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Schachzeitung.

Nr. 5.

Chur, 1857.

2. Februar.

Erscheint von nun an alle 14 Tage 1/2 Bogen starf aus Grund des für's Ausland zu drüdenden Porto's.

Abonnementspreis : Jährlic fr. 5 in Chur, Fr. 6 franto yr. Poft in der Soweiz, fürs Aus. land franto mit unbedeutendem Portozuschlag, welcher vom Poftamt des Bes stellungsorts zu erfahren. Mittbeilungen franto an die Redaktion

Frdr. Capræs in Chur.

Der Araber Filipp Stamma, und Herr Konrad Bayer

in Wien.

Der Araber Filipp Stamma, aus Aleppo in Syrien gebürtig, gab in den Jahren 1737 und 1745 in Paris und London, wo er fich damals aufhielt, sein Werf, hundert Schadspielgebeimnisse enthaltend, beraus, welches (tbeils durch seine Neubeit und innern Gebalt, theils durch sonstige günstige Umstände einen Ruhm erlangte, welcher dem Verfasser in der Soachwelt ungefähr diejenige Stellung anwies, wie sie ein Göthe oder Schiller im Reich der Poesie einnimmt. Damit ist es chon ausgesprochen, daß Stamma's Leistungen gemeinhin als „unübertrefflich“, „unerreichbar“ 2. hingestellt werden : Begriffe, welche jedoch fast immer auf einem bloßen Autoritätsglauben beruben. So auch hier. Zu der Zeit, wo Stamma sein Werk berausgab, befand sich die Schachliteratur und namentlich auch die Kunst der Compositionen, in einem nicht vorgerüdten Stadium, wo es leichter war zu glänzen, da alles neu war und auch eine weniger bervorragende Leistung, ein einfaches Aufopferungsmanöver ze. als etwas Außerordentliches gelten fonnte. Der Rubm, zuerst die Babn gebrochen zu haben, welcher dem Stamma in aus dyweifendster Weise zu Theil wurde, muß anderseits auf ein bescheideneres Maaß mit Rüdficht darauf zurüdgeführt wer: den, daß Original-Produktionen um so viel leichter sein mußten als dieses Feld nicht schon ausgebeutet und erschöpft war.

Thatsache bleibt es, daß Stamina im vorigen Jahrhundert faft noch mehr Aufsehen erregte, als Philidor, der Herfules alter Shachspieler. Stamma's Sdachgeheimnisse wurden als die sdönste Blüthe der Kunst, als das Höchste, was der menschliche Scharfsinn erflügeln fönne, betrachtet. Stamma bleibt sprichwörtlich.

Eine sorgfältige Analyse der Stamma'schen Spiele hat uns jedoch überzeugt, daß einige darunter überaus dürftig und und in der Sammlung fehlen sollten, die größere Anzahl gut, wenn auch feineswegs bervorragend, und nur eine geringere Zahl vorzüglich. Stamma gibt z. B. fein einziges weres Matt von wenigen Zügen, während neuere Komponisten 3 und 4 zügige Probleme von fast unlösbarer Sdywierigkeit verfaßt haben.

Wir müssen es dayer tadeln, wenn noch in jeßiger Zeit gegenüber von Antiquitäten, wie Stamma, Damiano re. das Maaß lobender Anerkennung um eben so viel überschritten wird, als biedurch dasjenige, welches manchen neuern und nod lebenden Meiftern gebührt, ungerechter Weise geschmälert wird.

Nach dieser Einleitung dürfen wir mit gutem Gewissen und aus voller objektiver Ueberzeugung, frei von Shmeichelei, einem Stamma manche neuere Soach-Komponisten gegenüber stellen, denen statt des Rubmes, die Bahn gebrochen zu haben, der nicht geringere gebührt, zu einer Zeit, mo dieses Feld schon nach allen Seiten ausgebeutet worden, dennod sowol die finnreichften als idwierigsten und originellsten Musterspiele aufgestellt zu haben. Vorzüglich gilt dieses u. A. von dem jest in Wien lebenden, noch jungen Stachkünstler Herrn Konrad Bayer, welcher sich in

uten Schadwelt einen ausgezeichneten Ruhm erworben. Zur Unterstügung unsrer obigen Behauptungen legen wir unsern Lesern einige Spiele vor; fiebe besonders Nr. 13.

Notiz. Ein verebrl. Korrespondent benachrichtigt uns von dem Hins diebe des ungarischen Schach-Rorypbäen Szén, als Spieler erften Ranges, deren man gegenwärtig ungefähr 20 zählt, in der Soachwelt berühmt, besonders auch als Leiter der vor Jahren gespielten Korrespondenzparthien zwischen Pestb und Paris, welche von erstrer Seite gewonnen wurden.

Ver. 14. Weiß jest an und im 4. Zuge matt.

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Die fürzeste Lösung dieses einfachen Endspieles verbanfen wir dem Herrn Martin Versed in Chur, befannt als geschidter Mathematifer und Rechenfünstler und einer der besten Schadspieler in Bünden.

Nr. 15. Von dem unerreichbaren" Stamma; sein 10. Spiel.

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36.

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Nr. 16. Von Herrn Ronrad Bayer in Wien.

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Parthie Nr. 2.
Weiß.

S dwar z.
1) e 2, e 4

e 7, e 5 2) S. b 1, c 3

S. g 8, f 6 3) f 2, f 4

d 7, d 5 4) d 2, d 4

l. f 8, b 4 5) 14+ e 5

S. 16+ e 4 6) L. c 1, d 2

D. d 8, h 4 X 7) Rg. e 1, e 2*)

D. h 4, f 2 X 8) lfr. c 8, f 5 und

9) damatt.

*) 7) g 2, g 3

S. e 4 + g 3 8) S. g 1, f 3 und behält ein gutes Spiel.

Herrn Mandelblüh. Sendung vom 27. Jan. empfangen. Lösungen und Kritifen meifterhaft.

Drud und Verlag der offizin von Fr. Wassali.

Schachzeitung.

Nr. 6.

Chur, 1857.

16. Februar.

Erscheint von nun an alle 14 Tage 1/2 Bogen starf aus Grund des für's Ausland zu drückenden Porto's.

Abonnementspreis: Jährlid Fr. 5 in Chur, fr. 6 franko pr. Poft in der Soweiz, fürs Ausé land zirta 8 franz. Franten, franto per Post geliefert. Mitteilungen

franto an die Nedaktion
Frdr. Capræs in Chur.

Das Schachspiel.

(Fortsegung.)

3eßo find wir bald im Reinen,
Diesen Bauer sek' ich ein ;
Rann die Dame bann erscheinen,
Wird's zum Matt wohl fertig sein.

Jeßt ihr Männer frisch,

Stellt euch um den Tisch.
Seh't ob meine lift gelinget,
Oder ob er sie durchdringet.
Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
Wo schlaue lift und Kraft fich paarten,
Da geht das Spiel den besten Gang.
Darum wer einen Stein berühret,
Der prüfe wohl wohin das führet,
Verliert er, sagt ihm Niemand Dank.
Freudig in den ersten Zügen
Meffen fie fid Paar um Paar.
Welche Wonne, weld Vergnügen,
Dod das Spiel geht wunderbar!
Plößlich wandelt fich in Klagen
Žnnige Zufriedenheit;
Wenn ein Hauptstein wird geschlagen,
Oder wenn ein Matt bedräut.

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