Zur Psychopathologie des Alltagslebens: (über Vergessen, Versprechen, Vergreifen, Aberglaube und Irrtum)

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S. Karger, 1907 - Association of ideas - 132 pages
 

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Popular passages

Page 17 - hab" ich Dir gegeben. Deine Locke nehm' ich mit mir fort. Sieh sie an genau! Morgen bist Du grau, Und nur braun erscheinst Du wieder dort".
Page 76 - als Kompromiß zustande. Frauendienst wie Militärdienst erheben den Anspruch, daß alles zu ihnen Gehörige dem Vergessen entrückt sein müsse, und erwecken so die Meinung, Vergessen sei zulässig bei unwichtigen Dingen, während es bei wichtigen Dingen ein Anzeichen davon sei, daß man sie wie unwichtige behandeln wolle, ihnen also die Wichtigkeit abspreche. Der Gesichtspunkt der psychischen Wertschätzung ist hier
Page 4 - vermute, daß der oder die Ersatznamen in einem aufspürbaren Zusammenhang mit dem gesuchten Namen stehen, und hoffe, wenn es mir gelingt, diesen Zusammenhang nachzuweisen, dann auch Licht über den Hergang des Namenvergessens zu verbreiten. In dem 1898 von mir zur Analyse gewählten Beispiele war es der Name des Meisters, welcher im Dom von Orvieto die
Page 11 - wieder flüssig wird. Das Volk hält viel auf dieses Wunder und wird sehr aufgeregt, wenn es sich verzögert, wie es einmal zur Zeit einer französischen Okkupation geschah. Da nahm der kommandierende General — oder irre ich mich? war es Garibaldi? — den geistlichen Herrn bei Seite und bedeutete ihm mit einer sehr verständlichen Geberde auf die
Page 123 - Ich nehme nun an, daß diese bewußte Unkenntnis und unbewußte Kenntnis von der Motivierung der psychischen Zufälligkeiten eine der psychischen Wurzeln des Aberglaubens ist. Weil der Abergläubische von der Motivierung der eigenen zufälligen Handlungen nichts weiß, und weil die Tatsache dieser Motivierung nach einem Platz in seiner Anerkennung drängt, ist er genötigt, sie durch Verschiebung in der
Page 60 - Bürger. Reißt ihn in Stücke ! er ist ein Verschworener. Cinna. Ich bin Cinna der Poet ! Ich bin nicht Cinna der Verschworene. Bürger. Es tut nichts; sein Name ist Cinna, reißt ihm den Namen aus dem Herzen und laßt ihn laufen.
Page 15 - Verfälschung vor sich. Nach der ersten Zeile der zweiten Strophe schien der Kollege eine Weile zu suchen; er setzte bald fort und rezitierte also: Aber wird er auch willkommen scheinen, Jetzt, wo jeder Tag was Neues bringt ? Denn er ist noch Heide mit den Seinen Und sie sind Christen und — getauft. Ich hatte schon vorher wie befremdet aufgehorcht ; nach dem
Page 55 - Autor schreibt, dürfen wir und sind wir gewöhnt, das Erklärungsprinzip zu tragen, welches wir bei der Ableitung des einzelnen Sprechfehlers nicht entbehren können. Eine klare und unzweideutige Schreibweise belehrt uns, daß der Autor hier mit sich einig ist, und wo wir gezwungenen und gewundenen Ausdruck finden, der, wie so richtig gesagt wird, nach mehr als einem Scheine schielt, da können wir den Anteil
Page 3 - die gebräuchliche Verwertung des Phänomens hinausführt. Wenn ich nicht sehr irre, würde ein Psycholog, von dem man die Erklärung forderte, wie es zugehe, daß einem so oft ein Name nicht einfällt, den man doch zu kennen glaubt, sich begnügen, zu antworten, daß Eigennamen dem Vergessen leichter unterliegen als

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