Deutsche Litteraturdenkmale des 18. und 19. Jahrhunderts, Issues 17-18

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Page 251 - Die Sprache ist kein Produkt der Natur, sondern ein Abdruck des menschlichen Geistes, der darin die Entstehung und Verwandtschaft seiner Vorstellungen und den ganzen Mechanismus seiner Operationen niederlegt. Es wird also in der Poesie schon Gebildetes wieder gebildet; und die Bildsamkeit ihres Organs ist ebenso grenzenlos als die Fähigkeit des Geistes zur Rückkehr auf sich selbst durch immer höhere potenziertere Reflexionen.
Page 88 - Es kommt nur darauf an, daß ein Dichter uns durch den Zauber der Darstellung in eine fremde Welt zu versetzen weiß, so kann er alsdann in ihr nach seinen eignen Gesetzen schalten.
Page iii - Heißt aber Literatur ein Vorrat von Werken, die sich zu einer Art von System untereinander vervollständigen, worin eine Nation die hervorstechendsten Anschauungen ihrer Welt, ihres Lebens niedergelegt findet, die sich ihr für jede Neigung ihrer Phantasie, für jedes geistige Bedürfnis so befriedigend bewährt haben, daß sie nach Menschenaltern, nach Jahrhunderten mit immer neuer Liebe zu ihnen zurückkehrt: so leuchtet es ein, daß wir keine Literatur haben.
Page 83 - In jenen schrankenlosen Übertragungen des poetischen Styls liegt also, der Ahndung und Anfoderung nach, die große Wahrheit daß eins alles und alles eins ist.
Page 251 - Dasjenige in den Darstellungen der übrigen Künste, was uns über die gewöhnliche Wirklichkeit in eine Welt der Phantasie erhebt, nennt man das Poetische in ihnen; Poesie bezeichnet also in diesem Sinne überhaupt die künstlerische Erfindung, den wunderbaren Akt, wodurch dieselbe die Natur bereichert; wie der Name aussagt, eine wahre Schöpfung und Hervorbringung.
Page 44 - So muß auch der heutige Dichter über das Wesen seiner Kunst mehr im klaren sein, als es ehemalige große Dichter konnten, die wir daher besser begreifen müssen, als sie sich selbst; eine höhere Reflexion muß sich in seinen Werken wieder in Unbewußtsein untertauchen.
Page 94 - Natur. Der Grundsatz der Nachahmung, wie er gewöhnlich ganz empirisch genommen wird, läßt, sich also geradezu umkehren. Die » Kunst soll die Natur nachahmen heißt mit andern Worten : die Natur (die einzelnen Naturdinge) ist in der Kunst Norm für den Menschen.
Page 29 - Gottes, so bekömmt der Anthropomorphismus eine ganz andre Gestalt, und eine Bedeutung, die weit über den Horizont der gewöhnlichen Aufklärung hinausgeht. - Endlich gehört zur aufgeklärten Theologie, bei einer Religion, die ein...
Page 45 - Kunstrichter hielt er sich eher, aber auch hierzu fehlte es ihm an Empfänglichkeit für viele Seiten der Poesie, und an vollständiger historischer Kenntnis. Er ist vielmehr ein auffallendes Beispiel geworden, daß der bloß berechnende Verstand weder die Poesie auszuüben noch sie zu ergründen hinreicht. Hier kann es ihm also nur angerechnet werden, daß er sich niemals durch Autorität und eingeführten Kunstschlendrian blenden ließ.
Page 20 - Pol betrachten, nur ein Übergang, ein Werden sei, (welcher Charakter sich sogar mit Wahrscheinlichkeit in der romantischen Poesie aufweisen läßt) und die Zukunft also erst das der antiken Poesie entsprechende und ihr entgegengesetzte Ganze liefern werde.

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