Briefe aus der französischen revolution, Volume 1

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Gustav Landauer
Rütten & Loening, 1922 - France
 

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Page 427 - ... Mars. Im Hintergrunde erblickt man die Türme Roms und das Capitolium. Es hatte jemand vorn aufs Theater eine Brieftasche geleget. Ein Senator nahm sie auf, zog ein Blatt heraus und las die Worte: „Du zeigst, o Marmorbild, den Brutus groß und schlicht! Da in Paris du bist, verließest Rom du nicht." Vanhove machte den Brutus vortrefflich, Sainval den Sohn. Alles ging gut, bis Porsennas Gesandter Aron in der zweiten Szene des ersten Akts die Worte sagt: „Zermalmt den Staat nicht ganz, den...
Page 420 - Ich ziehe das Vergnügen, hier hinter den Kulissen die kaum entfesselten Franzosen sich ihrer Freiheit freuen und mitunter mit ihren Ketten spielen zu sehen, gar oft der schönsten Oper vor, wo Vestris tanzt, dem schönsten Trauerspiele vor, worin la Rive spielt.
Page 180 - Das Buch handelt von der Unsterblichkeit der Seele. Es tut mir not, mich zu überzeugen, daß es einen Gott gibt, der gerechter ist als die Menschen, und daß ich nicht verfehlen kann, Dich wiederzusehen.
Page 183 - ... vielmehr nur ins Hörfeld tritt und gleich nachher mit aufs Schafott muß, oder einfach die vorhergehende Lucile-Szene gegen die folgenden Reden des von ihrem Anblick erschütterten, ihrem Wahnsinn nachhängenden Camille abgrenzen. Vielleicht auch beides. Nun erzählt Camille in dem Brief an Lucile: Ich habe einen Spalt in meiner Zelle entdeckt; ich habe mein Ohr daran gelegt; ich habe Stöhnen gehört; ich habe aufs Geratewohl ein paar Worte gesprochen; ich hörte die Stimme eines Kranken, der...
Page 424 - Partei klatscht. Die Athalie ist voll solcher Stellen, und ich hörte sogar einmal rufen: bis, 'als ob es eine Arie wäre. Die stärksten Äußerungen des herrschenden Freiheitsgeistes sah ich aber in der Vorstellung des Brutus. Dies Voltairische Stück hatte, wie es 1730 zuerst aus des Dichters Händen kam, in Frankreich nicht den Beifall erhalten, den es im Auslande erhielt, und den besonders die ersten beiden Akte so sehr verdienen. Die darin verbreiteten Freiheitsideen sind zu verschieden von...
Page 423 - Ich beuge mich vor deinem Geiste, o Mirabeau! und hast du nun, o David, dein Gemälde des großen Schwurs vollendet, dann komme ich wieder, es zu sehen; und find' ich eine zweite Leinwand von dir ausgespannt, dann wird meine Phantasie Mirabeau dahin malen, wie er die unsterblichen Worte sagt: 'Wir werden unsre Plätze nur vor der Macht der Bajonette verlassen ' Du wirst mir die Hand drücken, o David! denn derselbe Gegenstand glühte schon in deiner Seele.
Page xii - Vorwort zu den Briefen aus der Französischen Revolution zu einer Einsicht, die eher Ernüchterung als Begeisterung verrät: nichts tut unserer Zeit mehr not, nichts auch kann unsere Zeit uns eindringlicher lehren, als daß die Französische Revolution mit ihren Methoden und Ergebnissen unsere Vergangenheit werden muß daß wir das Recht zu erlangen die Pflicht haben, uns ihre Erben und...
Page xiii - So geschah es (das schrieb Landauer zehn Jahre später über die gleiche Revolution aus der gleichen Erkenntnis), »daß die innigsten Vertreter der Revolution in ihren reinsten Stunden, gleichviel in welches Lager sie schließlich von den tobenden Wogen geworfen wurden, glaubten und wollten, sie solle die Menschheit zu einer Wiedergeburt führen; daß es aber nicht dazu kam und sie zugleich sich gegenseitig daran hemmten und einander die Schuld beimaßen, weil die Revolution sich mit dem Krieg,...
Page 91 - Sie wünschen, daß ich Ihnen etwas über die Zukunft voraussage. Der Horizont ist sehr dunstig, das ist nicht möglich. Hätte Herr Necker auch nur im geringsten Talent und schlimme Absichten gehabt, so hätte er binnen acht Tagen 60 Millionen Steuern, 150 Anleihen gehabt, und am neunten wären wir aufgelöst gewesen. Hätte Herr Necker auch nur im geringsten Charakter, so wäre er unerschütterlich, marschierte mit uns, anstatt...
Page 428 - ... weder Applaudissements noch Huldigungen und das Stück endigte ohne weitere Unordnung. Am Schluß war ich frappiert, Davids Brutusgemälde hier auf der Bühne dargestellt zu finden. Brutus' letzte Worte, womit das Stück sich schließt, sind: „Rom ist nun frei: das ist genug . . . den Göttern Dank!" Vanhove nahm ganz die Stellung, die Davids Brutus hat. Zugleich wurde des Sohnes Leiche im Fond übers Theater getragen. Jeder Pariser kennt Davids Gemälde. Jeder erkannte gleich die Absicht,...

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