Die ruthenische Frage in Galizien

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Osselinski, 1848 - Galicia - 39 pages
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Page 35 - Vergleich anstellen, sehen wohl selbst die Unmöglichkeit der Gründung eines ruthenischen Reiches ein *). Was soll nun all' diess unselige Treiben — dieser Kreuzzug gegen die Polen — diese Riesenpetitionen — dieses Kriechen, diese Denkschriften, diese anonymen hassverbreitenden Schriften — diese perfiden Artikel der ruthenischen Zeitung — diese Regsamkeit einer Kaste — diese Lästerung der Religion — diese Blossstellung des Consistoriums ? — Soll diess Alles etwa ein Anzeichen eines...
Page 32 - Partei, welche jetzt das Ohr der Fürsten umlagert, und welcher die stupide oder feige Masse als willfähriges Werkzeug dient, den völligen Sieg erhält, so ist dem Zurückschreiten kein Ziel zu sezen, und ist Asien der Spiegel, worin wir unser künftiges Schicksal erkennen mögen.
Page 32 - Aus der Welt wird darum freilich nicht die Freiheit weichen, aber Europa wird das heilige Feuer, welches es bisher bewahrte, nur noch von ferne, von jenseits des atlantischen Meeres...
Page 35 - Zuhörern Widersetzlichkeit und Aufruhr gegen die bestehende Autorität, oder geheimes Bereiten der Waffen zum heillosen Bürgerkrieg. — . Kurze (Übersicht des Ganzen. Wenn es nun Thatsache ist, wie die citirten geschichtlichen Daten nachweisen: Dass die Einwohner der 12 östlichen Kreise Galiziens, die sich jetzt Ruthenen nennen, gleiche Sprache und Religion mit den Polen hatten, und mit denselben bis zu Ende des lOten...
Page 14 - Russia prae cseteris civitatem polonam ita accepit, eique coaluit, et est unita; ut magis nomine quam re ipsa a Polonis in comunicatione civitatis et Juris usu distinquatur. > Durch die Vereinigung des ruth. Landes mit Polen, hat auch der ruth. Bauer, wenn auch nicht so viel als der Adel, an Freiheit gewonnen 2).
Page 25 - Eine vollständige Spaltung des ruthenischen Clerus in zwei Parteien, eine gegenseitige, öffentliches Aergerniss erregende Anfeindung der sogenannten harten Ruthenen und der Liberalen, eine fluchwürdige Demoralisation des Bauers, der durch euere Schuld den letzten Faden verliert, mit dessen Hilfe er aus diesem Labirinte der verschiedenartigen Einflüsse herauskommen könnte — die immer mehr sichtbare Ohnmacht des Consistoriums, eine tiefe Kluft zwischen dem Bauer und der Intelligenz überhaupt,...
Page 16 - Ruthenen am meisten vereinigt sind *). Die Handlungsweise des ruth. Vereines lässt sich weder in rationeller, noch in religiöser Beziehung rechtfertigen ; denn gesetzt, die alte Aristokratie habe Ruthenien als ein unterjochtes Land nach dem damaligen Zeitgeiste hart behandelt, wäre dies ein Grund an den Urenkeln zu vergelten, was die Grosseltern verschuldet haben? und, noch mehr, ist es ein Grund, die Sünden der alten Aristokratie, der heutigen Demokratie, die früher mit dem demokratischen Ruthenen...
Page 39 - Unglückes wegen verl'augnen, und Pole seyn wollen, der Du einer anderen Religion, einer anderen Abstammung bist?» Du schwanktest und warst versucht es zu glauben, da Du nicht begreifen konntest, dass wirklich ein Bruder den anderen so hart drücken könne. — Das Gefühl für die Menschheit überwand jenes der Vaterlandsliebe ; es war überwunden — nicht erstickt. Mit wehmüthigen Blicken hast Du Deine Augen von dieser Nation abgewendet, wie ein Liebender, der auf Geheiss seiner Eltern die Geliebte...
Page 15 - Land mit neuem \jnglücke überschüttet hatte. Die schnelle Verwirklichung der demokratischen Idee, nicht die Idee selbst hat uns überrascht, sie hat auf unserem Boden bereits starke Wurzel geschlagen ; ihre erste Frucht war die Befreiung der Bauern von der Roboth. Es war das erste Wort, sobald die Mundsperre gehoben wurde, der Gedanke musste daher schon früher gereift haben. Dieser Schritt war nothwendig; die unterste und dichteste Schichte der menschlichen Gesellschaft konnte nur auf diese Art...
Page 20 - Ruthenen, welche die griechischkatholische Religion und die cyrilische Schrift annahmen, von Osten nicht viel Bildung verpflanzen konnten, und späterhin mit Tartaren und Mongolen in Gemeinschaft traten. Die Grundlage und Hauptumrisse dieser beiden Sprachen blieben jedoch die nämlichen und sie verhalten sich gegen einander, wie sich ein Provinzialismus zu einer Schriftsprache verhält. Ich will mich in die Entscheidung der Frage nicht einlassen, ob die ruth. Sprache bloss ein Patois oder eine stammverwandte...

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