Westermanns Monatshefte, Volume 5

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G. Westermann, 1859
 

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Page 424 - Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der andern trennen; Die eine hält in derber Liebeslust Sich an die Welt mit klammernden Organen; Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust Zu den Gefilden hoher Ahnen.
Page 431 - Vaterland lieben, aber das Vaterland seiner poetischen Kräfte und seines poetischen Wirkens ist das Gute, Edle und Schöne, das an keine besondere Provinz und an kein besonderes Land gebunden ist und das er ergreift und bildet, wo er es findet. Er ist darin dem Adler gleich, der mit freiem Blick über Ländern schwebt, und dem es gleichviel ist, ob der Hase, auf den er hinabschießt, in Preußen oder in Sachsen läuft.
Page 431 - Der Dichter wird als Mensch und Bürger sein Vaterland lieben, aber das Vaterland seiner poetischen Kräfte und seines poetischen Wirkens ist das Gute, Edle und Schöne, das an keine besondere Provinz und an kein besonderes Land gebunden ist und das er ergreift und bildet, wo er es findet.
Page 431 - Sowie ein Dichter politisch wirken will, muß er sich einer Partei hingeben; und sowie er dieses tut, ist er als Poet verloren; er muß seinem freien Geiste, seinem unbefangenen Überblick Lebewohl sagen und dagegen die Kappe der Borniertheit und des blinden Hasses über die Ohren ziehen.
Page 431 - Ohren, und ich weiß recht gut, daß, so sauer ich es mir auch mein Lebelang habe werden lassen, all mein Wirken in den Augen gewisser Leute für nichts geachtet wird, eben weil ich verschmäht habe, mich in politische Parteiungen zu mengen. Um diesen Leuten recht zu sein, hätte ich müssen Mitglied eines Jakobinerklubs werden und Mord und Blutvergießen predigen! — Doch kein Wort mehr über diesen schlechten Gegenstand, damit ich nicht unvernünftig werde, indem ich das Unvernünftige bekämpfe.
Page 431 - Wir Neueren sagen jetzt besser mit Napoleon: die Politik ist das Schicksal. Hüten wir uns aber mit unseren neuesten Literaturen zu sagen, die Politik sei die Poesie, oder sie sei für den Poeten ein passender Gegenstand.
Page 431 - Besseres tun und wie soll er denn da patriotischer wirken? An einen Dichter so ungehörige und undankbare Anforderungen zu machen, wäre ebenso, als wenn man von einem Regimentschef verlangen wollte: er müsse, um ein rechter Patriot zu sein, sich in politische Neuerungen verflechten und darüber seinen nächsten Beruf vernachlässigen.
Page 252 - Ich bin ein deutscher Dichter, Bekannt im deutschen Land; Nennt man die besten Namen, So wird auch der meine genannt.
Page 253 - durchdrungen von deutschdemokratischen, burschenschaftlichen Ideen nach Frankreich kam, lernte ich den St. Simonismus kennen, der mich bald von jenen hohlen unpraktischen Träumereien heilte; mitleidig schaute ich nun von dem gewonnenen erhabenen Standpunkte auf das Treiben dieser Leute herab; wir verstanden uns nicht mehr und ich zog mich von ihnen zurück; allein dies hat mir viele Feindschaften zugezogen.
Page 251 - Bette lag er unter einer dünnen Decke, welche die Stellung des Körpers deutlich erkennen ließ. Der Leib war etwas zur Seite gewandt, die Beine dagegen, stark gekrümmt, lagen ganz der Schwere nach auf der linken Seite, unbeweglich, lahm, eine Stellung, die auch nur ein Gelähmter längere Zeit aushalten kann. Oberleib, Arme und das Gesicht bewegte Heine frei, seine Augen aber waren infolge einer Lähmung der Augendeckel, welche schlaff herabhingen, geschlossen; wenn er uns betrachten wollte, führte...

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