Maximilian Harden: Ein nachruf

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Buchhandlung L. Rosner, 1908 - Jews - 51 pages
 

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Page 27 - Worten nachzujagen? Ja, eure Reden, die so blinkend sind, In denen ihr der Menschheit Schnitzel kräuselt, Sind unerquicklich wie der Nebelwind, Der herbstlich durch die dürren Blätter säuselt!
Page 21 - ... Wissen«, das ich schon einmal als einen Druckfehler entlarvt habe. Aber ein Künstler — wenn er auch nur ein Künstler nach der Kunst und kein Künstler aus sich selbst ist — sollte sich schämen, derlei traurige Gewohnheiten schätzenswert zu finden. Immerhin ist die Anziehung, die Herr Harden auf diesen Dichter übt, verständlich. Beiden gemeinsam ist eben, daß sie sich, wenn sie Wein trinken, an dem Gefäß berauschen, nur mit dem Unterschied, daß Herr v. Hofmannsthal uns die eingelegten...
Page 28 - Treu ; darmit ich mein nit eim allein, wenn man es wollt erkennen : dem Land zu gut, wiewohl man tut ein Pfaffenfeind mich nennen. Da laß ich jeden lügen und reden was er will; hätt...
Page 44 - Überhaupt hat Herr Harden mit seinen Rechtsanwälten Glück. Ein anderer schickt ihm statt Expensnoten lyrische Hyazinthensträuße ins Haus, übernimmt aber auch die satirische Vertretung und liefert ein Gedicht über die deutsche Justiz, bei dem sie sich die Binde von den Augen reißt, um nachzusehen, ob es wirklich einen Rechtsanwalt gibt, der so schlechte Verse macht. Bei Heine war mir die Kreuzung der lyrischen mit der satirischen Ader immer verdächtig, in Suse wahrlich sind lyrische Unfähigkeit...
Page 25 - ... verdaulicher ist als in seinen Reden an die deutsche Nation, liegt außer allem Zweifel, und wer Wedekind kennt, weiß, daß ihm nicht nur die Behaglichkeit über alles geht, sondern vor allem das Gefühl, daß er sich ihrer in jedem Augenblick versichern und jeden fressen kann, dem's nicht behaglich ist. Dieser Polyphem, der mit seinem Einauge Welten sieht, die den Zweiäugigen verschlossen sind, muß in seiner Höhle einen Niemand bewirten. Ich fresse meine Menschen selbst.
Page 48 - PJs soll in Deutschland nicht so weit kommen, daß jeder, wie einen Orden, auch die Gloriole des Märtyrers haben kann. Gewonnen wäre nichts. Die Leitartikel der ,Zukunft...
Page 31 - ... Interpretiererei führt«. Gewiß war's heller Wahnsinn. Und es sollte auch wieder nicht auf ein erotisches Verhältnis zum Staatssekretär, sondern auf eine erotische Gewohnheit des Botschaftsrats hingedeutet sein. Aber wohin führt solche gewaltsame Interpretiererei erst, wenn man selbst der Stelle »Blickt auf diese Tafelrunde: Philipp Eulenburg, Lecomte (den Tout-Paris nicht seit gestern kennt), Kuno Moltke, Hohenau, des Kanzlers Ziviladjutant Below: die träumen nicht von Weltbränden; haben's...
Page 26 - Handlungen«, heißt es schließlich, »ist eine billigenswerte Gesinnung; er hat in dem Bestreben gehandelt, seinem Vaterland zu nützen«. Ob das nicht an und für sich schon eine trübe Quelle ist, mögen Weltbürger beurteilen. Ich halte es dafür und ich sage, daß die patriotische Gebärde mir in jedem Fall die literarische Persönlichkeit verdächtig macht. Politik kann einen Künstler machen,- aber ein Künstler kann nicht Politik machen. Ein Schriftsteller, der Politiker ist, wird sich bei...
Page 21 - Diese Sätze erschienen 1908, zu derselben Zeit, da Kraus das Lob des Künstlers Hofmannsthal für den Journalisten Harden verurteilt: „Aber ein Künstler — wenn er auch nur ein Künstler nach der Kunst und kein Künstler aus sich selbst ist — sollte sich schämen, derlei traurige Gewohnheiten [wie das stupende Wissen Hardens] schätzenswert zu finden. Immerhin ist die Anziehung, die Herr Harden auf diesen Dichter übt, verständlich. Beiden gemeinsam ist eben, daß sie sich, wenn sie Wein...
Page 5 - Lava ist, sind wahrscheinlich Gluten. Man spürte sie nicht, aber man glaubte an sie, und das ist mehr. Deutschland hat einen Vulkan, der nicht Feuer speit, dem man es aber zutrauen kann. Zwei Zeilen politische Mythologie, und man gab die Hoffnung auf, sich durchzuwinden.

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