Der Venusinenreim: Auszug der Frau Venusine aus dem Hörselberg und venusinens Abenteuer eine schalkhaft heroische Liebesmär in zwölf Reimen

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Rowohlt, 1911 - German poetry - 128 pages
 

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Popular passages

Page 106 - Ich saß in der Tür und ich lud ihn nicht ein. Ich machte meine Brüste zu Türmen aus Stein. Meine Arme lagen mir tot in dem Schoß, Mit Gedanken umschlang ich ihn kalt und groß. Nie lief mein Herz mit mir davon, Ich nannt ihn statt Liebster mein — Gottes Sohn.
Page 106 - Ich verkaufte Schmuck und mein bestes Gewand, Nur daß ich die teuerste Narde erstand. Den Geliebten zu salben, trat ich ins Haus, — Mit Fluch in den Zähnen sprang ich hinaus. Ich drängte mich ein in der Gäste Schar Und öffnete weit mein prunkendes Haar. Schön war ich, daß ich mich keinem mehr...
Page 110 - Wir tanzten zärtlich im Wiesengrund Und ruhten in einem reichen Gezelt. Die Herzen pochten uns Mund auf Mund, Nur allein die Liebe war auf der Welt . . . Es kam Dein Bild, wie der Mond an die Wand Gab Küsse und Lächeln und Frieden und schwand.
Page 106 - Wie weh euer Rot meinen Augen tut! Ich hab' meinen Gott zum Leichnam gemacht, — Der Tod schläft bei mir nun jede Nacht." Maria weint und der Garten wird laut. Magdalena kniet bei ihr: „Sei still, seltne Braut l 0, tröste dich schnell, er wollte kein Weib, Hatte Zeit nie zum süßesten Zeitvertreib. Dein Kuß hätf ihm nicht den Tod genommen, Durch mich ist der Tod über Christus gekommen. Längst erwählte mein Blut sich den kühlen Mann Und schlich sich begehrend an ihn heran. Ich sagte, ich...
Page 108 - Schaut, sie hat Nächte betend durchwacht, Ihr zärtlich Herz hat ein Wunder vollbracht! Sie ist des Pontius Pilatus Weib Und tötet aus Liebe zu Christus den Leib. Zur Zeit, da Christus gefangen lag, Bat sie um Gnade Nacht und Tag. Pilatus fragt endlich: »Liebst Du ihn?
Page 109 - ... Mann.' Zugleich war im Hof ein großes Geschrei, Man rief, daß Christus erstanden sei. Ich hielt die Tür bis der Lärm verlief. Dann eilten wir hin, sie suchte, sie rief, Hob sich auf die Zehen, als habe sie Flügel. — Die Sonne ging auf dort hinter dem Hügel . . .« Die Alte stottert, Sdimerz stürzt ins Gesicht, Schmerz, der ihr die Stimme aufschluchzend zerbricht. Die Sterbende lächelt und hebt ihren Arm — Noch einmal werden die Lippen ihr warm. Sie spricht von der Lieb...
Page 124 - Dauthendey muß sitzen Ihr zur rechten Seite, Er, der schon sein Lebtag Um die Venus freite. Teufel sitzt zur Linken. Venus, Teufel, Dichter Dutzen sich und trinken. 124 Lange konnt's nidit dauern, Ward die Luft zu enge Selbst in Himmelsmauern. Teufel eifersüditig Ließ sich gar nidits merken. Dauthendey, erstickend, Mußt
Page 107 - Weib, Deine Sünden sie seien vergeben, Da Du viel geliebt in Deinem Leben!« Idi sdilug mein Haar zurück, hob mein Haupt: »Wer hat es Dir, der nie liebte, erlaubt Zu künden, daß idi Sünderin bin? Idi bin Weib, Du aber warst niemals Mann! Idi klag' Didi der größten der Sünden an!
Page 105 - Die werden sdhnell einander verwandt. Maria erschien mir wie eine Braut, Die Liebe auf den Sternen sucht, Doch ihres Blutes Wärme mißtraut. Ich fragte die Frauen: »Ihr wollt zum Grab? Ich komme und wälze den Stein Euch ab.
Page 108 - ... Dritten, so sagte er.« Die Andere zuckt, wie von Feuer getroffen, Sie zeigt in den Garten — das Grab steht offen. Beim Eingang der Gruft liegt eine Gestalt. Sie eilen und finden ein lächelnd Gesicht, Eine Frau, die stirbt, und die Hand ist schon kalt.

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