Die klassische Philologie der gegenwart ...

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Univ.-Buchhandlung, 1886
 

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Page 14 - Schon fast seit einem Jahrhundert wirken Humaniora nicht mehr auf das Gemüth dessen, der sie treibt, und es ist ein rechtes Glück, daß die Natur dazwischen getreten ist, das Interesse an sich gezogen und uns von ihrer Seite den Weg zur Humanität geöffnet hat.
Page 13 - ... zehn Jahren den Ausspruch getan, dass die Philologie ihre Heimat bald nur noch in den Hörsälen der Archäologen haben werde. Ein angesehener junger Philosoph hat im vorigen Jahre eine Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland ausgehen lassen, deren Schlussbetrachtung darin gipfelt, dass er den Tag nicht mehr ferne sieht, wo der Unterricht in den klassischen Sprachen vom Gymnasium ziemlich verschwinden, wo Deutsch und Philosophie an deren Stelle treten werden.
Page 18 - Q der Tätigkeit des akademischen Lehrers sein und bleiben in Vorlesungen, Uebungen, Anweisungen, wie bei festlichen Gelegenheiten. Ihm diene besonders die Einführung in die Mythologie und Sakral -Altertümer, in das öffentliche und häusliche Leben der Alten, vor allem aber die Auslegung der Litteratur- und Kunstwerke. Denn man kann den Alten Aberglauben, ihrer Politik hier und da Engherzigkeit und Selbstsucht, einzelnen Staatsmännern Schwächen, ihrem Leben gewisse Flecken, ihren wissenschaftlichen...
Page 21 - Frühling' junger philologischer Mannschaft aus dem Heim der alma mater auszieht, er an gereifte und erfahrene Lehrer gewiesen werde, welche sich ihrer als ältere Freunde annehmen ; sie achte darauf, dass die Ziele des Unterrichts in den klassischen Sprachen, als der besten und gesundesten Nahrung für jugendliche Gemüter, auch auf dem...
Page 18 - ... ändern Grund des Schadens, das Aufgehen in der philologischen Technik. lieber alle Spezialstudien sei gleichsam als Weihe ausgegossen die Versenkung in den Geist der Antike, als den Geist reinster Humanität, den Geist edler Einfachheit und stiller Grosse, tiefer Frömmigkeit, besonnener Masshaltigkeit, strenger Zucht, harmonischer Entfaltung der körperlichen und geistigen Kräfte. In diesen Geist die künftigen Lehrer edler deutscher Jugend nicht das eine oder andere Mal einzutauchen, sondern...
Page 23 - Die klassische Philologie der Gegenwart wendet sich ab von der Zügellosigkeit und Selbstsucht mancher italienischen Humanisten; »sie glaubt, dafs die Hingabe an die grofsen menschlichen Ideen durch die von Christus gewollte Gesinnung verklärt werde, indem sie erfolge in Demut und aus Liebe, als dem Abbilde der göttlichen Liebe.
Page 20 - Kunst überhaupt zu wecken. Denn ich bin allerdings der Meinung, dass wenn, was ich nicht zu glauben vermag, die deutsche Jugend und somit die deutsche Nation einmal jenen Klassikern den Rücken kehren sollte, es den Werken der griechischen Kunst beschieden sein wird sie wieder zu jenen zurück zu führen. — Und ungerecht wäre es die lebhafte Teilname, mit welcher die Nation die auf Wiedererweckung griechischer Kunst gerichteten Bestrebungen unsers erhabenen Herrscherhauses und des neu erstandenen...
Page 14 - Grund für letzteres aber finde ich in dem Ueberwuchern der Spezialisirung. Das Reich der klassischen Philologie hat einen solchen Umfang und eine solche Tiefe erreicht, dass es für Einen Menschen fast unmöglich ist dasselbe ganz zu beherrschen. Ein Johann Albert Fabricius konnte noch das ganze Gebiet, wenn auch nicht gleichmässig, umspannen. Selbst ein so umfassender Geist wie Böckh war doch schon vorzugsweis dem Griechentum zugewandt. Und heut sitzen auf den philologischen Lehrstühlen Deutschlands...
Page 19 - Mobe beispielsweis das Ringen des Stolzes und des Schmerzes der Mutter, an den attischen Grabreliefs den Geist seelenvoller Trauer, für welche der Tod nichts Bitteres hat, an den attischen Grabvasen den Geist ehrfürchtiger Pietät vor den Todten, an den attischen und tanagräischen Terrakotten den Geist beglückter und beglückender Anmut aufzeigen. Nur so wird ein Vortrag nicht blos leuchtendes, sondern auch wärmendes Licht geben; nur so wird die klassische Philologie ihr letztes...
Page 6 - Da ist zunächst die Grammatik, welche einesteils sich in die Schule der Laut-Physiologie begeben hat und deren Lehren für ihre Zwecke nutzbar zu machen bemüht gewesen ist, andernteils dem Walten der Lautgesetze nachspürt, die Etymologie auf rein lautliche Normen gründet, ja in ihrer neuesten Richtung diesen Lautgesetzen die Unverbrüchlichkeit von Naturgesetzen zuschreiben und die Ausnahmen nur auf falsche Formübertragung oder mundartliche Besonderheit zurückführen will, durchweg aber gleichsam...

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