Pia desideria eines österreichischen Schriftstellers

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O. Wigand, 1842 - Austria - 93 pages
 

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Page 65 - Kritiken, wenn es nur keine Schmähschriften sind, sie mögen nun treffen, wen sie wollen, vom Landesfürsten bis zum Untersten, sollen, besonders wenn der Verfasser seinen Namen dazu drucken läßt und sich also für die Wahrheit der Sache dadurch als Bürgen darstellt, nicht verboten werden, da es jedem Wahrheitliebenden eine Freude sein muß, wenn ihm solche auf diesem Wege zukommt.
Page 15 - Wienern, von Volksleben, Fiakern, Strauß und Lanner, vom Prater und Backhühnern zu erzählen ... Einigen von ihnen, deren Gemüth poetischer besaitet ist, kommen die ,Spaziergänge eines Wiener Poeten' ins Gedächthnis ... Der deutsche Kleinstädter ... fühlt sich durch das ihm ungewohnte, lebendige Treiben einer großen Residenzstadt verblüfft und beengt; der Glanz und das Gerassel der Equipagen sagt seinem keuschen, puritanischen Sinn so wenig zu, als der freie, ungenirte Ton in allen Classen...
Page 36 - ... erwirken; die natürliche Folge war, daß sie in ihren eigenen Ländern die Zügel der Zensur noch straffer anzog als bisher. So wenig Grillparzer, seiner innersten Natur nach, dem damaligen tölpischen deutschen Liberalismus geneigt war (welchen Immermann in den „Epigonen" nicht übel persifliert), so war er doch ein Dichter, ein tragischer Dichter; seine Schöpfungen, wie die des Philosophen, gehörten in das Reich der Idee. Die Idee als solche ist immer liberal, aber es ist ein Unglück,...
Page 16 - Aber die Wiener haben sich geändert; sie sind verzweifelt ernsthaft geworden. Die Industrie hat auch hier, wie allenthalben, ihren Thron aufgeschlagen, ein Volk, das Gewerb-Vereine bildet und Eisenbahnen baut, hat nicht mehr Zeit, sich vorzugsweise mit gebackenen Hühnern, dem Leopoldstädter Theater und mit Strauß und Lanner zu beschäftigen.
Page 80 - Inland« hat geradezu die Wirkung einer Prämie, die man dem nord- oder süddeutschen Buchhändler zum Nachteil des österreichischen bezahlt, und zwar für dieselbe Ware, die der Inländer gleichfalls produzieren kann; - beiläufig, als verböte man die inländische Glas...
Page 65 - Soll man gegen alles, was unsittliche Auftritte und ungereimte Zoten enthält, aus welchen keine Gelehrsamkeit, keine Aufklärung jemals entstehen kann, strenge, gegen alle übrigen Werke aber, wo Gelehrsamkeit, Kenntnisse und ordentliche Sätze sich vorfinden...
Page 15 - Anders ist, als der gewöhnliche Ausfluß eines großen, geselligen Verkehrs, und was, freilich in einem größeren Maßstabe, auch in Paris, London und St. Petersburg zu finden ist ... Man wirft dem Wiener Frivolität, Genußsucht, Theilnahmslosigkeit an den geistigen Interessen vor: Das mochte, wenn auch nur zum Theil, vor Zeiten gelten. Aber die Wiener haben sich geändert; sie sind verzweifelt ernsthaft geworden. Die Industrie hat auch hier, wie allenthalben, ihren Thron...
Page 39 - Sinn durchans nicht zuzusagen und er zieht sich immer mehr von ihr zurück; die Ionrnalistik rächt sich ihrerseits für diese Vernachlässigung, indem sie das größte Talent seiner Zeit gänzlich ignoriert. Grillparzer gehört, dem Genie und der Richtung nach, der älteren klassischen Zeit an, wo die Kunst als solche für das höchste galt und wo man bei dem Dichter nicht um politische Meinungen fragte. Grillparzer ist der erste österreichische und der letzte deutsche Dichter. Wenn er Torso blieb,...
Page 76 - LcfcPublicum besitzen, dessen spärliche Zuhörerschaft für die bedeutenden Kosten der Unternehmung nicht entschädigt. Vielleicht ließe sich dem Institute aufhelfen, wenn ein geistreicher, kritischer Kopf an seine Spitze gestellt würde, welcher im Stande wäre, die wissenschaftliche Tendenz mit den höheren und lebendigeren Forderungen der Gegenwart in Einklang zu bringen.
Page 37 - Hero und Leander" wurden angefangen, „Das goldene Vließ" wurde vollendet, leider nicht unter den günstigsten Auspizien. Die Trilogie ist eine der größten dramatischen Konzeptionen, aber in ihren einzelnen Teilen von der verschiedensten Ausführung. Allein auch in dieser unvollendeten Form erschließt uns die „Medea" eine tragische Welt, wie außer Schiller kein deutscher Dramatiker eine größere schuf. Zwischen Beginnen und Abschluß der Trilogie fällt des Dichters Reise nach Italien, von...

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