Claudio - Leben eines Toten. Analyse des Dramas "Der Tor und der Tod" von Hugo von Hofmannsthal

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GRIN Verlag, 2007 - 36 pages
Studienarbeit aus dem Jahr 1994 im Fachbereich Theaterwissenschaft, Tanz, Note: 1-, Freie Universität Berlin (Theaterwissenschaft), Veranstaltung: Symbolismus und Stilbühne, Sprache: Deutsch, Abstract: In dem 1892 verfassten Essay "Die Legende einer Wiener Woche" schreibt der achtzehnjährige Hugo von Hofmannsthal: "Denn dazu, glaube ich, sind Künstler: dass alle Dinge, die durch ihre Seele hindurchgehen, einen Sinn und eine Seele empfangen ... . Und manche Wolken, schwere goldengeballte, haben ihre Seele von Poussin, und manche rosig-runde, von Rubens, und andere, prometheische, blauschwarze, düstere, von Böcklin." Es lässt sich kaum übersehen, in welchem Zeitalter diese Zeilen geschrieben wurden; Die Beanspruchung Kunst sei der Natur weit überlegen, und darüber hinaus sei Natur ausschließlich auf die Wahrnehmungs- und Deutungsmuster eines Künstlers angewiesen, lassen sich eindeutig in den Symbolismus bzw. Ästhetizismus oder Decadence der Jahrhundertwende einordnen. Noch im selben Jahr eröffnet der junge Hofmannsthal seinen Aufsatz "Südfranzösische Eindrücke" mit folgenden Worten: "... der unabsichtlichen Anmut, die das Leben hat. Denn die Bilder des Leben folgen ohne inneren Zusammenhang aufeinander und ermängeln gänzlich der effektvollen Komposition." Beispiele dieser Art finden sich viele im Werke Hofmannsthals, die von seiner ambivalenten Haltung gegenüber dem Symbolismus zeugen. Ebenso widersprüchlich war und ist die Rezeption des künstlerischen Schaffens Hofmannsthals. Besonders repräsentativ hierfür scheint die Figur des Claudio, in dem 1894 erschienenen lyrischen Drama "Der Tor und der Tod" zu sein, das sein populärstes Frühwerk wurde. Die einen sehen in Claudio den in sich ruhenden Ästheten par excellence, der keine Wandlung durchmacht; andere wiederum meinen, Claudios selbstverschuldete Krankheit des Ästhetizismus we
 

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Contents

Claudios Eingangsmonolog S
2
Wandlung durch Musik S
6
Angesicht des Todes S
7
Tanz der Toten S
13
Der Tod sein Leben S
18
Epilog S
23
Beginn einer Wandlung des Ästheten S
24
Hofmannsthals Ästhetizismusbegriff S
25
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Popular passages

Page 19 - Wie auf der Bühn' ein schlechter Komödiant Aufs Stichwort kommt er, red't sein Teil und geht Gleichgültig gegen alles andre, stumpf, Vom Klang der eignen Stimme ungerührt Und hohlen Tones andre rührend nicht: So über diese Lebensbühne hin Bin ich gegangen ohne Kraft und Wert.
Page 5 - Ich hab mich so an Künstliches verloren, Daß ich die Sonne sah aus toten Augen Und nicht mehr hörte als durch tote Ohren...
Page 7 - ... vorweggenommen, hat sich für Claudio die reale Existenz an der Praeexistenz zu messen, was notwendig zum Nachteil der Existenz gereicht. So hält die Erinnerung an die Praeexistenz das Sehnen nach einer mit ihr identischen Postexistenz wach, in dem die Existenz verpaßt wird. Ein der Praeexistenz analoger Zustand ist Claudio bislang verwehrt, da er nicht durch das Reflektieren, das sich vom Einzelnen in die Allgemeinheit des Begriffs bewegt, noch durch das Sehnen, das die Wirklichkeit überfliegt...
Page 8 - Steh auf! Wirf dies ererbte Graun von dir! Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe! Aus des Dionysos, der Venus Sippe, Ein großer Gott der Seele steht vor dir.
Page 28 - Die Einen nennen es Decadence, als ob es die letzte Flucht der Wünsche aus einer sterbenden Kultur und das Gefühl des Todes wäre. Die Anderen nennen es Symbolismus.
Page 9 - So glitten mir die jungen Tage, Und ich hab nie gewußt, daß das schon Leben heißt. Dann... stand ich an den Lebensgittern, Der Wunder bang, von Sehnsucht süß bedrängt, Daß sie in majestätischen Gewittern Auffliegen sollten, wundervoll gesprengt. Es kam nicht so... und einmal stand ich drinnen, Der Weihe bar und konnte mich auf mich Und alle tiefsten Wünsche nicht besinnen, Von einem Bann befangen, der nicht wich.
Page 9 - Verdrießlich und im Innersten zerrüttet, Mit halbem Herzen, unterbundnen Sinnen In jedem Ganzen rätselhaft gehemmt, Fühlt' ich mich niemals recht durchglutet innen, Von großen Wellen nie so recht geschwemmt, Bin nie auf meinem Weg dem Gott begegnet, Mit dem man ringt, bis daß er einen segnet.

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