Aus der Oberpfalz: Sitten und Sagen, Volume 2

Front Cover
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Other editions - View all

Common terms and phrases

Popular passages

Page 58 - ... gerathen sie miteinander zum Streite, doch keines wird Herr. Die Zeit, welche ihnen zur Versöhnung geboten ist, läuft ab, und es kommt die Stunde wieder, wo die Sonne ihrem Schwur gemäfs wandern mufs. Blutroth von Zorn macht sie sich auf den Weg. Hätten sie nicht gestritten, wären sie vereinigt worden. Bis der Zorn sich legt, vergeht wieder geraume Weile; erst eine neue Finsternifs zeigt an, dafs sie sich wieder getroffen. Aber immer wieder wird diese Zeit nicht benutzt. So ist die Sonne...
Page 57 - ... feurig begehrenden Braut in der Brautnacht nicht zur Genüge: er hätte lieber geschlafen. Das verdrofs die Sonne, und sie schlug dem Manne eine Wette vor, dafs, wer von ihnen zuerst erwachen würde, das Recht haben solle, bei Tage zu scheinen, dem Trägen gehöre die Nacht. Würden sie beide zugleich wach werden, sollten sie fortan nebeneinander am Himmel glänzen. Da lachte der Mond gar einfältig vor sich hin: er ging die Wette ein, weil er nicht glauben wollte, dafs er verlieren könne, und...
Page 58 - Wette ein, weil er nicht glauben wollte, dafs er verlieren könne, und lachend schlief er ein. Davon hat er das Lachen behalten. Die Sonne aber liefs der Aerger nicht lange ruhen; schon vor zwei Uhr wach, zündete sie der Welt das Licht an und weckte den frostigen Mond und hielt ihm ihren Sieg vor und zugleich die Strafe, dafs sie nun nie mehr eine Nacht mitsammen verbringen würden. — Darum aber hatte sie die Wette gesetzt und mit einem Eide bekräftigt, dafs sie gebunden sei und nicht schwach...
Page 314 - Schooss, und jede Thräne ward zur kostbaren Perle. Endlich als die Zeit um war, traf sie ihn und klagte ihm ihr Leid und wies auf die Perlen, die sie geweint um ihn. Und er zählte die Perlen, und ihrer waren gerade so viele, als der Sternchen im Halsgeschmeide. Da ward er erweicht und reichte ihr...
Page 263 - Mond auf» ging, und setzte sich wie ein Reiter auf den Mond und ritt mit ihm bis dahin, wo die Sonne untergeht. Der Riese aber war so schwer, daß nach jedem Ritte die Mondscheibe wie ein Sattel eingedrückt war und etliche Zeit brauchte, um wieder rund und voll zu werden. Der Mond geriet in große Furcht vor dem Riesen, dem er als Roß dienen sollte, und ließ sich oft längere Zeit gar nicht sehen. Daher das Auf» und Abnehmen des Mondes, das Neulicht und der Vollmond.
Page 127 - Ha, erwiderte sie", so tut es meine Mutter auch; sie nimmt einen Stecken und rührt damit im Brunnen hinum und herum, dann kommt das Wetter.
Page 59 - Sie aber fühlte sich immer mehr vom Monde angezogen. Denn der Mond zieht alles an sich, besonders Mädchenherzen, weil er selber so unglücklich in seiner Liebe zur Sonne ist. Einmal schlief sie ermattet von des Tages Mühen ein und träumte, sie werde in den Mond hinübergetragen. Als sie erwachte, befand sie sich wirklich im Monde. Sie ist nun die Spinnerin im Monde, und noch sieht man sie darin mit dem Rädchen. Der Rocken nimmt mit dem Mondeswechsel ab und zu*), aber immer bleibt noch etwas...
Page 313 - ... vorliege (S. 421), zurückweist. Die Sage lautet: Es war einmal ein Herrscherpaar, mit grossem Gebiete, in der Zauberkunst wohl erfahren ; selbst die Elemente waren ihnen unterthan. Er hiess Woud, sie Freid. Der König war ein gewaltiger Mann mit langem wallenden Barte, sein Auge so feurig blitzend, dass Menschen, welche hineinblickten, darob erblindeten; gewöhnlich ging er nackt, nur an der Hüfte bekleidet ; gehalten wurde das Hüftenkleid durch einen endlosen Gürtel, an diesen war die Herrschergewalt...
Page 136 - Als der Herr alles erschaffen hatte, Gras und Kräuter und Blumen, und ihnen die schönen Farben gegeben, in denen sie prangen, machte er zuletzt auch den Schnee und sagte zu ihm: 'Die Farbe kannst du dir selbst suchen, du frißt ja so alles!' — Der Schnee ging also zum Gras und sagte: 'Gieb mir deine grüne Farbe!
Page 313 - Haare so reich und lang, dass sie sich darin ganz verhüllen konnte. Sie trank nur Wasser aus der Quelle, ihr Gatte eine Art Wein. Wenn sie sich bückte über der Quelle, um mit der hohlen Hand Wasser zu schöpfen, erglänzte ihr Haar im Sonnenscheine und ihr Arm wie Schnee. Doch wurde sie eifersüchtig, sie fürchtete, dem feurigen Gatten nicht zu genügen; in ihrer Leidenschaft ging sie zu kunstreichen Zwergen. Diese arbeiteten ihr einen Halsgürtel, der die Kraft hatte, dass, wer ihn trug, alle...

Bibliographic information