Ibsens Dramen, 1877-1900: Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Dramas im 19. Jahrhundert

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L. Voss, 1901 - 176 pages
 

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Page 6 - Tragödie die Schwere des Stoffs das Gewicht der sich unmittelbar daran knüpfenden Reflexionen eher bis auf einen gewissen Grad für die Mängel der tragischen Form entschädigt, so hängt im bürgerlichen Trauerspiel alles davon ab, ob der Ring der tragischen Form geschlossen, dh ob der Punkt erreicht wurde, wo uns einesteils nicht mehr die kümmerliche Teilnahme an dem Einzel-Geschick einer von dem Dichter willkürlich aufgegriffenen Person...
Page 171 - Die eine hält in derber Liebeslust Sich an die Welt mit klammernden Organen, Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust Zu den Gefilden hoher Ahnen.
Page 5 - Äußerlichkeiten, z. B. aus dem Mangel an Geld bei Überfluß an Hunger, vor allem aber aus dem Zusammenstoßen des dritten Standes mit dem zweiten und ersten in Liebesaffären zusammengeflickt hat.
Page 66 - Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat? Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl? Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt, Um Brot und Stiefel seine Stimm
Page 5 - Das bürgerliche Trauerspiel ist in Deutschland in Mißkredit geraten und hauptsächlich durch zwei Übelstände. Vornehmlich dadurch, daß man es nicht aus seinen inneren, ihm allein eigenen Elementen, aus der schroffen Geschlossenheit, womit die aller Dialektik unfähigen Individuen sich in dem beschränktesten Kreis gegenüberstehen, und aus der hieraus entspringenden schrecklichen Gebundenheit des Lebens in der Einseitigkeit aufgebaut, sondern es aus allerlei Äußerlichkeiten, z.
Page 52 - Es ist nicht allein das, was wir von Vater und Mutter geerbt haben, das in uns umgeht. Es sind allerhand alte, tote Ansichten und aller mögliche alte Glaube und dergleichen. Es lebt nicht in uns; aber es steckt in uns, und wir können es nicht loswerden.
Page 164 - Auferstehungstag" nanntest Du Dein Lebenswerk. — Ich nenn' es „unser Kind". Professor Rubek. Ich war jung damals. Ohne alle Lebenserfahrung. Die Auferstehung, dacht' ich mir, müsste am schönsten und wunderlieblichsten darzustellen sein als ein junges, unberührtes Weib — das von keines Erdenwallens Erlebnissen entweiht — und ohne von irgend welchen Flecken und Schlacken sich reinigen zu müssen — zu Licht und Herrlichkeit erwacht.
Page 167 - Von außen zeigen sie jene <frappante Ähnlichkeit>, wie man es nennt, und wovor die Leute mit offenem Munde dastehen und staunen, - aber in ihrem tiefsten Grund sind es ehrenwerte, rechtschaffene Pferdefratzen und störrische Eselsschnuten und hängohrige, niedrigstirnige Hundeschädel und gemästete Schweinsköpfe, — und blöde, brutale Ochsenkonterfeis sind auch darunter - alle diese lieben Tiere, die der Mensch nach seinem Bilde verpfuscht hat.
Page 44 - Sind es nicht die Pflichten gegen Deinen Mann und gegen Deine Kinder? Nora: Ich habe andere Pflichten, die ebenso heilig sind. Helmer: Das hast Du nicht. Was für Pflichten könnten das wohl sein! Nora: Die Pflichten gegen mich selbst. Helmer: In erster Linie bist Du Gattin und Mutter.
Page 172 - Es gibt drei Reiche . . . Zuerst jenes Reich, das auf den Baum der Erkenntnis gegründet ward; dann jenes, das auf den Baum des Kreuzes gegründet ward . . . Das dritte ist das Reich des großen Geheimnisses, das Reich, das auf den Baum der Erkenntnis und des Kreuzes zusammen gegründet werden soll, weil es sie beide zugleich haßt und liebt, und weil es seine lebendigen Quellen in Adams Garten und unter Golgatha hat.

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