Zu, Paul Celan "Das verstummende Gedicht": zur Entwicklung der Sprachlosigkeit im lyrischen Werk Paul Celans

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GRIN Verlag, 2007 - Mutism in literature - 30 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1,7, Universitat Potsdam, 8 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Als im Sommer 1945 der Zweite Weltkrieg und damit der Schrecken des antisemitischen Nationalsozialismus' ein Ende fand, breitete sich die Erleichterung daruber nicht nur in der Masse der Bevolkerung, sondern auch bei den Deutschen und Juden im Exil aus. In das Nachkriegsdeutschland kehrten nun auch nach und nach die ins Exil gegangenen Schriftsteller zuruck, die im Exil weiterhin deutschsprachige Literatur verfasst hatten. Anders verhielt es sich jedoch mit dem deutschsprachigen Lyriker Paul Celan, zumal er auch eine andere Seite nicht nur des Krieges, sondern auch des Dritten Reiches erleben musste. Die meisten Schriftsteller, uberwiegend deutschstammig, nahmen entweder aktiv am Krieg teil oder beobachteten die Geschehnisse aus einem anderen Land. Celan war als Jude jedoch vielmehr dem deutschen Antisemitismus ausgesetzt, er musste die Folgen der Judenvernichtung im Ausland miterleben und konnte wie alle anderen Juden nur versuchen irgendwie zu uberleben. In seiner Lyrik versucht Celan diese Geschehnisse zu vergegenwartigen, nicht alleine um sie zu verarbeiten, sondern vielmehr um die Erinnerung daran wach zu halten, fur sich und das ganze deutsche Volk. Die Aufgabe, die Celan sich damit gestellt hatte, grenzte an den Versuch das Unsagbare dieses Schreckens in Worte zu fassen; ein Ringen um Worte in einer Sprache, die durch den Missbrauch der Nazis fast unbrauchbar geworden war, um die vergangenen und gegenwartigen Ereignisse adaquat ausdrucken zu konnen. Dieses Ringen um Worte spiegelt sich deutlich zunehmend in der Lyrik Celans wieder, ein Ringen, das nahe am Verstummen zu sein scheint. Um diese Entwicklung nachzuvollziehen, soll in dieser Arbeit der Weg der Lyrik Celans anhand einiger Werke, die exemplarisch fur die jeweilige Schaffensperiode stehen, nachskizziert werden. Hierbei g"
 

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Page 2 - Sie, die Sprache, blieb unverloren, ja, trotz allem. Aber sie mußte nun hindurchgehen durch ihre eigenen Antwortlosigkeiten, hindurchgehen durch furchtbares Verstummen, hindurchgehen durch die tausend Finsternisse todbringender Rede. Sie ging hindurch und gab keine Worte her für das, was geschah; aber sie ging durch dieses Geschehen. Ging hindurch und durfte wieder zutage treten, »angereichert
Page 2 - Erreichbar, nah und unverloren blieb inmitten der Verluste dies eine: die Sprache. Sie, die Sprache, blieb unverloren, ja, trotz allem. Aber sie mußte nun hindurchgehen durch ihre eigenen Antwortlosigkeiten, hindurchgehen durch furchtbares Verstummen, hindurchgehen durch die tausend Finsternisse todbringender Rede. Sie ging hindurch und gab keine Worte her für das, was geschah; aber sie ging durch dieses Geschehen. Ging hindurch und durfte...
Page 8 - Sie kennen die Umtriebe des Neonazismus in der Bundesrepublik. Im deutlichen Zusammenhang mit diesen Umtrieben erfolgt nun auch seit längerem der Versuch, mich und meine Gedichte zu zerstören.
Page 3 - Schlaflosigkeit nur oder Traum, sind sie doch das aufgeblühte Leben fast, der leise Schlag der Wimpern und der Weg von Dunkel zu Dunkel. Die heimatlose Welt und der Schlag unserer Herzen. Und das Antlitz des wechselnden Lebens. Oder zumindest der Versuch, es zu sein».
Page 9 - ZWÖLF JAHRE Die wahrgebliebene, wahrgewordene Zeile: . . . dein Haus in Paris - zur Opferstatt deiner Hände. Dreimal durchatmet, dreimal durchglänzt. Es wird stumm, es wird taub hinter den Augen. Ich sehe das Gift blühn. In jederlei Wort und Gestalt.
Page 10 - Besuche ertrunkener Schreiner bei diesen tauchenden Worten: Käme, käme ein Mensch, käme ein Mensch zur Welt, heute, mit dem Lichtbart der Patriarchen: er dürfte, sprach er von dieser Zeit, er dürfte nur lallen und lallen, immer-, immerzuzu. (»Pallaksch. Pallaksch.«) CHYMISCH Schweigen, wie Gold gekocht, in verkohlten Händen.
Page 8 - Jakobsstimme: Die Tränen. Die Tränen im Bruderaug. Eine blieb hängen, wuchs. Wir wohnen darin. Atme, daß sie sich löse. Stimmen im Innern der Arche: Es sind nur die Münder geborgen. Ihr Sinkenden, hört auch uns.
Page 4 - ESPENBAUM, dein Laub blickt weiß ins Dunkel. Meiner Mutter Haar ward nimmer weiß. Löwenzahn, so grün ist die Ukraine. Meine blonde Mutter kam nicht heim. Regenwolke, säumst du an den Brunnen? Meine leise Mutter weint für alle.
Page 10 - DIE SCHLEUSE Über aller dieser deiner Trauer: kein zweiter Himmel. An einen Mund, dem es ein Tausendwort war, verlor verlor ich ein Wort, das mir verblieben war: Schwester. An die Vielgötterei verlor ich ein Wort, das mich suchte: Kaddisch.
Page 9 - WOHIN MIR das Wort, das unsterblich war, fiel: in die Himmelsschlucht hinter der Stirn, dahin geht, geleitet von Speichel und Müll, der Siebenstern, der mit mir lebt. Im Nachthaus die Reime, der Atem im Kot, das Auge ein Bilderknecht Und dennoch: ein aufrechtes Schweigen, ein Stein, der die Teufelsstiege umgeht.

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