Fichtes Atheismusstreit und die kantische Philosophie: Eine Säkularbetrachtung

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Reuther & Reichard, 1899 - Atheism - 30 pages
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Page 7 - Ich kann nicht weiter, wenn ich nicht mein Inneres zerstören will; ich kann nur darum nicht weiter gehen, weil ich weiter gehen nicht wollen kann. Hier liegt dasjenige, was dem sonst ungezähmten Fluge des Räsonnements seine Grenze setzt, was den Geist bindet, weil es das Herz bindet; hier der Punct, der Denken und Wollen in Eins vereiniget, und Harmonie in mein Wesen bringt.
Page 4 - Inwiefern aber kann ein Wunsch Prinzip der Gewifsheit sein? Ist er nicht rein individuell? Nein, denn es „ist kein Mensch so böse, dals er im Ernste wünschen könnte, das Böse möchte das Gute am Ende ganz von dem Erdboden verdrängen". In jedem Herzen also ist Religion. Aber auch hiermit...
Page 8 - Die theoretischen Vermögen gehen ihren Gang fort, bis sie auf dasjenige stossen, was gebilligt werden kann; nur enthalten sie nicht in sich selbst das Kriterium seiner Richtigkeit, sondern dieses liegt im praktischen, welches das erste und höchste im Menschen, und sein wahres Wesen ist.
Page 29 - Schranken'', dh der irrationalen unmittelbaren Empfindungswelt oder der empirischen Wirklichkeit dahin angegeben, dals sie die Bestimmte Stelle in der moralischen Ordnung der Dinge" seien. Setzen wir das Historische im weitesten Sinne diesen „Schranken", dh der irrationalen Welt des Bestimmten und Besonderen gleich, so wird das Geschichtliche „die fortwährende Deutung des Pflichtgebotes, der lebendige Ausdruck dessen, was du sollst, da du ja sollst". Hier scheint mir der entscheidende Punkt...
Page 29 - Bildlichkeit, das mit dem Mehr der unbildlichen Ursprünglichkeit in der Erscheinung unmittelbar verschmilzt; und so sind denn, in der Erscheinung eben, beide nicht wieder zu trennen. Jenes Gesetz bestimmt durchaus und vollendet das, was man den Nationalcharakter eines Volks genannt hat; jenes Gesetz der Entwicklung des Ursprünglichen und Göttlichen.
Page 12 - Nachweis zu stützen, dafs in dem historischen Verlauf der Philosophie thatsächlich die verschiedenen Weltanschauungen nicht allein durch den Intellekt sondern auch durch den Willen ihrer Schöpfer bestimmt gewesen, und dafs auch heute durchaus nicht nur theoretische Überlegungen sondern vor allem Ideale unsere Grundüberzeugungen formen. Diese faktische Beeinflussung des Urteils durch Wünsche des Herzens aber werde, so meint sie ferner, nicht nur fortdauern, sondern sei auch ganz in der Ordnung....
Page 29 - Die geistige Natur vermochte das Wesen der Menschheit nur in höchst mannigfaltigen Abstufungen an Einzelnen und an der Einzelheit im großen und ganzen, an Völkern, darzustellen.
Page 8 - Nur inwiefern ich ein moralisches Wesen bin, ist Gewissheil für mich möglich; denn das Kriterium aller theoretischen Wahrheit ist nicht selbst wieder ein theoretisches.
Page 9 - Die einzige feste und letzte Grundlage aller meiner Erkenntnis ist meine Pflicht. Diese ist das intelligible „An sich", welches durch die Gesetze der sinnlichen Vorstellung sich in eine Sinnenwelt verwandelt...
Page 5 - Es ist nicht Pflicht, zu glauben, daß eine moralische Weltregierung oder ein Gott, als moralischer Weltregent, existiert, sondern es ist bloß und allein dies Pflicht, zu handeln, als ob man es glaubte. In den Augenblicken des Nachdenkens oder des Disputierens kann man es halten, wie man will...

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