Ueber den einfluss der weltzustände auf die Richtungen der Kunst, und über die Werke Friedrich Hebbel's

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Hoffman und Campe, 1846 - 94 pages
 

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Page 73 - Wenn ich einen Baum grünen sehe, so denk ich wohl: nun wird er bald blühen! Und wenn er blüht: nun wird er Früchte bringen! Darin sehe ich mich auch nicht getäuscht, darum geb ich die alte Gewohnheit nicht auf. Aber über Menschen denke ich nichts, gar nichts, nichts Schlimmes, nichts Gutes, dann brauch ich nicht abwechselnd, wenn sie bald meine Furcht, bald meine Hoffnung täuschen, rot oder blaß zu werden.
Page 52 - Die Zeit ist um, wo der befleckte Ball Der Erde neu entsündigt werden muß, Wenn nicht der Donner aus der Hand des Herrn, Die schon sich hob, zermalmend fallen soll. Er tat im Anbeginn den Gnadenschwur, Daß er das arme menschliche Geschlecht Nie tilgen will, wenn alle tausend Jahr Auch nur ein einziger vor ihm besteht.
Page 32 - Jetzt suchen wir uns durchs Essen gegen das Gegessenwerden zu schützen und kämpfen mit unsern Zähnen gegen die Zähne der Welt. Darum ist's auch so einzig schön, durchs Leben selbst zu sterben! den Strom so anschwellen zu lassen, daß die Ader, die ihn aufnehmen soll, zerspringt! die höchste Wollust und die Schauder der Vernichtung ineinander zu mischen ! Oft kommt's mir vor, als hätt ich einmal zu mir selbst gesagt: Nun will ich leben!
Page 32 - Oft kommt's mir vor, als hätt' ich einmal zu mir selbst gesagt: Nun will ich leben ! Da ward ich losgelassen, wie aus zärtlichster Umschlingung, es ward hell um mich, mich fröstelte, ein Ruck und ich war da! So möcht' ich auch einmal zu mir selbst sagen: Nun will ich sterben!
Page 39 - Wolle nur! Und aus den Tiefen des Abgrunds herauf und von der Feste des Himmels herunter rufst du die heiligen, schützenden Kräfte, und sie segnen und schirmen dein Werk, wenn nicht dich! Denn du willst, was alles will; worüber die Gottheit brütet in ihrem ersten Zorn und worüber die Natur, die vor der Riesengeburt ihres eigenen Schoßes zittert und die den zweiten Mann nicht erschaffen wird, oder nur darum, damit er den ersten vertilge, knirschend sinnt in qualvollem Traum!
Page 23 - Ich werd ihn dir zeigen! Er wird kommen! Er muß ja kommen! Und ist deine Feigheit die deines ganzen Geschlechts, sehen alle Männer in der Gefahr nichts als die Warnung, sie zu vermeiden - dann hat ein Weib das Recht erlangt auf eine große Tat, dann — ha, ich hab sie von dir gefordert, ich muß beweisen, daß sie möglich ist!
Page 89 - Dort bläht ein Schiff die Segel, Frisch saust hinein der Wind; Der Anker wird gelichtet, Das Steuer flugs gerichtet, Nun fliegt's hinaus geschwind. Ein kühner Wasservogel Kreist grüßend um den Mast, Die Sonne brennt herunter, Manch Fischlein, blank und munter, Umgaukelt keck den Gast. Wär gern hineingesprungen, Da draußen ist mein Reich!
Page 45 - Das Erste ist, um glücklich zu sein, der besonnene Sinn: nie frevle darum an der Götter Gesetz! Der Vermessene büßt das vermessene Wort mit schwerem Gericht; dann lernt er zuletzt, noch weise zu werden im Alter.
Page 23 - Seele hervorspringen; ich horchte in die Welt hinaus, weil ich dachte : ein Held hat dich überflüssig gemacht; aber in mir und außer mir bleibts dunkel. Nur ein Gedanke kam mir, nur einer, mit dem ich spielte und der immer wiederkehrt; doch, der kam nicht von dir. Oder kam er von dir?
Page 85 - Das Feuerzeug ist noch auf dem alten Platz, ich wette, denn wir haben hier im Hause zweimal zehn Gebote. Der Hut gehört auf den dritten Nagel, nicht auf den vierten! Um halb zehn Uhr muß man müde sein! Vor Martini darf man nicht frieren, nach Martini nicht schwitzen! Das steht in einer Reihe mit: Du sollst Gott fürchten und lieben! Ich bin durstig! Ruft. Mutter! Pfui! Als ob ich's vergessen hätte, daß sie da liegt, wo auch des Bierwirts Knecht sein Nußknackermaul nicht mehr mit einem Ja Herr!

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