
Page 5 - Gefährlich aber wird das Dokument in dem Augenblick, in dem es anfängt, die Gestaltung zu ersetzen und zu verdrängen. Die Mitteilung tritt an Stelle des Berichts. Das mitteilende Wort an Stelle des Geformten und Formenden, des »gedichteten« also. In den Urzeiten der sogenannten »Barbarei« wurde die Mitteilung von selbst zur Dichtung. Der primitive Mensch kennt keine sachlich mitgeteilte, nackte Tatsache. Er singt, was er sagen will: ein Irrtum und eine Lästerung der Barbarei, unsere Zeit...
Page 13 - Da stoßen wir nun auf das Element der Sachlichkeit, (...) eine nüchterne vollkommen sentimentalitätslose Sachlichkeit, eine Sachlichkeit, die den Problemen grausam ins Auge schaut, die sich nicht mehr bekreuzigt vor der Notwendigkeit des Krieges, des Kampfes, die sich nicht mit dem falschen Pathos umgibt, die nicht rührselig verherrlicht, um dahinter eigene Furcht zu verstecken, sondern die vor dem Kriege steht mit derselben inneren Erschütterung wie vor der Geburt.
Page 11 - ... bereits bei Heinz Kindermann: Vom Wesen der „Neuen Sachlichkeit". In: Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 1930, S. 354-386, hier insb. 364, 367, 379, 382. Kindermann favorisiert dagegen seine paradoxe Prägung einer „Idealistischen Sachlichkeit", 369 u.ö. Auszugsweise wieder abgedruckt bei Sabina Becker: Neue Sachlichkeit, Bd. 2. Quellen und Dokumente. Köln, Weimar, Wien 2000, S. 417-423. Siehe ebd., S. 248-249, auch den Wiederabdruck von Erich Kästner: Diarrhoe des Gefühl, mit einer...
Page 3 - Der Neuen Sachlichkeit sei der Fehler unterlaufen, den „Schatten, den die Gegenstände werfen, mit den Gegenständen verwechselt zu haben": „Das Wirkliche begann man für wahr zu halten, das Dokument für echt, das Authentische für...
Page 13 - Ansprüchen des einzelnen lndividuums", von der persönlichen, individuellen Befindlichkeit zugunsten der „Bestimmung des Menschen als Teil der Natur und des Kosmos", von den Einzelinteressen, zugunsten der „natur- und erdverbundenen Volksgemeinschaft"24. Den Bauern, das „bäuerliche Wesen...
Page 9 - Er bezeichnet die neusachliche Literatur als kunst- und poesiefeindlich und die neusachliche Tatsachenpoetik als eine „freiwillige Degradierung" der Autoren zu „bloßen Registraturmaschinen"15.
Page 13 - Sachlichkeit" dagegen seien gekennzeichnet durch positives Lebensgefühl und einen starken Glauben an die deutsche Kultur und die „Wiedergeburt der eigenen Nation"26. Auch Joseph Goebbels hebt die Bedeutung des Kriteriums „Sachlichkeit...
Page 13 - seine Welt unsentimental sieht und dennoch innerlich ergriffen zu sein vermag."25 Die „radikale...

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