Hamburgische Geschichten und Sagen

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Perthes-Besser & Mauke, 1854 - Hamburg (Germany) - 389 pages
 

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Page 111 - Marienhafe haben sie viel verkehrt, und daselbst gibt's noch viele Erinnerungen an Störtebeker. Der Häuptling, Keno then Brooke, wurde sein Schwiegervater, denn die schöne Tochter desselben verliebte sich in den kühnen mächtigen Mann und folgte ihm auf sein Schiff und in sein schwankend
Page 112 - Wenn Störtebeker Gefangene machte, die ein Lösegeld versprachen, so ließ er sie leben. Waren sie aber arme Teufel und alt oder schwächlich dazu, so wurden sie gleich ohne weiteres über Bord geworfen. Erschienen sie ihm jedoch tüchtig und brauchbar, so machte er erst eine Probe mit ihnen. Wenn sie nämlich seinen ungeheuren Mundbecher voll Weins in einem Zuge leeren konnten, dann waren sie seine Leute, dann nahm er sie als Gesellen an. Die es aber nicht konnten, die wurden auch abgetan.
Page 110 - ... In seinen jungen Jahren hat er lustig gelebt, hat Fehden ausgefochten, turniert und gerauft, dabei geschmaus't und gezecht und darnach in Hamburg mit ändern wilden Gesellen so lange bankettiert und gewürfelt bis er Hab und Gut verpraßt hatte. Und wie ihm nun zuletzt die Hamburger schuldenhalber sogar sein ritterlich Gewand und Rüstzeug genommen und ihn der Stadt verwiesen haben, da ist er unter die Vitalienbrüder gegangen und ein Seeräuber geworden, wie vor ihm noch keiner gewesen ist....
Page 111 - ... Freuden aufgenommen; und nach abgelegten Proben seiner ungemeinen Kraft (denn er hat eine eiserne Kette wie Bindgarn zerreißen können), wie auch seiner Unerschrockenheit und Tapferkeit, hat er ihm gleich ein Schiff untergeben und hernach den Oberbefehl über die ganze Verbrüderung mit ihm geteilt. Und weil der neue Genoß, der seinen adligen Namen abgelegt, so ganz unmenschlich trinken konnte, daß er die vollen Becher immer in einem Zuge ohne abzusetzen hinunterstürzen konnte und dies Becherstürzen...
Page 113 - ... durch das Meer brausende bunte Kuh aus Flandern mit den starken Hörnern«. Dies Schiff befehligte der Eigentümer desselben, ein junger Kriegsheld, der sich unsterblichen Ruhm bei den Hamburgern erworben hat: Simon von Utrecht. Die Vitalianer lagen bei Helgoland, wo sie auf die Hamburger Englandfahrer lauerten, welche nun von den Kriegsschiffen begleitet in See stachen. Gegen Dunkelwerden näherte sich die Hamburgische Flotte. Es heißt: da wäre ein Blankeneser Fischer in seiner Jolle heimlich...
Page 131 - löge, "dat lütte Rümeken" zwischen dem Millern-Thore und dem Bach, der zur Elbe läuft, weil die Hamburger Frauen gern auf der Stadt Gebiet ihr Linnen bleichen möchten. Und da sie so artig bat und der Graf ein ritterlicher Herr war, der einer bittenden Frau, zumal wenn sie schön war, nichts abschlagen konnte, er in seiner Vergnüglichkeit...
Page 112 - ... Auch Brotspenden an dortige Arme haben sie gestiftet. Und hierin finden viele eine Bestätigung der Angabe, daß beide Verdensche Landeskinder gewesen seien. Anno 1400 nun ließ die Hanse eine Flotte nach Ostfriesland gehen, um dem Unwesen zu steuern. Die Hamburger Schiffe befehligten die Ratsherren Albert Schreye und Johann Nanne. Sie besiegten die dort liegenden Vitalianer, erschlugen viele Raubgesellen und übten Standrecht an den Gefangenen. Dann eroberten sie Stadt und Burg Emden und legten...
Page 113 - ... mußte dann nach Lübeck gehen, sich zu entschuldigen beim Hansatage. Nun heißt es: Wie die beiden Hamburgischen Ratsherren soeben den neuen Friedensvertrag mit Keno abgeschlossen und die Halle verlassen hätten, da sei Störtebeker aus seinem Versteck hereingetreten und habe sich mit dem alten Keno über die Hamburger Herren lustig gemacht, die sich wieder von ihnen anführen ließen. Indem aber sei Herr Nanne, der seine Handschuhe vergessen gehabt, unversehens in die Halle zurückgekommen...
Page 131 - Wohlweisen aber wußten ihrem Ehrengaste das Unglück so vergnüglich vorzustellen, daß er sich nicht weiter darum grämte und der Einladung des Bürgermeisters, bis zum Morgen in seinem Hause Herberge zu nehmen, gern nachkam. Als nun der Graf daselbst angelangt...
Page 115 - ... Seeräuber, kurzen Prozeß mit den Gefangenen. Störtebeker saß in einem Keller des Rathauses, der, solange dasselbe gestanden hat, »Störtebekers Loch« genannt worden ist. Die Sage erzählt: Als man sein Todesurteil ihm verkündet, hat er nicht gern daran gemocht und hat für Leben und Freiheit dem Rat eine goldene Kette geboten, so lang, daß man den ganzen Dom, ja die Stadt damit umschließen könne; die wolle er aus seinen vergrabenen Schätzen herbeischaffen. Der Rat aber hat solch' Anerbieten...

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