Zur Kontroverse um das Fassbinder-Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod"

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GRIN Verlag, 2007 - Antisemitism - 76 pages
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Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Medien / Kommunikation - Sonstiges, Note: 1- (noch sehr gut), Georg-August-Universitat Gottingen (Zentrum fur interdisziplinare Medienwissenschaft), Veranstaltung: Publizistische Kontroversen in Deutschland nach 1945 II, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Kontroverse um Rainer-Werner Fassbinders Stuck Der Mull, die Stadt und der Tod in den Jahren 1976 und 1985 verhandelte nicht nur die Frage um die Freiheit der Kunst, sondern auch die Frage des Umgangs mit Juden im Deutschland der 1970er und 1980er Jahre. Das Stuck ist bis heute in Deutschland nicht aufgefuhrt worden. In dieser Arbeit wird erortert, unter welchen Bedingungen der Vorwurf des Antisemitismus gegen Fassbinders Stuck vorgetragen und wie damit in der Kontroverse umgegangen wurde. Es wird auch der Frage nachgegangen welche anderen Gesichtspunkte verhandelt wurden und ob in Versatzstucken um ganz andere Positionen gestritten wurde. Die Hauptlinien der Debatte werden dafur herausgearbeitet und die Struktur der publizistischen Kontroverse analysiert.
 

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AUFBAU UND GLIEDERUNG
3
eingeschränkt?
30
SCHLUSS
61
Copyright

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Popular passages

Page 57 - Es gibt in diesem Stück auch Antisemiten; es gibt sie aber nicht nur in diesem Stück, sondern, beispielsweise, auch in Frankfurt. Selbstverständlich geben diese Figuren - ich finde es eigentlich überflüssig, das zu betonen - nicht die Meinungen des Autors wieder, dessen Haltung zu Minderheiten aus seinen anderen Arbeiten hinreichend bekannt sein sollte.
Page 21 - Israelis trifft, geht das nicht gegen "die" Juden, sondern gegen verfehlte und unmenschliche Baupolitik. Getroffen wird die falsche deutsche Politik. Heinz Galinski, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, sollte nicht...
Page 13 - ein Stück mit einer jüdischen Negativfigur zu schreiben. Wie es indessen hier geschieht, bleibt es nicht nur ohne jeden literarischen Wen, sondern ist ... nur noch billige, von ordinären Klischees inspirierte Hetze.
Page 18 - In welcher Gestalt der Faschismus von links sich bei uns bislang auch immer offenbart hat, er war von antisemitischen Regungen weitgehend frei. Erst die Politik der Sowjetunion gegen den Staat Israel, die ungerührt antisemitische Affekte mobilisierte, hat auf der linken Szene der Bundesrepublik das Bewußtsein verbreitet, der Antisemitismus sei ein Element der Weltrevolution und habe mit dem Judenhaß des Dritten Reiches nichts zu schaffen. Das macht dem linken Antisemitismus das gute Gewissen.
Page 10 - Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes...
Page 21 - Realien. Warum wohl? In Frankfurt trieb die Bauspekulation ihre giftigsten Blüten. Wer das kritisiert und den jüdischen oder israelischen Anteil daran unerwähnt ließe, machte sich unglaubwürdig. Wer nicht unglaubwürdig werden will, wird vom CDU-Medienexperten Purzer, vom FAZ-Mitherausgeber Fest und vom Frankfurter Oberbürgermeister Rudi Arndt des "linken
Page 33 - Das Stück läßt bestimmte Vorsichtsmaßnahmen außer acht, und das finde ich vollkommen richtig. Ich muß auf meine Wirklichkeit reagieren können, ohne Rücksicht zu nehmen. Wenn ich das nicht darf, dann darf ich gar nichts mehr machen.
Page 16 - ... sein Stück zu bekräftigen. 1. These: Es geling ihm nicht, den politischen und ökonomischen Hintergrund der Stadtzerstörung aufzudecken. Die Zerstörung der Stadt wird als Faktum dargestellt, ohne daß sie konkret beschrieben wird. Das Stück soll sich eindeutig auf Frankfurt beziehen. Es fällt schwer, dieses nachzuvollziehen, denn die Realitäten dieser Stadt und die damit zusammenhängenden politischen und ökonomischen Prozesse werden nicht weiter konkretisiert. Das Thema der Zerstörung...
Page 18 - ... daß darüber diskutiert werden muß, wieso in Frankfurt bestimmte Gruppen, jüdische Gruppen und Einzelpersonen, die Stadt zuungunsten der Lebensbedingungen ihrer Bürger verändern können und welchen Anteil die Stadtverwaltung an diesen Vorgängen hat. Wir sehen aber an der Reaktion der Leser, daß der Text dieses Stückes weniger der Untersuchung von Sachverhalten als vielmehr der Freisetzung unerwünschter Emotionen dient. In der Tat kann das Stück für die, die ein Stück deutscher Geschichte...
Page 21 - Faßbinder rügen, wie er vor drei Jahren mich rügte, sondern diejenigen, die den literarischen Figuren die Vorlage geradezu aufdrängten. Wenn von zehn wichtigen Maklern in Frankfurt acht jüdischer Herkunft sind, kann ich nicht über einen Perser schreiben, den es auch gibt. Der kritische Realismus ist unschuldig an seinen Gegenständen, ebenso wie die jüngeren Generationen der Deutschen unschuldig am Dritten Reich sind.

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