Zerfall von Figur und Struktur in Ehrensteins Tubutsch

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GRIN Verlag, 2007 - 64 pages
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Zwischenprufungsarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Westfalische Wilhelms-Universitat Munster (Institut fur Dt. Philologie), Veranstaltung: Albert Ehrenstein, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Die Arbeit untersucht den Zusammenhang von Ichauflosung und Erzahlformation in Albert Ehrensteins Prosa-Erstling Tubutsch. Mit Rekurs auf Nietzsche wird an Tubutsch ein dissoziiertes Ich in einer Aussenseiterposition zur Gesellschaft diagnostiziert, das sich eskapistisch in kleinsten Spahren imaginare Welten aufbaut und sich dabei mehr implizit als explizit gegen gesellschaftliche Normen und erwartungen stellt. Die Ergebnisse der Arbeit wurden als "durchaus fruchtbar" bewertet , Abstract: So deutlich eine Verbindung zwischen dem zerrissenen, sich scheinbar auflosenden Realitatsbezug des Autors und der Dissoziation des Karl Tubutsch auszumachen ist, so verschwommen erscheint in einer solchen Ausdeutung die spezielle poetische Auseinandersetzung mit der auf den Autor einwirkenden Wirklichkeit. Erst eine literarische Betrachtung ermoglicht es, die Figur Karl Tubutsch als fiktionalen Ausdruck radikaler Form zu verstehen und dem Text das literarische Element des Erdachten zuzugestehen. Der zugrunde liegende Problemkomplex kann in seiner tiefgrundigen Gesamtheit nur vollstandig erhellt werden, wenn sich das literarische Subjekt vom realen lost und in seiner einzigartigen, literarischen Gestalt zur Kenntnis genommen wird. So wird im Folgenden der Versuch unternommen werden, Karl Tubutsch als dissoziertes Ich zu analysieren. Die Figur wird dabei in den kultur- geschichtlichen Hintergrund eingegliedert, um sie als Sinnbild eines desillusionierten, von der rational-zivilisatorischen Wirklichkeit der Jahrhundertwende zerrissenen Menschen darzustellen. Das Werk, das Albert Ehrenstein schlagartig zu einem Wortfuhrer des Expressionismus gemacht hat, wird aus literarischer Perspektive zu betrachten sein. Der kunstvollen Entwicklung
 

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Contents

Der strukturelle Spiegel
17
Abschließende Bemerkungen
22
Literaturangaben
25
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Popular passages

Page 14 - Titel, die denen irgend eines orientalischen Herrschers weder an Berechtigung noch an Mannigfaltigkeit nachstanden. Aber ein alter Spatz nascht täglich ungestraft, nie verscheucht von den Erbsen, pickt die Schoten an und schmaust die Körner, und noch nie hatte ich die Courage, die Grünzeughändlerin zu fragen, ob sie vielleicht Witwe sei. Denn der Gedanke ist nicht von der Hand zu weisen: der Spatz ist niemand anderer als ihr verstorbener Gatte, der sie besuchen kommt und — o ahnungsvolles Unterbewußtsein...
Page 8 - Sohin hätte eigentlich für mich die Verpflichtung bestanden, alle Blätter der Welt zu berichtigen. Aber bei dem diametralen Gegensatze der Weltanschauungen, der mich von den Herausgebern illustrierter Publikumszeitschriften trennt, bei der Verschiedenheit der Dinge, die sie und ich wichtig zu nehmen organisiert sind, war es ziemlich fraglich, ob ich mit meiner Ansicht durchdringen würde. Ja, wenn die abgestürzten Fliegen Besitzer eines Powidlbergwerkes gewesen wären und Pollak...
Page 12 - ... unterhalte Beziehungen zu einer Opernsängerin, gewähre dem Chefredakteur Armand Schigut bereitwilligst ein Interview über den Handelsvertrag mit Monaco, verbiete meinem Kammerdiener Dominik — dargestellt durch den Stiefelknecht Philipp — jemanden vorzulassen, die Baronin Zahnstein ausgenommen . . . und kaum mir das ewige Durchlaucht hin, Durchlaucht her auf die Nerven geht, werde ich eine gefeierte Diva, haue meinem nichtswürdigen Direktor, dem ich das schon lange gewünscht habe, eine...
Page 9 - Buches der letzten Tage, nebenan andere das endliche Eintreffen der neuen Heringe. Die einen mögen das eine geniale Einrichtung der nichtorientalischen Großstadt nennen, die übrigen, Ländlichen, über diese Unordnung verrückt werden. Ich aber weiß nicht, welches die Regenschirme, welches die Bücher und welches die Heringe sind...
Page 1 - ... jedoch kein klares Bild von der soziologischen Situation des Dichters gewinnen können — wenn es überhaupt eine gültige soziologische Formel für die Situation des Dichters gibt, und wenn nicht in jeder Epoche der Dichter jeweils wesensverschiedene Funktionen in der Gesellschaft erfüllt. (l ) Es...
Page 2 - Um mich, in mir herrscht die Leere, die öde, ich bin ausgehöhlt und weiß nicht wovon. Wer oder was dies Grauenvolle heraufgerufen hat: der große anonyme Zauberer, der Reflex eines Spiegels, das Fallen der Feder eines Vogels, das Lachen eines Kindes, der Tod zweier Fliegen: danach zu forschen, ja auch nur forschen zu wollen, ist vergeblich, töricht wie alles Fahnden nach einer Ursache auf dieser Welt.
Page 17 - Mein Name ist Tubutsch, Karl Tubutsch. Ich erwähne das nur deswegen, weil ich außer meinem Namen nur wenige Dinge besitze...
Page 12 - Wandlung, kein Lehrer sagt ihm ironisch: „Sie werden es noch weit bringen", er weiß es so tief, daß es ihm gar nicht mehr zum Bewußtsein kommt: niemand kann es weiter bringen als zu sich. Ich jedoch muß, wenn es mir zu fad wird, „Ich" zu sein, notgedrungen ein anderer werden.

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