Kritische Schriften, Volume 2

Front Cover
Reimer, 1828 - German literature - 420 pages
0 Reviews
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Selected pages

Other editions - View all

Common terms and phrases

Popular passages

Page 17 - Die alten, besonders katholischen Kirchenlieder, voll der kühnsten Allegorie und Mystik, waren und sind höchst populär; die neuen bild- und schwunglosen, vernünftig gemeinten, und wasserklaren, die man an ihre Stelle gesetzt hat, sind es ganz und gar nicht. Und warum sind sie es nicht ? Weil in ihrer ekeln Einförmigkeit nichts die Aufmerksamkeit weckt, nichts das Gemüt plötzlich trifft, und es in die Mitte desjenigen versetzt, was ihm durch förmliche Belehrung nicht zugänglich werden würde.
Page 71 - Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes, und nach Seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.
Page 71 - Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?
Page 155 - Grund aus sein, nicht wie manche Schüler ihre steinernen Akademien in ein Bild bringen;) Gemälde würden zu Gedichten, Gedichte zu Musiken; und wer weiß? so eine feierliche Kirchenmusik stiege auf einmal wieder als ein Tempel in die Luft.
Page 48 - Schwermut!) und Trauer, Leid, die Hölle selbst, Macht sie zur Anmuth und zur Artigkeit. Ihr ist so wenig mit der Reihe von Zeichnungen, die ein Dilettant in psychologisch-künstlerischer Hinsicht nach der Ballade von Augenblick zu Augenblick etwas fratzenmäßig entworfen hat, als mit den unseligen Nachahmungen, deren keine von Bürgers Romanzen so viele nach sich gezogen, eine unverdiente Schmach widerfahren. Noch näher liegt die Parallele mit der Gismunda des Hogarth. Dieser hielt das , was seine...
Page 265 - Der wesentliche Vorteil ist aber der, daß die bildende Kunst, je mehr sie bei den ersten leichten Andeutungen stehen bleibt, auf eine der Poesie analogere Weise wirkt. Ihre Zeichen werden fast Hieroglyphen, wie die des Dichters; die Phantasie wird aufgefordert, zu ergänzen und nach der empfangenen Anregung selbständig fortzubilden, statt daß das ausgeführte Gemälde sie durch entgegenkommende Befriedigung gefangen nimmt.
Page 253 - Umrisse. 4 799. ^Ilichts ist gewöhnlicher unter uns als Kupferblätter und Blättchen zu Gedichten , besonders zu Schauspielen und Romanen, theils zu den Ausgaben derselben, theils zu Taschenbüchern in den kleinsten Formaten. In solchen embryonischen Geburten erschöpft sich die Kunst, und bringt selten etwas reiferes und ausgewachsenes hervor. Dieser Geschmack ist wohl schwerlich irgendwo so herrschend geworden , und hat sich zu einer Art von System so ausgebildet, als in Deutschland. Den...
Page 326 - Die Klarheit nun, die Energie, die Fülle, die Allseitigkeit, womit sich das Universum in einem menschlichen Geiste abspiegelt, und womit sich wiederum dieses Abspiegeln in ihm spiegelt, bestimmt den Grad seiner künstlerischen Genialität und setzt ihn in den Stand, eine Welt in der Welt zu bilden.
Page 333 - Stil anzudeuten. Stil heißt alsdann eine nothwendige Stufe in der Entwickelung der Kunst. Daher kann es, so genommen, auch unvollkommene Stile geben : sie find es nur abgesondert angesehen, historisch betrachtet sehen wir in ihnen die folgende oder die vorhergehende Stufe zugleich mit; sie können somit nicht für bloße Manieren , das hieße für zufällige Episoden in der Geschichte ausgegeben werden.
Page 63 - Mutterleibe korrekt waren, so werden sie auf diesem Wege nimmermehr dazu gelangen. Pope sagt, die letzte und größte Kunst sei das Ausstreichen, und für einen Menschen wie er, der immer nur Verse und niemals ein Gedicht hervorgebracht hat, mag es hingehen; sonst aber sollte man denken, es wäre eine viel größere Kunst, nichts hinzuschreiben, was man wieder auszustreichen braucht.

Bibliographic information