Historisch-bibliographisches Bunterlei: oder, Spaziergänge, Streifzüge und Wanderungen in den Gebiethen der Geschichte, der Literatur und Bücherkunde

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J.G. Trassler, 1824 - 468 pages
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Page 266 - Denn diese Erfindung wird den Seelen der Lernenden vielmehr Vergessenheit einflößen aus Vernachlässigung der Erinnerung, weil sie im Vertrauen auf die Schrift sich nur von außen vermittels fremder Zeichen, nicht aber innerlich sich selbst und unmittelbar erinnern werden. Nicht also für die Erinnerung, sondern nur für das Erinnern hast du ein Mittel erfunden, und von der Weisheit bringst du deinen Lehrlingen nur den Schein bei, nicht die Sache selbst.
Page 368 - Füßen gegeneinander saßen, so wie man die Arme des Meeres in die Erde hineinlaufen sieht. Das Meer, als Mann gebildet, hielt ein reich gearbeitetes Schiff, welches Salz genug fassen konnte; darunter hatte ich vier Seepferde angebracht und der Figur in die rechte Hand den Dreizack gegeben. Die Erde hatte ich weiblich gebildet, von so schöner Gestalt und so anmutig, als ich nur wußte und konnte.
Page 175 - Verzweiflung hart hinter seinen Fersen sind. Der Zuschauer weine heute vor unserer Bühne - und schaudere - und lerne seine Leidenschaften unter die Gesetze der Religion und des Verstandes beugen, der Jüngling sehe mit Schrecken dem Ende der zügellosen Ausschweifungen nach, und auch der Mann gehe nicht ohne den Unterricht von dem Schauspiel, daß die unsichtbare Hand der Vorsicht auch den Bösewicht zu Werkzeugen ihrer Absichten und Gerichte brauchen und den verworrensten Knoten des Geschicks zum...
Page 266 - Mittel erfunden, und von der Weisheit bringst du deinen Lehrlingen nur den Schein bei, nicht die Sache selbst. Denn indem sie nun vieles gehört haben ohne Unterricht, werden sie sich auch vielwissend zu sein dünken, obwohl sie größtenteils unwissend sind, und schwer zu behandeln, nachdem sie dünkelweise geworden statt weise.<« [Platon, Phaidros, Übersetzung von Schleiermacher, 274e—275a—b] Natürlich können wir heute dem König Thamus nicht zustimmen.
Page 172 - Das Gemälde einer verirrten großen Seele - ausgerüstet mit allen Gaben zum Fürtrefflichen, und mit allen Gaben verloren. Zügelloses Feuer und schlechte Kameradschaft verdarben sein Herz - rissen ihn von Laster zu Laster - bis er zuletzt an der Spitze einer Mordbrennerbande stand, Greuel auf Greuel häufte, von Abgrund zu Abgrund stürzte, in alle Tiefen der Verzweiflung.
Page 170 - Worte, und allerdings kann jedwedes Theater mit den Schauspielen anfangen, was es will, der Autor muß sichs gefallen lassen, und ein Glück ist es für den Verfasser der >Räuber< , daß er in die besten Hände gefallen ist. Dieses einige werd ich mir von Herrn Schwan ausbedingen, daß er es wenigstens nach der ersten Anlage druckt.
Page 168 - Stück wie einem Holzstich, den ich in einer Ausgabe des Virgils gefunden. Die Trojaner hatten schöne Husarenstiefel, und der König Agamemnon führte ein paar Pistolen in seinem Hulfter. Ich beginge ein Verbrechen gegen die Zeiten Maximilians, um einem Fehler gegen die Zeiten Friedrichs II. auszuweichen.
Page 167 - Vorwurf gegründet, und ich wüßte nichts dagegen zu sezen, als die Freiheit der Dichtkunst, die Wahrscheinlichkeiten der Wirklichen Welt in den Rang der Wahrheit, und die Möglichkeit derselben in den Rang der Wahrscheinlichkeit erheben zu dörfen.
Page 168 - I. Sprechen alle meine Personen zu modern, zu aufgeklärt für die damalige Zeit. Der Dialoge ist gar nicht derselbe. Die Simplizität, die uns der Verfasser des Götz von Berlichingen so lebhaft gezeichnet hat, fehlt ganz. Viele Tiraden, kleine und große Züge, Charaktere sogar sind aus dem Schoß unserer gegenwärtigen Welt herausgehoben, und taugten nichts in dem Maximilianischen...
Page 91 - Tölpel, so klug sein wollen, doch ungereimbt und ungeschickt zur Sache reden und thun. Also Hab ichs auch oft gebraucht, sonderlich und allermeist in der Predigt. Und weiß mich nicht zu erinnern in meinem Gewissen, daß ich jemals eine Person insonderheit gemeinet Hütte, weder Feind noch Freund. Sondern wie die Sachen sich zugetragen, so Hab ichs gebraucht.

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