Zu: Georg Büchners "Lenz".: Die Leidensgeschichte Lenzens, seine innere Zerrissenheit und Untersuchung, inwieweit sich dies in der sprachlichen Gestaltung von Büchners Erzählung niederschlägt

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GRIN Verlag, 2007 - 52 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,7, Friedrich-Schiller-Universitat Jena (Literaturwissenschaften), Veranstaltung: Proseminar, 15 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Buchners Werk Lenz, welches in dem Zeitraum Sommer 1835 und Fruhjahr 1836"1 in Strassburg entstand und die einzige Erzahlung im Repertoire des Autors darstellt2, basiert zum grossten Teil auf den Aufschriften des Pfarrers Friedrich Oberlin, in dessen elsassisches Heimatdorf der Sturm und Drang - Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz im Jahre 1778 gelangte und wo es zum Ausbruch seiner geistigen Krankheit kam.3 Der Pfarrer Oberlin [...] hat die Schreie, Ausrufe, Erschutterungen, Selbstmordversuche eines vom Wahnsinn Bedrohten aufgezeichnet"4. Buchners Werk wird auch als erste klinisch exakte Fallbeschreibung der Schizophrenie"5 betrachtet. Diese Arbeit soll die Leidensgeschichte Lenzens, seine innere Zerrissenheit aufzeigen, wobei auch untersucht werden soll, inwieweit sich dies in der sprachlichen Gestaltung von Buchners Erzahlung niederschlagt."
 

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Page 17 - Aber nur so lange das Licht im Tale lag, war es ihm erträglich; gegen Abend befiel ihn eine sonderbare Angst, er hätte der Sonne nachlaufen mögen; wie die Gegenstände nach und nach schattiger wurden, kam ihm Alles so traumartig, so zuwider vor, es kam ihm die Angst an wie Kindern, die im Dunkeln schlafen...
Page 4 - Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg. Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen. Es war naßkalt; das Wasser rieselte die Felsen hinunter und sprang über den Weg. Die Äste der Tannen hingen schwer herab in die feuchte Luft. Am Himmel zogen graue Wolken, aber alles so dicht — und dann dampfte der Nebel herauf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so trag, so plump.
Page 13 - Er rannte auf und ab. In seiner Brust war ein Triumphgesang der Hölle. Der Wind klang wie ein Titanenlied. Es war ihm, als könne er eine ungeheure Faust hinauf in den Himmel ballen und Gott herbeireißen und zwischen seinen Wolken schleifen; als könnte er die Welt mit den Zähnen zermalmen und sie dem Schöpfer ins Gesicht speien. Er schwur, er lästerte.
Page 8 - Ein Sonnenblick lag manchmal über dem Tal, die laue Luft regte sich langsam, die Landschaft schwamm im Duft, fernes Geläute — es war, als löste sich alles in eine harmonische Welle auf.
Page 17 - Wie die Gegenstände nach und nach schattiger wurden, kam ihm alles so traumartig, so zuwider vor: es kam ihm die Angst an wie Kindern, die im Dunkeln schlafen; es war ihm, als sei er blind. Jetzt wuchs sie, der Alp des Wahnsinns setzte sich zu seinen Füßen: der rettungslose Gedanke, als sei alles nur sein Traum, öffnete sich vor ihm; er klammerte sich an alle Gegenstände. Gestalten zogen rasch an ihm vorbei, er drängte sich an sie; es waren Schatten, das Leben wich aus ihm, und seine Glieder...
Page 18 - Donner und dann gewaltig heranbrausten, in Tönen, als wollten sie in ihrem wilden Jubel die Erde besingen, und die Wolken wie wilde, wiehernde Rosse...
Page 7 - Traum, öffnete sich vor ihm; er klammerte sich an alle Gegenstände. Gestalten zogen rasch an ihm vorbei, er drängte sich an sie; es waren Schatten, das Leben wich aus ihm, und seine Glieder waren ganz starr. Er sprach, er sang, er rezitierte Stellen aus Shakespeare, er griff nach allem, was sein Blut sonst hatte rascher fließen machen, er versuchte alles, aber - kalt, kalt!
Page 9 - Der liebe Gott hat die Welt wohl gemacht, wie sie sein soll, und wir können wohl nicht was Besseres klecksen; unser einziges Bestreben soll sein, ihm ein wenig nachzuschaffen.

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