Der Sozialismus und die Seele des Menschen: Aus dem Zuchthaus zu Reading ; Aesthetisches Manifest

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K. S. A. Juncker, 1904 - Aesthetics - 146 pages
 

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Page 47 - Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient keinen Blick, denn sie läßt die eine Küste aus, wo die Menschheit ewig landen wird. Und wenn die Menschheit da angelangt ist, hält sie Umschau nach einem besseren Land und richtet ihre Segel dahin. Der Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien
Page 88 - Freiheitsspielräume bewußt zu machen26, wohl wissend, daß alle Wahrung kultureller Eigenheit unvereinbar ist mit kultureller Selbstsucht: „Selbstsucht heißt nicht: so leben, wie man zu leben wünscht; sie heißt: von anderen verlangen, so zu leben, wie man zu leben wünscht [...]. Die Selbstsucht strebt immer danach, um sich herum eine absolute Gleichförmigkeit des Typus zu erzeugen. Die Uneigennützigkeit erblickt in der unendlichen Mannigfaltigkeit des Typus ein köstliches Ding, akzeptiert...
Page 63 - ... Handeln der Menschen zu beherrschen, die aber infam und übelwollend wird, wenn sie versucht, in die Sphäre des Geistes oder der Kunst überzugreifen. Es ist in der Tat viel mehr zugunsten der physischen Gewalt des Volkes zu sagen als zugunsten seiner Meinung. Jene kann gut und schön sein. Diese muß töricht sein. Man hat oft gesagt, mit Gewalt lasse sich nichts beweisen. Das hängt jedoch ganz davon ab, was man beweisen will. Viele der wichtigsten Probleme der paar letzten Jahrhunderte, wie...
Page 46 - Jetzt verdrängt die Maschine den Menschen. Unter richtigen Zuständen wird sie ihm dienen. Es ist durchaus kein Zweifel, daß das die Zukunft der Maschine ist, und ebenso wie die Bäume wachsen, während der Landwirt schläft, so wird die Maschine, während die Menschheit sich der Freude oder edler Muße hingibt - Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen - oder schöne Dinge schafft oder schöne Dinge liest, oder einfach die Welt mit bewundernden und genießenden Blicken umfängt, alle notwendige...
Page 46 - ... Arbeit, ist das Ziel des Menschen - oder schöne Dinge schafft oder schöne Dinge liest, oder einfach die Welt mit bewundernden und genießenden Blicken umfängt, alle notwendige und unangenehme Arbeit verrichten. Es steht so, daß die Kultur Sklaven braucht. Darin hatten die Griechen ganz recht . . . Die Sklaverei von Menschen ist ungerecht, unsicher und entsittlichend. Von mechanischen Sklaven, von der Sklaverei der Maschine hängt die Zukunft der Welt ab ... Ist dies utopisch? Eine Weltkarte,...
Page 103 - ... mittelalterliche Leidenschaft. Aber die Grausamkeit des Alltags ist nichts weiter als Dummheit. Sie ist der gänzliche Mangel an Fähigkeit, sich ein Bild von den Dingen zu machen — des Verstandes. Sie ist in unseren Tagen die Folge der stereotypierten Systeme, der harten und festen Gesetze, der Dummheit. Wo im modernen Leben der Beamte anfängt, hört der Mensch auf. Die Autorität ist ebenso gefährlich für die, die sie ausüben, wie für die, gegen die sie ausgeübt wird.
Page 46 - ... Maschine den Menschen. Unter richtigen Zuständen wird sie ihm dienen. Es ist durchaus kein Zweifel, daß das die Zukunft der Maschine ist, und ebenso wie die Bäume wachsen, während der Landwirt schläft, so wird die Maschine, während die Menschheit sich der Freude oder edler Muße hingibt - Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen - oder schöne Dinge schafft oder schöne Dinge liest, oder einfach die Welt mit bewundernden und genießenden Blicken umfängt, alle notwendige und unangenehme...
Page 51 - Philosophie wie Wissenschaft der rohen Volksherrschaft und in Wirklichkeit der Autorität unterworfen waren — entweder der Autorität der in der Gemeinschaft herrschenden allgemeinen Unwissenheit oder der Schreckensherrschaft und der Machtgier einer kirchlichen oder Regierungsgewalt. Nun sind wir zwar bis zu sehr hohem Grade alle Versuche von...
Page 43 - Arbeit gebraucht habe, will ich nicht unterlassen zu bemerken, daß heutzutage sehr viel Unsinn über die Würde der körperlichen Arbeit geschrieben und gesprochen wird. An der körperlichen Arbeit ist ganz und gar nichts notwendig Würdevolles, und meistens ist sie ganz und gar entwürdigend. Es ist geistig und moralisch genommen schimpflich für den Menschen, irgend etwas zu. tun, was ihm keine Freude macht, und viele Formen der Arbeit sind ganz freudlose Beschäftigungen und sollten dafür gehalten...
Page 65 - ... haben nichts zu sagen, und das Haus der Gemeinen hat nichts zu sagen und sagt es. Der Journalismus beherrscht uns. In Amerika ist der Präsident vier Jahre am Regiment, und der Journalismus herrscht für immer und ewig. Zum Glück hat in Amerika der Journalismus seine Herrschaft bis zur äußersten Roheit und Brutalität getrieben. Als natürliche Folge hat er angefangen, einen Geist der Auflehnung hervorzurufen. Man lacht über ihn oder wendet sich mit Ekel ab, je nach dem Temperament. Aber...

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