Der Bucheinband: seine Technik und seine Geschichte

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E. A. Seemann, 1890 - Book covers - 280 pages
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Popular passages

Page 164 - Flächendecoration ist der Orient in mehr als einer Hinsicht der Lehrmeister des Abendlandes gewesen. Das Wort Arabeske, mit welchem wir gewisse Schmuckformen bezeichnen, bei denen sich verschlingende und durchkreuzende Linien ein scheinbar regelloses und doch von einem festen geometrischen Gesetze beherrschtes Spiel treiben, deutet schon den Ursprung der...
Page 183 - Ja die Vermuthung, dass Arbeiter aus dem Orient, Mauren, vielleicht auch Griechen für Herstellung von Einbänden schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Venedig beschäftigt waren, hat vieles für sich und wird hauptsächlich gestützt durch vier venetianische Drucke vom Jahre 1477, beziehungsweise deren Ledereinbände, die sich im Museum zu Gotha befinden. Wie dem auch sei, jedenfalls hat erst die Betriebsamkeit des Aldus Manutius und seiner Söhne die...
Page 141 - ... historische Betrachtung der Buchdecke aus und machen es nothwendig, jede Einbandgattung zunächst für sich ins Auge zu fassen und in ihrer ornamentalen Entwicklung zu verfolgen. Die Zierformen selbst wechseln, ändern und vermehren sich, sie zeigen nur ausnahmsweise einen nationalen Zug, der sich dann meist rasch verallgemeinert, dh Mode wird, sie behaupten auch oft auf Jahrzehnte hinaus ihren Platz, der stilistischen Bewegung zum Trotz, die, von der Architektur ausgehend, zu allen Zeiten bald...
Page 141 - Eücksichten zu gliedern. Ein in der Natur der Sache liegender tiefer Einschnitt in dem Entwicklungsgange des Büchereinbandes, sollte man meinen, müsste sich aus der Erfindung des Buchdruckes oder, besser gesagt, des Druckes mit beweglichen Typen ergeben. Und doch ist ein solcher nicht in auffälliger Weise wahrnehmbar. Das handschriftliche Buch, das als Handelsware auf die Märkte und Messen schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts käuflich war, unterschied sich weder in der technischen Behandlung...
Page 179 - ... mit Handgolddruck sind überaus täuschend den alten Bänden nachgemacht. Aus den östlichen Ländern Europas leuchtet uns ein Beispiel, aber ein herrliches für alle wappenfreudigen Bibliophilen hervor, und dieses ist Mathias Corvinus (1458 — 1490). Er war ein vollkommener Renaissancemensch, groß als Heerführer wie als Freund und Förderer der Künste und Wissenschaften. Er suchte es den italienischen Fürsten damaliger Zeit, die ihre Gewaltherrschaft mit dem Nimbus des geistigen Adels zu...
Page 140 - Bücherschmuckes hängt im Grunde genommen enge zusammen mit der Geschichte der Goldschmiedekunst und der Stempelschneiderei (Gravierkunst), welch letztere anfänglich auch von Goldschmieden ausgeübt wurde. Die ornamentalen Erfindungen, die Zeichnung für den Stempel oder die Prägeplatte sind nur ausnahmsweise auf Rechnung eigentlicher Buchbinder zu stellen, ja die Verzierung der Lederbände selbst lag ursprünglich in der Hand der Goldschmiede und ist erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts zur...
Page 140 - ... ebensowohl mit dem Einbinden wie mit dem Druck, also mit der vollständigen Herstellung von Büchern. In dieser Hinsicht folgten ihnen die größten Drucker des 16. Jahrhunderts, die zugleich Verleger waren, wie die Koberger in Nürnberg, die Manuzzi (fälschlich genannt Aldinen) in Venedig, die Elzevire in Leiden, die Stephanus in Paris usw ; sie brachten ihre Ware gebunden auf den Markt und trafen daher auch die zur Herstellung der Einbände erforderlichen Einrichtungen. Immerhin wurde die...
Page 140 - ... aus Görlitz, der 1550 in die Dienste des Pfalzgrafen Otto Heinrich, des kunstsinnigen Erbauers des Heidelberger Schlosses, trat und nicht bloß für Einbände, sondern auch für die Hausverwaltung, für Vögel, Pferde und Kellerei zu sorgen hatte. So ließen sich noch viele Namen nennen, ohne dass sie, viel mehr als Namen böten; auf einige mit bestimmten, noch vorhandenen Bänden in Beziehung stehende Meister werden wir später zurückkommen. Aus den häufig vorkommenden Berufungen von Buchbindern...
Page 183 - Buchbinderei herbeigeführt, die, anknüpfend au die Grundzüge des orientalischen Geschmackes, der Handvergoldung mit Bogenlinien und kleinen Stempeln die Bahn brach. Die Anregung dazu mag ihnen wohl von Nicolaus Jenson, ihrem Vorgänger, überkommen sein, denn dieser ist der Drucker vorerwähnter gothaischer Bände und nahm 1479 den Andrea Torresano d'Asola (Stadt in der Lombardei, Provinz Mantua) in sein Geschäft als Gesellschafter auf, dessen Tochter sich mit Aldus Manutius (Manuzzi, Manucci)...

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