Zu Begriff und Bedeutung von 'Ehre' in Brentanos 'Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl' und Lessings 'Minna von Barnhelm'

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GRIN Verlag, 2007 - 56 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1, Ludwig-Maximilians-Universitat Munchen (Institut fur Neuere Deutsche Literatur), Veranstaltung: Romantik, 24 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Literarischer Vergleich, Abstract: Welchen Stellenwert hat in unserer Gesellschaft noch die Ehre?" diese Frage stellt Ulla Gosmann eingangs in ihrem Aufsatz Ehre, wem Ehre gebuhrt?" . Wie die Jahreskampagne 2004 / 2005 Nein zu Verbrechen im Namen der Ehre" der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes zeigt, setzt unser westlich-modernes Ehrverstandnis ganz andere Prioritaten als in fruheren Zeiten bzw. heute noch in anderen Regionen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Akzent von der ausseren auf die innere Ehre verschoben, hin zum grundgesetzlich verburgten Anspruch auf Achtung und Schutz der Menschenwurde" . Die Welt der Ehre" verwandelte sich also im Laufe der Zeit zur Welt der Wurde." Doch warum? Die Antwort liegt in dem enormen Konfliktpotential, das der vormoderne Ehrebegriff mit sich brachte und auch heute noch in vormodernen Regionen mit sich bringt. Das Augenmerk der vorliegenden Arbeit liegt speziell auf der literarischen Verarbeitung des vergangenen deutschen Ehrbegriffs und seinem Konfliktstoff zur Zeit der Aufklarung und der Romantik. Reprasentativ fur ihre Epoche hinsichtlich der Verarbeitung von Ehre als Hauptmotiv, sollen hier Clemens Brentanos Novelle Geschichte vom braven Kasperl und dem schonen Annerl" und Gotthold Ephraim Lessings Lustspiel Minna von Barnhelm, oder das Soldatengluck" verglichen werden: Im Besonderen die jeweiligen Hauptfiguren Kasper' und Major von Tellheim'. Um das notige Hintergrundswissen - wie beispielsweise die Differenzierung von innerer und ausserer Ehre - zu vermitteln, soll jedoch zuvor noch ein historischer Abriss des Ehrbegriffs in Form von Ursprung, Verlauf und Stand um 1800 geliefert werde
 

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Contents

Einleitung
3
Unterschiede und Gemeinsamkeiten
14
Schlussbetrachtung
21
Copyright

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Popular passages

Page 7 - Enkel, der soll ihn genießen. Ja seht, es ist immer ein herrlicher Junge gewesen und hielt etwas auf seinen Leib und auf seine Seele — ach Gott, auf seine Seele! — Ich habe gebetet den ganzen Weg, es ist nicht möglich, der liebe Herr läßt ihn gewiß nicht verderben. Unter allen Burschen war er immer der reinlichste und fleißigste in der Schule, aber auf die Ehre war er vor allem ganz erstaunlich. Sein Leutnant hat auch immer gesprochen: ,Wenn meine Schwadron Ehre im Leibe hat, so sitzt sie...
Page 11 - Notfall zu begnügen, Vollmacht hatte. So kam der Wechsel aus meinen Händen, und wenn er bezahlt wird, wird er sicherlich nicht an mich bezahlt. - Hierdurch, mein Fräulein, halte ich meine Ehre für gekränkt; nicht durch den Abschied, den ich gefordert haben würde, wenn ich ihn nicht bekommen hätte.
Page 10 - So recht, mein Sohn! Ich höre es; wenn dein Mund nicht plaudern kann, so kann dein Herz doch reden. - Ich bin sonst den Offizieren von dieser Farbe (auf Tellheims Uniform weisend), eben nicht gut. Doch Sie sind ein ehrlicher Mann, Tellheim; und ein ehrlicher Mann mag stecken, in welchem Kleide er will, man muß ihn lieben.
Page 7 - Spiegels wegen nannten, immer von der Ehre vor und sagte ihr immer, sie solle auf ihre Ehre halten und auch auf seine Ehre. Da kriegte dann das Mädchen etwas ganz Apartes in ihr Gesicht und ihre Kleidung von der Ehre; sie war feiner und manierlicher als alle andere Dirnen.
Page 15 - Es wäre zu wünschen, daß sich Herr Gottsched niemals mit dem Theater vermengt hätte. Seine vermeinten Verbesserungen betreffen entweder entbehrliche Kleinigkeiten, oder sind -wahre Verschlimmerungen.
Page 8 - Mühe gegeben, in Ehren zu bleiben mein Leben lang, ich war schon Unteroffizier und hatte den besten Ruf bei der Schwadron, ich wäre gewiß noch einmal Offizier geworden, und Annerl, Dich hätte ich doch nicht verlassen und hätte keine Vornehmere gefreit - aber der Sohn eines Diebes, der seinen Vater aus Ehre selbst fangen und richten lassen muß, kann seine Schande nicht überleben.
Page 10 - Ihnen nicht auch Beziehung auf ihn? Das Fräulein. Freund und Feind sagen, daß er der tapferste Mann von der Welt ist. Aber wer hat ihn von Tapferkeit jemals reden hören? Er hat das rechtschaffenste Herz, aber Rechtschaffenheit und Edelmuth sind Worte, die er nie auf die Zunge bringt.
Page 5 - Die Ehre ist, objektiv, die Meinung anderer von unserem Wert und, subjektiv, unsere Furcht vor dieser Meinung.
Page 7 - Er war unter den Ulanen. Als er zum erstenmal aus Frankreich zurückkam, erzählte er allerlei schöne Geschichten, aber immer war von der Ehre dabei die Rede. Sein Vater und sein Stiefbruder waren bei dem Landsturm und kamen oft mit ihm wegen der Ehre in Streit, denn was er zuviel hatte, hatten sie nicht genug. Gott verzeih...

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