Lied und Epos in germanischer Sagendichtung

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F. W. Ruhfus, 1905 - Epic poetry, German - 52 pages
 

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Page 24 - Nach der Sammeltheorie verhält sich das Epos zum Liede wie eine Menschenreihe zum einzelnen Menschen; oder wie ein Baumspalier zum einzelnen Baume.
Page 35 - ... nur eine Urzelle sehen, die durch innere Aufschwellung, nicht durch äußere Anreihung zu den großen Liedern erweitert worden wären. Hierin beruht z. B. nach A. Heusler, der diese Theorie verficht, die Leistung der oberdeutschen Ependichtung des 12. und 13. Jahrhunderts. „Sie hat", schreibt er, „durch subjektive Neuschöpfung von den andern Erzählgattungen mehr oder minder befruchtet, die Zahl der dramatischen Auftritte und bedeutsamen Gestalten vermehrt, die alte Sage in ihrem eigenen...
Page 16 - Sing ich dien liuten miniu liet, so wil der erste daz wie Dieterich von Berne schiet, der ander, wä künc Ruother saz, der dritte wil der Riuzen stürm, so wil der vierde Ekhartes not, Der fünfte wen Kriemhilt verriet, dem sehsten taete baz war körnen si der Wilzen diet.
Page 16 - Kriemhilt verriet, dem sehsten taete baz war körnen si der Wilzen diet. der sibende wolde eteswaz Heimen ald hern Witchen stürm, Sigfrides ald hern Eggen tot. So wil der ahtode niht wan hübschen minnesanc. dem niunden ist diu wile bi den allen lanc. der zehend enweiz wie, nü sust nü so, nü dan nü dar, nü hin nü her, nü dort nü hie.
Page 22 - Auf der einen Seite ein gedrungener, andeutender, springender Stil; die "liedhafte Knappheit". Auf der andern Seite ein gemächlicher, verweilender, ausmalender Stil; die "epische Breite".
Page 33 - Die Hineinziehung von Dietrich und seinen Mannen, Rüdeger, Iring, die hervorragende Rolle, die Volker zugeteilt ist, alles dies war erst bei breiterer epischer Ausgestaltung möglich', so schießt er übers Ziel hinaus.
Page 31 - ... in Oesterreich eine genauere Tradition bewahrt zu sein. Aber das reichte nicht aus, denn an allen Enden mussten neue Anfänge gemacht werden. Aus der Vergleichung des späteren Bestandes mit jenen altgermanischen Fassungen ersehen wir, dass mit geringen Ausnahmen jede ausführlichere Ueberlieferung der Vergessenheit anheimgefallen war, sofern sie nicht durch einen ähnlich starken Inhalt wie Mord und Tod vor ihrem Untergange geschützt blieb. Die Sage ist inzwischen fast zum Skelett geworden,...
Page 8 - Zustand : ein Lied erzählt nicht eine Episode, sondern eine ganze Fabel. Die epische Fabel und der Liedinhalt decken sich.
Page 52 - Vertretern, und zwar in älteren und in jüngeren, auch in solchen, die den nämlichen Sagenstoff wie unser Hauptepos behandeln. Man denke sich nur, wenn aus Griechenland zwei vorhomerische Lieder mit dem Zorne Achills, drei Lieder mit der Heimkehr des göttlichen Dulders erhalten wären, dazu für jede der beiden Fabeln ein nachhomerisches Lied ; endlich mit anderm Sageninhalte ein Dutzend vorhomerischer, ein paar hundert nachhomerischer Lieder!
Page 34 - Lieder gleichsam übereinander legte und aus jedem das ihm eigene entnahm, so können auch die oberdeutschen Epiker in dem einen Liede den Iring, in dem andern den Rüedeger gefunden haben; in dem einen mochte der Saalbrand, in einem zweiten Dietrichs Rolle nachdrücklicher herausgearbeitet sein. Die Ependichter verfügten über eine Vielheit von Quellen, nur nicht im Sinne der Sammeltheorie. Sie reihten keine Lieder, auch keine Liedinhalte aneinander; aber sie trugen aus mehreren Liedern zusammen....

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