Ein Fasching in Wien

Front Cover
Jasper, Hügel & Manz, 1851 - Vienna (Austria) - 201 pages
0 Reviews
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Other editions - View all

Common terms and phrases

Popular passages

Page 203 - Aber nicht genng mit diesem Kleide, es folgte noch ein Schleier, in dessen feines Gewebe die Sterne des Himmels selbst eingeschlossen zu sein schienen, so funkelte der Glanz des prachtvollen Flors. Um den Anzug zu vollenden, lagen noch ein Gürtel, eine Haube und ein paar Schuhe im Korbe — alles zusammen den Glanz der Garderobe einer Fürstin weit übertreffend. — Als die eitle Dame dies sah, siel sie der alten Frau zu Füßen, umschloß die in Lumpen gehüllten Kniee. und beschwor sie ihr das...
Page 206 - Du hast mir zum Lohne versprochen, waS um diese Stunde von meinem Kleide bedeckt seyn wird. Du bist eS selbst, mein Kind! und somit bist Du mein."" „Die Alte verwandelte sich in den Teufel." «Das Kleid wurde verwandelt : der rothe Sammet wurde Blut, die Goldstickerei zu Feuer, das Silber der Sterne züngelte herab und herauf als feines Schwefellicht — so brannten und knisterten die höllischen Flammen um den Körper der in ihrer ewigen Noth Ringenden. Schon streckte die höllische Gestalt ihre...
Page 203 - Armselige! Du bist eine Bettlerin! Was wollen die Lumpen sagen, die ich dort in Deinen geöffneten Schränken angehäuft sehe ! Laß einmal meine Schätze Dir zeigen! Ich komme her um Dir ein kostbares Gewand anzubieten, so schön wie keine Königin es jemals getragen. Willst du es haben?" Die eitle Frau wurde böse als sie die Bettlerin so sprechen hörte. „Unverschämte!
Page 201 - Vor vielen, vielen Iahren — in grauer Vorzeit, lebte in Wien eine hochmüthige und äußerst eitle Frau. Sie trieb einen unerhörten Lurus mit Kleidern und schönen Stoffen. Den ganzen Tag über saß sie am Spiegel; versäumte die Geschäfte ihres Haushaltes, und versäumte vor Allem das Kirchengehen und die Messe. Tag und Nacht sann sie auf nichts, als wie sie ihre Mitbürgerinen an Putz und Flitter übertreffen möge.
Page 205 - Tammt, solchen Atlas, solche Stickerei. Als die Mitternachtsstunde der dritten Nacht herankam, saß die Frau und sann darüber nach, was die Alte eigentlich mit ihrer Forderung gewollt. Je länger sie sann, desto unheimlicher wurde ihr zu Sinn. Es stiegen ihr allerlei finstre Besorgnisse und schreckbare Gebilde auf.
Page 206 - Sie war allein und konnte das Gewand, das wie angegossen am Leibe saß, nicht herabbringen. Sie mühte sich, und versuchte endlich eS in Fetzen herabzureißen. Unmöglich! der Stoff — in der Hölle gewebt — spottete jedes Versuchs — eS zu trennen. Dabei kam immer näher die Stunde der Mitternacht heran. Die Unglückliche rannte in ihrem Zimmer wie sinnlos auf und ab, wie eine Königin geputzt, aber jammernd wie eine Bettlerin. ES schlug zwölf, und der unerbittliche Finger klopfte an die Thür."...
Page 207 - Die eitle Frau that nun Buße, ging in ein Kloster, und wurde, nachdem sie ein musterhaftes Leben geführt, und aller Eitelkeit entsagt, in Frieden und Freuden zu den Geretteten aufgenommen.
Page 202 - Mutter Gottes vorüber, und ihr sträflicher Leichtsinn erstieg eine solche Höhe, daß sie über das einfache Gewand Maria's spottete und die Himmelskönigin aufforderte mit ihr in Kleiderpracht zu wetteifern. Dieser entsetzliche Hochmuth schrie zum Himmel und die heilige Jungfrau wendete ihr Antlitz ab von der tiefgefallenen Tochter Eva's. In der Nacht, die hierauf folgte, erreichte die Gottlose die Strafe für ihr Verbrechen. Es klopfte um die zwölfte Stunde ein später Gast an die Thür der...
Page 140 - Nase, an den Gang, an die Haare des Fremden gewöhnt, dann bekommt er irgend einen gemüthlichen Spitznamen, und nun ist er auch für seine ganze Lebensdauer, und noch weiter hinaus, ein fest eingefügtes Glied dieses geselligen Kreises, den er sich gewählt.
Page 139 - Kon lon's. trotz ihrer tausend geselligen Genüsse — doch immer schroff einseitig bleibt. Dem Ausland gegenüber stellt sich der Wiener als hätte er Alles gesehen; aber er hat nicht Alles gesehen! Um Alles zu sehen muß man...

Bibliographic information