Reinhardt und seine Bühne: Bilder von der Arbeit des Deutschen Theaters

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Ernst Stern, Heinz Herald
Dr. Eysler, 1919 - Theater - 207 pages
 

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Page 63 - Und das schien mir auch die Absicht dieser Aufführung des Deutschen Theaters zu sein: zwischen einer bis zum Karikaturistischen realen Welt des Scheins und der lächerlichen Formen und einer fast unwirklichen Tändelwelt des Spiels und der leeren Liebelei einen einzigen wirklichen Menschen zu zeigen, der hinter seiner Maske das allgemeine Menschenlos trägt, getäuscht und einsam zu sein. Der George Dandin des Deutschen Theaters war...
Page 6 - Hilfsmittel, um die gewohnte Relation zwischen Zuschauer und Schauspieler aufzuheben und den einen als Mittelpunkt und Festgeber, den anderen als Teilnehmer des Festes und Medium einer vor sich gehenden Zauberei möglichst frei zu machen.
Page 142 - Es ist auch nichts anderes als die ungeheuere Macht der Suggestivität, die er auf den Schauspieler überträgt und auf diese Weise eine ungeheuere Erhöhung des Schauspielermittels — Suggestion — herbeiführt. Nie fühlt selbst der junge Schauspieler, daß sein innerstes Wesen einer Vergewaltigung unterliegt, nie empfindet er Schwächung, der belebende Wert allein kommt zum Ausbruch.
Page 88 - Nur Einzelne, Gruppen oder Haufen, wurden in die Helligkeit gestellt, während große Menschenmengen im Halbdunkel oder auch ganz unbeleuchtet blieben; aber man empfand ihre Gegenwart, hörte sie mit einmal flüstern, sprechen, aufschreien, sah aus der Finsternis plötzlich einen Arm ins Licht greifen, und hatte, wo Hunderte vorhanden waren, das Gefühl Tausende vor sich zu haben.
Page 20 - ... Werke noch gar nichts irgendwie Körperliches, so schafft der folgende Arbeitsabschnitt nun endlich etwas Greifbares: nämlich das Regiebuch. Es soll Regisseure geben, die ihre Ausarbeitung nicht schriftlich festzuhalten brauchen und die auf keine Probe etwas anderes mitbringen als den Dramentext: ich kann mir nicht denken, daß das innere Gebäude ihrer Aufführung von der gleichen Festigkeit, von der gleichen architektonischen Vollendung ist wie bei Reinhardt, dessen Regiebücher das Durchgearbeitetste...
Page 135 - ... Horchen in uns hinein. Unsere Stimme ist uns fremd. Auf einmal weckt uns ein Klang, ein bekannter Ton der eigenen Stimme! Die Melodie bewegt sich schüchtern. Reinhardts Blick antwortet mit einem Aufblitzen des Interesses. Leise wirft er eine Betonung in die Rede, wie man einen Erwachenden nur sanft anruft. Seine Blicke sind anhaltender auf den Schauspieler gerichtet — wir rühren uns. Wieder dazwischen ein inneres Stocken. Reinhardt nimmt sein Buch, wir hören zu — halb in Unruhe zu begreifen,...
Page 8 - Mitte stellte und von da aus folgerecht nach allen Richtungen ins Unendliche ging. Das Mimische bedarf, um sich auszuleben, des geschmückten, durch Farbe und Licht modulierten Raumes. Hier zum erstenmal sah die Malerei die Gelegenheit, sich als Gehilfin, nicht als Handlangerin zu betätigen, und wenn es in der Möglichkeit liegt, daß eine ganz auf den lebendigen Augenblick gestellte Kunstübung irgend auf die Nachwelt gelange, so wird es durch die malerischen Mitarbeiter sein, von denen der vorzüglichste,...
Page 4 - Resultate, was stets nur eine Valeur in einem ewig fließenden Bilde ist und bringen gerade dadurch an den Tag, daß ein geistiges Band und eine wahre Originalität da sein muß, welche bei ihm so viele fluktuierende Elemente zusammenhält. Es liegt im deutschen Wesen, daß jede Sache immer wieder von vorne angefangen wird. Wir haben seit hundertundfünfzig Jahren eine neue dichterische Sprache, viele große Dichter und einzelne große Schriftsteller, aber wir haben streng genommen nicht, was man...
Page 4 - ... die von Moliere und Regnard her läuft und Theaterdichter, Schauspieler und Publikum zur Einheit zusammenfaßt. Das normale deutsche Theaterwesen, wie es von den Intendanten und Stadttheaterdirektoren seit dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts betrieben wurde, verfolgte eine Art von eklektischem Traditionalismus : der Stil der Goetheschen Theaterführung, so wie ihn das ältere Burgtheater mit einiger Veränderung überliefert hatte, war maßgebend. Wo aber hinter solchen Instituten nicht eine...
Page 7 - Die Generation, welche die Epoche trägt, hat sich gegen die frühere umgestellt in bezug auf den Sinn des Auges. Hier fiel das, was Reinhardt brachte, zusammen mit dem, was viele wünschten und suchten. Vielleicht könnte man in seinen Anfängen als das Leitende den Wunsch erkennen, das Schwarzweiß der Brahmschen Manier durch das Farbige abzulösen. Aber heute, wo man fünfzehn Jahre seiner Produktion überblickt, kann man vielleicht sagen, daß auch das Farbige nur eine der Formen des Rhythmischen...

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