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Weidmann, 1847
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Popular passages

Page 221 - Leidenschaft, und diese ist so viel möglich aus sittlichen Quellen abgeleitet. Das Würdige und Große in der menschlichen Natur ist ohne einseitige Vorliebe aufgefaßt; die Klarheit besonnener Selbstbeherrschung erscheint mit der edlen Wärme des Wohlwollens innig verbunden und gleiche Rechte behauptend. Wir werden überall zu einer milden, freien, von nationaler und politischer Parteilichkeit gereinigten Ansicht der menschlichen Angelegenheiten erhoben. Der Haupteindruck ist Rührung, aber keine...
Page 220 - Die Lehre vom epischen Rhythmus verdient eine genauere Auseinandersetzung. Sie ist auch deswegen wichtig, weil sie Anwendung auf den Roman leidet. Ein Rhythmus der Erzählung, der sich zum epischen ungefähr so verhielte wie der oratorische Numerus zum Silbenmaße, wäre vielleicht das einzige Mittel, einen Roman nicht bloß nach der allgemeinen Anlage, sondern nach der Ausführung im einzelnen durchhin poetisch zu machen, obgleich die Schreibart rein prosaisch bleiben muß; und im Wilhelm Meister...
Page 202 - ... sich wieder eine neue Aussicht von Schwierigkeiten, die, wenn die Aufgabe nicht gelöst vor uns läge, die Ausführbarkeit sehr zweifelhaft machen könnten. In den höheren Ständen wird die freie Bewegung, Äußerung, Berührung und Wechselwirkung der Gemüter durch tausend konventionelle Fesseln gehemmt; in den unteren durch den Druck der Bedürfnisse und den Mangel am Gefühl eigner Würde.
Page 206 - Eigenthümlichkeit, nur das gehörige Maß von gesetzlosem Ungestüm der Leidenschaft verlangen, darf es nicht wundern, wenn ein *) Werk wie Wilhelm Meister unbegriffen angestaunt wird, weil es die Vielseitigkeit der menschlichen Bestrebungen mit der höchsten Klarheit auseinander breitet, und daher der Liebe nur einen untergeordneten Platz einräumt. Auch in Hermann und Dorothea...
Page 209 - Bestandteile der menschlichen Natur fremd, woraus erst das rein Komische und Tragische entsteht. Übrigens kann man Herzlichkeit, Geradsinn und gesunden Verstand den allgemeinen Charakter der handelnden Personen nennen; und doch sind sie durch die gehörigen Abstufungen individuell wahr bestimmt. Die Mutter, den Pfarrer und den Richter, unter denen es schwer wird zu entscheiden, wo die sittliche Würde am reinsten hervorleuchtet, erwähnten wir schon vorhin. Wie schön gedacht ist es...
Page 199 - Geschichte zeigt uns, wie sie sich von leichter Fülle (epische Periode) zu energischer Einzelheit erhob (lyrische Periode) und durch innige Verschmelzung beider endlich zu harmonischer Vollständigkeit und Einheit gelangte (dramatische Periode). Wenn also die lyrische Poesie mit dem Jugendalter, die dramatische mit dem männlichen verglichen werden kann ; so vereinigt die epische die Unbefangenheit des Knaben mit der Erfahrenheit und dem sichern Blick des Greises.
Page 210 - Darzustellenden dafür gesorgt, daß es der schönen Entfaltung so würdig, so rein menschlich und doch zugleich so wahr und eigentümlich wie möglich wäre, hat er den anmaßungslosen Stil der Behandlung dem Werke nicht von außen mit schmückender Willkür angelegt, sondern als notwendige Hülle des Gedankens von innen hervorgebildet. Es scheint, als hätte er, nachdem er das Wesen des homerischen Epos, abgesondert von allen Zufälligkeiten, erforscht, den göttlichen Alten ganz von sich entfernt...
Page 203 - ... Unabhängigkeit, welches Wohlhabenheit gibt; doch wird ihre Wohlhabenheit nicht in Trägheit genossen, sie ist durch redlichen Fleiß erworben. Sie sind Landbauer, ein Gewerbe, das, mit Umfang und einer gewissen Freiheit getrieben, den Menschen zum wohltätigen Umgange mit der Natur einladet, daneben...
Page 283 - Man findet in demselben eine Auswahl gerichtlicher Fälle, welche sich an Interesse der Handlung, an künstlicher Verwicklung und Mannigfaltigkeit der Gegenstände bis zum Roman erheben, und dabei noch den Vorzug der historischen Wahrheit voraus haben.
Page 145 - Urkunden des Genius zu entdecken; selbst der offen ausgesprochene Widerstreit der Meinungen wirkte anregend auf den Geist. Das meiste, was wir später ausgeführt oder nicht ausgeführt haben, wurde in diesem Zeitraume entworfen. Ich habe seitdem in den geistreichsten und gebildetsten Kreisen gelebt, viele der merkwürdigsten Zeitgenossen in Deutschland und im Auslande kennengelernt: aber jener freien und fruchtbaren Gemeinschaft der Geister in dem hoffnungstrunknen Lebensalter wendet sich meine...

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