Die deutsche Heldensage

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C. Bertelsman, 1889 - German literature - 536 pages
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Page 413 - Die Eigentümlichkeit der eddischen Lieder beruht darin, daß zunächst die Absicht nicht dahin geht, den Inhalt der Sage darzustellen, den sie vielmehr als bekannt voraussetzen, sondern daß sie einen einzelnen Punkt, wie er gerade der poetischen Stimmung dieser Zeit zusagt, herausheben, und auf ihn den vollen Glanz der Dichtung fallen lassen.
Page 383 - Thätigkeit anregte, mochte die Sage vorzugsweise zur Verherrlichung irdischer Ereignisse sich geneigt fühlen. Wir unterscheiden daher Götter- und Heldensage und nehmen eine spätere Entstehung oder Ausbildung der letzteren an, deren Keime gleichwohl neben der erstem können vorhanden gewesen seyn.
Page 445 - Vielmehr herrscht in ihm der Trieb zur Bewegung und Umgestaltung, ja ohne ihn würde es absterben, wenigstens die Kraft lebendiger Einwirkung verlieren. Hier erprobt sich die Fähigkeit zur Poesie, und ein unfreies, verarmtes Gefühl wird jedesmal eine Verschlechterung des Epos erwirken.
Page 4 - Die Sage kann, wenn sie verpflanzt wird, Namen und Gegend völlig verändern oder vertauschen; erkennt sie aber in der Fremde die Heimath noch an, so liegt darin ein großer Beweis ihrer Ab1) D llhlmann, Forsch, i, 209.
Page 72 - Widerspruch, doch hinlänglich dartut, daß ein einziger Dichter nicht das Ganze anordnete, weil er ohne Mühe eine solche Ungeschicklichkeit vermieden hätte. Kriemhild nämlich gebiert im fünfzigsten Jahre dem Etzel einen Sohn, wobei man noch voraussetzen muß, daß sie bei ihrer Verheiratung mit Siegfried nicht über zwanzig Jahre alt war; die übrigen Zahlen enthält das Gedicht, und alle Handschriften stimmen darin überein.
Page 72 - Verschiedenheiten; derselbe Geist waltet überall. Den Dichter selbst verläßt nicht das Gefühl von dieser Einheit des Ganzen, es bricht an mehr als einer Stelle durch, ja er liebt Vorausverkündigungen des nahenden oder zukünftigen Geschicks, und jeder Theil, scheint es, finde seinen Grund in dem andern und könne ohne ihn nicht bestehen.
Page 420 - Hier unterscheidet sich das edle metall deutlich von dem tauben gestein und unverkennbar ist der geist der alten dichtung da wo kampf und tod Diethers und der beiden söhne der Helche erzählt wird, noch in dieser wortreichen, durch wiederholungen geschwächten darstellung einer unsicheren hand.
Page 413 - Uebergänge in die Nähe gerückt, und zu ruhiger Entfaltung und - gleichförmigem epischen Fortschreiten gelangt diese Poesie nicht. Wo sie etwa den Anfang dazu macht, wird sie durch die Neigung zu lebhafter, dramatischer Darstellung gestört, die überall durchbricht und dieser Betrachtungsweise völlig angemessen scheint. Die schönsten Lieder gehen bald in Gespräche über, oder sind ganz darin abgefasst; die erzählenden Strophen wahren nur den Zusammenhang.
Page 341 - Dietrich von Bern. . . Vnser Leut fingen vnd Tagen noch viel von jm, man findet nit bald ein alten König, der dem gemeinen Mann bey uns so bekannt sey, von dem sie so viel wissen zusagen.
Page 448 - Erkenntnis; aber nichts berechtigt uns bis jetzt zu der Vermutung, dass die deutsche Heldensage aus Erforschung göttlicher Dinge oder aus einer philosophischen Betrachtung über die Geheimnisse der Natur hervorgegangen sei und in einem sinnbildlichen Ausdrucke derselben ihren ersten Anlass gefunden habe. Sie selbst hat, so weit wir zurückblicken können, sich allezeit neben der Geschichte ihren Platz angewiesen.

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