Zu: Brigitte Reimanns "Ankunft im Alltag" - Tagebücher 1955-1963. Eine Gegenüberstellung

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GRIN Verlag, 2007 - 44 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 1999 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Friedrich-Schiller-Universitat Jena (Germanistische Literaturwissenschaft), Veranstaltung: Proseminar DDR-Literatur, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Die Arbeit geht auf den 1961 in der DDR-erschienenen Roman "Ankunft im Alltag" von Brigitte Reimann ein. Die im Roman dargestellten Verhaltnisse des Alltag in der sozialistischen Produktion werden mit den tatsachlichen politischen und individuell-personlichen Uberzeugungen Brigitte Reimanns, so wie man sie den Tagebuchern entnehmen kann, verglichen., Abstract: "Was heisst und zu welchem Ende studiert man die Geschichte der DDR-Literatur?" Warum werde ich im Folgenden versuchen, mich mit einem Buch auseinanderzusetzen, das eine Realitat beschreibt, die mit der meinigen nichts zu tun hat, das mich noch dazu nicht sonderlich beruhrt hat? Warum werde ich mich mit den Tagebuchern einer Frau beschaftigen, die knapp zwei Generationen vor mir geboren wurde und mit Problemen zu kampfen hatte, die fur mich heute keine Rolle mehr spielen? Vor etwa zwei Jahren las ich "Franziska Linkerhand." Ich fuhlte mich der Heldin des Buches sehr nah, war begeistert von der Liebesgeschichte der Franziska Linkerhand. Wie ich zugeben muss, fehlten mir jedoch zum damaligen Zeitpunkt der Blick und das Verstandnis fur die Gesellschaftskritik, die in dem Roman steckt. Mit der Diskussion um die ungekurzte Neuauflage des Romans Im Jahr 1998 ruckte auch die Person Brigitte Reimanns wieder ins Zentrum des offentlichen Interesses. Ihre Tagebucher und Briefe wurden neu verlegt. Darin aussert sie sich sehr offen und kritisch zu politischen Entwicklungen in der DDR. Daruber hinaus kommt in ihnen das Bild einer, lebenshungrigen, aber auch widerspruchlichen Frau zum Vorschein. Mein Interesse fur Brigitte Reimann, fur diese lebenshungrige, kompromisslose und dabei bis an ihre Grenzen gehende junge Frau sind wohl der eigentliche Anlass fur die Wahl dieses Them"
 

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Contents

Inhalt
3
Gegenüberstellung Tagebücher Ankunft im Alltag
7
Zusammenfassung
15
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Popular passages

Page 8 - Wenn ich genau überlege - und ich grübele seit zwei Tagen unablässig -, warum ich mich auf diese Geschichte eingelassen hab, und wenn ich eine künstlerische Abenteuerlust streiche, bleibt am Ende wirklich, so heftig ich mich dagegen sträube, wieder mal ein rosarotes Ideal. Ich habe doch all meinen Idealen abgeschworen - und nun kommt einer daher und redet mir ein, ich könnte durch meine bescheidene Hilfe dem Sozialismus (über dessen moralische Berechtigung ich mir nicht einmal recht klar bin!)...
Page 13 - Dann erzählte ich von unserer Stadt, von ihrer Tristesse, von dem Leben der jungen Leute, die kein Kino haben, keinen Tanzsaal, und von den Arbeitern, die 12 Stunden am Tag unterwegs sind und nach dem Sinn des Lebens fragen: worin denn ihr Leben bestünde außer im Arbeiten und Schlafen ? Es gab, wie es so heißt, »Bewegung...
Page 9 - ... wieder auf, obgleich ich weiß, daß ich doch nichts Gescheites schaffen werde. Ich bin übelster Laune - oder, nein, es ist nicht einfach schlechte Laune, sondern eine seit Tagen anhaltende Depression, die mich gallig, boshaft und traurig macht. [...] Jeder Blick in die Zeitung oder gar in die NDL ist ein Ärgernis: unsere Literatur geht vor die Hunde ... Da schwatzt man immer wieder von den in naher Zukunft zu erwartenden Meisterwerken, und in Wahrheit ist seit Jahren - mit ganz wenigen Ausnahmen...
Page 14 - Ich will arbeiten und gute und ehrliche Bücher schreiben, verdammt. Sie sind doch Genossen. Ach, ich Esel und albernster aller Dummköpfe mit meinem gemütvollen Sozialismus: »hienieden Brot genug für alle Menschenkinder ...« Doch. Und die Rosen und die Myrthe und die Zuckererbsen. Doch. Genau das. Den Menschen Schuhe an die Füße. Das ist das Nächste, das Erste, dafür schreibe ich. Ich laß mir nicht Angst machen vor mir selber.
Page 9 - ... meinem Roman gestrichen [...], und eigentlich ist dieses machtlose, feige Sich-Beugen unter eine ungerechte Zensur das Bedrückendste bedrückender als die Zensur an sich. Immer wieder Konzessionen des Autors, Konzessionen, mit denen man sich die Veröffentlichung erkauft. Wann endlich wird man begreifen, daß die Literatur nicht der Propagierung und Lobsingung einer bestehenden Ordnung zu dienen hat?
Page 6 - ... drei Abiturienten, zwei Männern und einer Frau, die vor ihrem Studium ein Jahr praktischer Arbeit absolvieren und, konfrontiert mit einem ihnen bisher fremden Praxisfeld, neue Konflikte durchzustehen und Entscheidungen zu treffen haben. Neben dem Liebeskonflikt in der altbekannten Dreierkonstellation geht es vor allem um die alltägliche Bewährung in der gesellschaftlichen Arbeit, ums Realistischwerden gegenüber den eigenen idealistischen Erwartungen, um die pragmatische Einrichtung im •realen...

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