Versuch einer deutschen Prosodie

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A. Wever, 1786 - German language - 252 pages
 

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Page 29 - Gedanken zu herrschen. Dies Zeitmaß ist es allein, welches durch seinen unwiderstehlichen Reiz Kraft genug hat, den stets emporstrebenden Gedanken der Empfindung unterzuordnen. Es ist hier mit der Rede fast wie mit dem Gange. Das gewöhnliche Gehen hat seinen Zweck außer sich, es ist bloß Mittel, zu...
Page 10 - Zeit haben, gehörig auszutönen; wie dies in den alten Sprachen der Fall war, wo man sich gar nicht an die Bedeutung der Silben kehrte, sondern die Stimme auf der Silbe am längsten verweilen ließ, worauf sie am längsten verweilen mußte, wenn jeder einzelne Laut gehörig austönen und weder dem Ohre noch den Sprachwerkzeugen die mindeste Gewalt angetan werden sollte.
Page 24 - Hauptgedanken in sich faßt, verwandelt sich in ein sanftes, mit sich selbst genüg- 20 sames auf und nieder Wallen. Die Nebenideen, welche vorher nur Mittel waren die Hauptidee zu erwecken und hervorstechend zu machen, bekommen nun an und für sich selbst einen Werth, und werden gleichsam in sich zurückgewälzt.
Page 181 - Grott' entführtest du sie, Sprache mir? Echo, du rufst sanft mir nach: Aber auch dich höret sie nicht. Nun drängen alle Genien der entzückten Harmonie (die metrischen Füße) sich um den Dichter her, und...
Page 85 - Wenn die Strahlen vor der Dämmerung nun entfliehn, und der Abendstern Die sanfteren, entwölkten, die erfrischenden Schimmer nun Nieder zu dem Haine der Barden senkt, Und melodisch in dem Hain die Quell...
Page 157 - Sie sehen hieraus, wie sehr die Lehre vom Accent in die prosodischen Regeln unsrer Sprache eingreift. Der Accent ist der Nachdruck, welchen wir auf irgend eine Silbe im...
Page 233 - Konjunktion, usw gegen einander abwägen soll, eben so wenig wie es die Begeisterung der griechischen und römischen Dichter hemmte, daß sie, um Verse zu machen, fast jeden einzelnen Buchstaben, Laut gegen Laut, Vokal gegen Vokal, und Konsonant gegen Konsonant, abwägen mußten.
Page 25 - Gesänge nähert. Wenn die Rede bloß als Mittel betrachtet wird, um Ideen zu erwecken, so strebt sie unaufhaltsam zu diesen Ideen hin, ohne sich die Mühe zu nehmen, ihre einzelnen Töne gehörig auszubilden. Sie vernachlässigt gleichsam sich selbst, weil sie ihren Zweck mehr außer sich als in sich hat. Sie unterscheidet...
Page 232 - ... einzelnen Laute, woraus sie bestehen, sondern bloß nach ihrem prosodischen Werth, als Redetheile von mehr oder minderer Bedeutung betrachtet, bestimmt werden können; und daß also die prosodischen Regeln unsrer Sprache lediglich...
Page 87 - Wenn der Schimmer von dem Monde nun herab In die Wälder sich ergießt, und Gerüche Mit den Düften von der Linde In den Kühlungen wehn; So umschatten mich Gedanken an das Grab Der Geliebten, und ich seh in dem Walde Nur es dämmern, und es weht mir Von der Blüte nicht her.

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