Page images
PDF
EPUB

men, auf dessen Rücken AI. v. Humboldt einige 50 bis 60 nocb feuerspeiende Berge und Crater zählte, zwischen deren Intervallen noch viele ungezählte sich anreihen. Auf der Westseite des Grofsen Ostoceans fällt aber im Parallellismus mit den Küstenconturen des Australischen und Ostasiatischen Festlandes die Linie der Reihen-Vulcane die L. v. Buch nachwies, auf den langen Normalzug der langgestreckten Gebirgsinseln. Mit gleichlaufenden, gegen NW. gerichteten, oder unter sich parallellen Längenaxen, ziehen diese, im Innern und Äufsern gleichförmig, ebenfalls an 1000 Meilen weit von der Doppelinsel Neu-Seeland bis zu dem Nordende der Philippinen mit einer Gabelung ihrer Direction in den Molukken, von 80 wüthenden Feuerschlünden, die nur an ihrer Ostspalte hervortreten, fortwährend bewegt. Von da an schliefst sich in grofser convexer Curve der Kranz gegen Nord über die Gruppen von Japan, den Kurilen, Kamtschatka, den Aleuten, Unalaschka mit ihren noch bis zu einem halben Hundert thätiggebliebenen Vulcanen, die, theils wie die australische Reihe, maritim, auf Inseln, theils wie die amerikanische, continental, auf Festland, sich hinzieht. Derselbe Kranz schliefst sich wieder andasNordende des Cordilleren-Zuges mit dem St. Elias Vulcan und dem neben ihm sich erhebenden Cerro de Buen-Tiempo an, so dafs der ungeheure Feuerkreis von mehr als 200 thätigen Vulcanen, fortwährend in Wirksamkeit versetzt, wohl diesen Namen verdienen mag.

Nur im Süden bleibt der Ring dieses vulkanisch thätigen Feuerkranzes ungeschlossen, obwohl er im polaren Norden durch die Trennung der Continente der Alten und der Neuen Welt, welche dort beinahe verschwindet, nicht gehindert wurde in seinem tieferwurzelnden Zusammenhange von dem einen zum andern der grofsen Continente fortzuschreiten und subterrestrisch zu verbinden, was maritim geschieden erscheint. Dort convergiren allerdings auch diese Continente NO. Asiens und NW. Amerikas bis auf wenige Stunden Unterbrechung in der Cook-Behrings-Strafse, und dies schon möchte auf die Gleichzeitigkeit der Genesis des Vulcankranzes, aus der mächtigen Erdspalte mit der Hebung und Aufschwellung ihres im Rücken liegenden ganz flachen Continentes hindeuten. Bestätigung scheint in der Südhemisphäre die entgegengesetzte, negative Erscheinung in der grofsen Lücke des nichtgeschlossenen Ringes, zwischen den auf 1000 Meilen von einander abstehenden Südhörnern Amerika's am Cap Horn und SüdAustraliens in Tasmanien darzubieten, wo mit den Continentalbildungen auch

B

der sie begleitende Vulcankranz gänzlich verschwindet, wo nun, im Gegensatz des inselreichen Ost-Oceans im Innern des Feuerkranzes, der inselarme, fast inselleere Ocean aufserhalb desselben Kranzes seinen Anfang nimmt, und über den übrigen noch gröfsern Theil der Erde sich ausbreitet. Denn erstaunen mufs man bei Durchmusterung der aufserhalb desselben liegenden maritimen Seite der Erde so wenig Inselbildungen aus ihrem unendlich weitern Schoofse hervortreten zu sehen. Während die Bande der grofsen äquatorialen Inselzone, die in der diagonalen Richtung der Ecliptik von den Philippinen gegen SO. bis zur einsamen Osterinsel mit ihren noch ungezählten, dichtgedrängten Inselpunkten, die blaue Südsee durchzieht und belebt, weshalb man sie wohl mit einer sternenreichen Milchstrafse am Himmel verglichen hat (deren Inselstrafse auch noch von einer zweiten, obwohl schwächern Inselparallelle in weiterem, nördlichen Abstande, von der Japanischen Gruppe an in gleicher Richtung gegen SO. bis zum colossalen Vulcan der SandwichGruppe begleitet erscheint), findet der Forscher nach Inselbildung dort, aufserhalb des Feuerkranzes, ihre gröfste Armuth. Dem Seecapitän ist diese, im Gegensatz jenes Inselreichthums, wohl bekannt. Der antarctische Weltumsegler konnte in der ganzen Südhemisphäre, südwärts der genannten Lücke des Vulcankranzes, bis auf die jüngste Entdeckung des Victoria-Landes mit seinen Vulkanen durch James Rofs, nur einzelne, vereinsamte Klippen und Felsen, nur Splitter, die kaum Inseln zu nennen sind, bis zu den Klippen Alexander I. und Peter I. auffinden, und in dem grofsen Raume des Südeismeeres den James Weddel (1822) durchschiffte, war keine einzige hervorgehoben. Auch in den nördlichem Breiten des grofsen Indischen Weltmeeres, zwischen West-Neuholland und SO. Afrika, sind die oceanischen Klippen Kerguelens, St. Paul und Amsterdam, als solche kaum des Nennens werth. Das Inselpaar Bourbon und Mauritius ist von allen andern verlassen. In dem atlantischen Weltmeere, aufser den antarctischen Klippen von Sandwichland bis zur Neu Süd-Shettland Gruppe, zeigen sich nur in dessen äthiopischer Breite, zwischen West-Afrika und Ost-Amerika, im Süden des Äquators, die von einander weitabstehenden oceanischen Inselpunkte: Trinidad, St. Helena, Ascension, die aus den gröfsten Tiefen des Oceans die jemals gemessen worden, 14,550 F. Engl., also Montblanchöhe gleich nach James Rofs erster, und nach dessen zweiter Messung sogar aus 27,600 F. Tiefe emporsteigen mufsten, um an die Oberfläche des Meeres zu gelangen.

Erst im Norden des Äquators, als Antipoden der Südsee-Inseln, treten wieder einige zahlreichere, aber immer engbeschränkte, centrale, vulcanische Inselgruppen über der Meeresfläche hervor, wie in den Ganarien, Azoren, Faröer, bis nach Island hinauf, das jedoch nicht mehr den offenen oceanischen, sondern den polaren Gestadeinseln zuzuzählen sein wird, wo in der Nähe beider Pole, nordwärts mit John Mayen Insel und südwärts mit Mt. Erebus, 12000 Fufs, wie James Rofs, der Entdecker von VictoriaLand sagt, die Feuerbildungen in verjüngter Kraft und Thätigkeit wieder ihr Territorium gewinnen, das eine lange räumliche Unterbrechung erlitten hat.

Die hebende, sichtbar gewordene Feuer-Gewalt, die also aufserhalb des grofsen Vulcankranzes aus der ungeheuersten Tiefe des Oceans nur auf sparsame Eruptionsstellen concentrirt blieb, die aber um so gröfsere Inselgruppen hervortrieb, mufste sich einst in unendlich gröfserer Wirksamkeit über den ganzen Boden des Südseebeckens verbreiten, weil aus demselben aufser den sichtbaren Inseln auch eine Unzahl unsichtbar gebliebener aus dem seichteren, mitemporgeschwollenem Seegrunde, als Untiefen, Bänke, Klippen, Tafelinseln, sich nur so eben bis in die Nähe der Seeoberfläche erheben konnten, wo die Tausende von Korallenbänken und Koralleneilanden, soweit die Undulationen der Fluthen reichten, sich auf ihnen ansiedelten. Aber die hebende, unsichtbar bleibende Dampf-Gewalt auf diese Tausende von einzelnen Punkten vertheilt, scheint doch zu ohnmächtig geblieben zu sein, um das Ganze zu einem über der Meeresfläche sichtbar werdenden Continente zu gestalten, dessen submarine Verbreitung nur dereinst durch zusammenhängende Sundirungsreihen zu ermitteln sein wird.

Diese Wirksamkeit auf grofse Strecken, nicht blos auf einzelne Punkte gerichtet, zeigte sich dagegen überall nach der Aufsenseite des Vulcankranzes, in der Hebung der sichtbar gewordenen Alten wie der Neuen Welt, deren zusammenhängender, höchster Plateaubau seine gewaltigsten Stirnen überall gegen den Vulcankranz emporthürmte; nach der entgegengesetzten, von ihm abgewendeten Seite aber, nämlich gegen das Innere der Landwelt, ihre Hauptsenkungen gewann, die alle gegen Norden, Nordwesten, Westen und Nordosten in der Alten wie in der Neuen Welt, gegen den ihnen NordAtlantischen Ocean und die arctische, polare Länderbreite des Planeten in die gröfsten Depressionen übergingen. Unstreitig, weil dahinwärts die he

B2

bende Gewalt nach oben in bestimmten Progressionen gegen die Mitte der gemeinsamen Depression abnahm, desto mehr aber in derselben Richtung, in horizontaler Dimension, über die polare Seite des Erdballs sich als seine trockne, aber flache Erdrinde verbreiten konnte. So trat die grofse Conti; nentalbildung im Gegensatz mit der grofsen Inselbildung des Planeten hervor, durch welche der Entwicklungsgang der Menschengeschichte, für Vergangenheit und Zukunft, seine Grundanlage als Mitgift erhielt.

Auf der Westseite der Australischen Reihenvulcane, deren kein einziger auf dem westlich gegenüber liegenden, doch so nahen Boden des Festlandes bekannt ist, breitet sich das Flachland eines ganzen Erdtheils, die grofse Niederung von Neuholland aus, zu deren massigen, gröfsern Emporhebung die unter dem Südseebecken so thätige plutonische Gewalt schon bei ihrem Entstehen viel zu abgeschwächt war, um sie höher zu heben. Sogar das zwischen ihr und dem vorüberstreichenden Inselzuge von NeuGuinea beschlossene, so sehr seichte Korallenmeer (the Great Barrier), konnte aus dem Seegrunde nicht mehr als trocken gelegter Landgrund emporgehoben werden oder sank wieder unter die Wellen zurück.

Dieses grofse Gebiet der australischen Depressionen eines ganzen Erdtheils setzt auch weiter nordwärts des insularischen, sundischen Isthmus mit seinen vielfachen Durchbrüchen, zwischen Carpentaria und SO. Malacca, auf asiatischen Boden, in den flachen Küstenländern von Hinterindien, Tunkin und Ost-China's Seegestade fort, bis die hohe Anschwellung des Centralplateaus von Asien in seinem Ostrande, an den Steilküsten von Leaotong und Korea, der isolirten grofsen Vulcangruppe von Japan gegenüber, und weiterhin ihnen die Grenze setzt.

Dieser Erscheinung ganz analog liegen auch in Süd- und Nord - Amerika alle grofsen Depressionen des Erdtheils unmittelbar aufserhalb des Vulcankranzes des continentalen Gordillerenzuges, wie der durch ihn auf seinen Schultern mitemporgetragenen, sehr hohen aber nur schmalen und langgezogenen Plateaubildungen. Innerhalb der Depressionen zeigt sich in ganz Ost-Amerika, in seinem weiten Areal, kein Vulcan mehr, so wenig wie in Australiens Flachland, eine merkwürdige Analogie; und die Senkungen der grofsen Depressionen, wie ihre Stromsysteme zeigen, gehen hier nur nach der Aufsenseite des Feuerkranzes, der in diesem Erdtheil ganz mit dem grofsen Gestadegürtel zusammenfällt, dessen innere Seite steil zum Tiefmeere der Grofsen Südsee abstürzt, während die Aufsenseite der continentalen Depressionen überall in terrassirten Stufenländern sich gegen den Äthiopischen und Atlantischen Ocean mit nur niedrigbleibenden Berggruppen hier und da, verflacht.

Gehen wir nun von dieser beachtungswerthen Analogie der Stellungen, der anliegenden Depressionen und ihrer Senkungen in beiden Seiten, der Neuen Welt, der amerikanischen wie der australischen, gegen den stets aus den tiefen Spalten seines Hitzheerdes, sich selbst wie seine Nachbarschaften neugestaltenden und hebenden, continentalen wie insularen Feuerkranz über, zu dem Gesammtbau des Alten Continentes.

Hier wiederholt sich dasselbe Gesetz der Anordnung des Ganzen in der analogen Construction gemeinsamer Hebungen, Senkungen und Depressionen, nur mit den Modifikationen, die aus seiner südwärts gegliederten Form und aus der Entfernung seiner Südgestade von dem gegen Südost in die Südsee zurückkehrenden Feuerkranze der insularen Reihenvulcane hervorgehen mufsten, da der Normalzug seiner Gestadelinie von dieser Abwendung vom Feuerkranze an nun gegen Südwest, der Richtung des Grofsen Gestadegürtels, von Süd-China, Hinter- und Vorder-Indien, über das Südende Arabiens, der Ostspitze Äthiopiens und der ganzen weiten Südostküste Afrika's, die Madagaskar-Seite entlang, bis zum Cap der Guten Hoffnung folgt.

Hier ist es nun lehrreich für das Ganze, was AI. v. Humboldt für das centrale, rhomboedrisch gestaltete Plateau Ostasiens zuerst nachgewiesen hat, da dessen particulaires Verhalten sich in der Gesammterscheinung als gesetzmäfsig wiedererkennen läfst. Nämlich, dafs die Diagonale, welche dieses Centralplateau von SW. gegen NO. durchsetzt und in seine nordwestliche und südöstliche triangulairen Halben (die tibetische und die mongolische) theilt, zugleich die Axe der gröfsten Anschwellung des ganzen Plateau's bezeichnet, der die gröfste Massenerhebung gegen SO. liegt, ihr gegen NW. aber die gemeinsame Absenkung beginnt. Die gröfste Anschwellung gegen SO. ist in der Hochfläche Tibets bis zu 14,000 Fufs, und in den Gipfelerhebungen der Himalaja-Kette über 20,000 und 25,000 Fufs absoluter Höhe gemessen. Die steil gegen das südchinesische, hinterindische und bengalische vorgelagerte Tiefland abstürzende Stirnwand dieser massigen Erhebung scheint sich zu noch gröfseren Höhen, wahrscheinlich den

« PreviousContinue »