Aphorismen. Parabeln, Märchen und Gedichte

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Page 107 - Wenn du fliegen kannst, so mache mir das nach!" antwortete der Vogel, wandte sich und steuerte mit kräftigem Flügel gegen den Wind. Das Blatt aber wirbelte ohnmächtig dahin, bis sein Träger plötzlich den Atem anhielt und es in ein Bächlein fallen ließ, das klar und munter durch den Wiesengrund jagte.
Page 188 - Dir bekannt mein Lebenslauf, Du wüßtest, daß in sel'gen Stunden Ich meinen Herrn und Gott gefunden.« Der Pförtner stutzt: »Allwo?— Sprich klar!« —»Daselbst, wo ich zu Hause war, (Mein Handwerk brachte das mit sich) Im Menschenherzen. Wunderlich War dort der Höchste wohl umgeben; Oft blieb von Seines Lichtes Weben Ein glimmend Fünklein übrig nur, Und führte doch auf Gottes Spur. Ob er sich nun auf dem Altare Den Frommen reicher offenbare— Das zu entscheiden ist Dein Amt. Bin ich...
Page 202 - Mit stillem Neide horcht ich. Aus der Not Nicht eine Tugend nur, auch Glück zu machen, Das ist die allerhöchste Lebenskunst. Ihr freilich mag sie leicht geworden sein, Der schlichten, alten Freundin der Natur, In diesem Dasein, halb im Traum geführt, Dem Kampf der Welt entrückt, von Leiden frei. „Gsund bin i, Gott sei Dank!
Page 181 - Ein kleines Lied! Wie geht's nur an, Daß man so lieb es haben kann, Was liegt darin? erzähle! Es liegt darin ein wenig Klang, Ein wenig Wohllaut und Gesang Und eine ganze Seele.
Page 60 - Die Frau, die ihren Mann nicht beeinflussen kann, ist ein Gänschen, die Frau, die ihn nicht beeinflussen will — eine Heilige.
Page 53 - Rücksichtslosigkeiten, die edle Menschen erfahren haben, verwandeln sich in Rücksichten, die sie erweisen. Wenn man ein Seher ist, braucht man kein Beobachter zu sein. Der ans Ziel getragen wurde, darf nicht glauben, es erreicht zu haben. Es ist die Frage, was man im Leben sucht, Unterhaltung oder Liebe. Im ersten Falle darf man es nicht allzu genau mit der moralischen, im zweiten nicht allzu genau mit der geistigen Beschaffenheit der Menschen nehmen, mit denen man sich umgibt. Den Feind unserer...
Page 143 - Der Blonde und der Braune waren alt und müde geworden, und auch sie sehnten sich im stillen nach dem Tode. Ihre Freude am Leben und Herrschen war abgestorben mit dem Glücke ihrer Untertanen. Und einmal wieder trieb der Zufall sein Spiel. Die beiden Nachbarn stiegen zugleich auf einen Berg, der die Grenze zwischen ihren Besitzungen bildete. Jeder von ihnen dachte: Ich will mein armes, verwüstetes Reich noch einmal überschauen. Sie kletterten mühsam empor, kamen zugleich auf...
Page 142 - Er und andere ängstliche Leute - es waren auch Weise darunter - schürten so lange das Mißtrauen, das sie ihrem Herrn gegen den Freund eingeflößt hatten, bis jener sich entschloß, zu rüsten gegen die vermeintlich Gerüsteten. Eine Scheune voll von Stöcken hatte der Braune; der Blonde wollte drei Scheunen voll von Stöcken haben. Holzknechte wurden in den Wald geschickt. Was lag ihnen an seiner hohen Kultur? Ihnen...
Page 193 - Der Dämon nimmt dein Herz, stiehlt dir die Seele, er füllt allein dein ganzes Denken aus. Du hast nur ihn; ja dein ureignes Leben, dein menschlich Irren, jegliches Empfinden, dein glühend Mitleid, Haß und Zorn und Schmerz, dein stillstes Sehnen, dein geheimster Traum — in seinem Dienst wird alles ausgemünzt. — Und dann? was dann? . . . Ach Zweifelsqualen, denn, ob auf der Münze auch die Prägung echt und angetan, zu dauern wie das Gute, das bleibt dir unbekannt und bleibt es jedem, der...
Page 201 - Die wachsn aufn Staufn, in die Schluchtn", Sagt sie und hebt voll Finderstolz ihr Körbchen. Ich hätte seinen Inhalt gern erworben; Er war verkauft. Vom Berge kam die Frau, Nach langem Tagewerk, war hungrig jetzt, Ein wenig müd und sehnte sich nach Hause.

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