Gedichte, Volume 2

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Cotta, 1829
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Page 364 - Das Leben, es hat auch Lust nach Leid, Dann scheint die Sonne wie Gold!" Hört ihr's, wie der Donner grollt? Großmutter spricht: „Morgen ist's Feiertag, Großmutter hat keinen Feiertag, Sie kochet das Mahl, sie spinnet das Kleid, Das Leben ist Sorg' und viel Arbeit; Wohl dem, der tat, was er sollt'!
Page 363 - Urahne, Großmutter, Mutter und Kind In dumpfer Stube beisammen sind; Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt. Großmutter spinnet, Urahne gebückt Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl — Wie wehen die Lüfte so schwühl!
Page 364 - Sorg' und viel Arbeit; Wohl dem, der that, was er sollt' !"— Hort ihr's, wie der Donner grollt? Urahne spricht: „Morgen ist's Feiertag, Am liebsten morgen ich sterben mag : Ich kann nicht singen und scherzen mehr, Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer, Was thu
Page 364 - Morgen ist's Feiertag, Wie will ich spielen im grünen Hag, Wie will ich springen durch Tal und Höhn, Wie will ich pflücken viel Blumen schön; Dem Anger, dem bin ich hold!« Hört ihr's, wie der Donner grollt? Die Mutter spricht: »Morgen ist's Feiertag, Da halten wir alle fröhlich Gelag, Ich selber ich rüste mein Feierkleid; Das Leben es hat auch Lust nach Leid, Dann scheint die Sonne wie Gold!
Page 127 - Mit allen Wunderzeichen schimmert Das Buch des Himmels aufgerollt; Was unten nur wie Silber flimmert, Das leuchtet hier wie reines Gold. Ward in den Sternen je gelesen Der irdischen Geschicke Pfand; So ist es dieser Berg gewesen, Auf dem der Seher Gottes stand. Auch diese stehen zu erkunden In dem Gestirn des Himmels Rath, Doch haben sie noch nicht gefunden Ihr Saatkorn in der reichen Saat; Den Stern, der herrlich^ überschwenglich, Vor allen andern strahlenvoll, Ein Licht, ein Feuer unvergänglich...
Page 143 - Sich selbst sie schmüekten königlich, Den höchsten König zu empfangen, Und hinter ihnen reihte sich Die Heereskraft in stolzem Prangen. Der greise König Melchior, Dem, als der Stern, das Auge flammte, Ging wie ein Priester Allen vor, Im faltenreichen Purpursammte: Das blaue Stahlgewand umschließt Den Balthasar, wie angeboren^, : Aus Rothgold , wie aus Feuer , sprießt Das schwarze Haupt Iaspar des Mohren.
Page 131 - Drei Kön'ge machten da sich auf, (doch keiner wußte von dem andern), die merkten auf des Sternes Lauf, und huben an mit ihm zu wandern. Schon lange harrten sie des Herrn, den des Propheten Wort verkündet, der Sehnsucht Funken hat der Stern zur lichten Flamme jetzt entzündet. Ein jeder nun bereitet sich, in den drei ferngeschiednen Landen, mit Opfern, Gaben, königlich, Zierrathen, köstlichen Gewanden. Und Mäuler und Kameele drückt die Last der aufgeladnen Güter, manch gutes Saumroß geht...
Page 127 - Düften, Und überwallt von edlem Holz, Der höchste steigt aus blauen Lüften Ein Berg, des Morgenlandes Stolz; Steil ist der Pfad, und lang die Reise...
Page 144 - Ia! spricht der Greis, der Stern entscheidet! Umringt ist schnell der schnöde Stall Von aller Erde Herrlichkeiten. Es drängt sich rings der Diener Schwall, Der Gaben reichste zu bereiten. Die Fürsten treten ein gebückt, Das Sternlicht fließet durch die Wflnde , Sie sind von solchem Strahl durchzückt, Daß sich ihr Haupt senkt in die Hände. Als sie den Blick nun aufgethan, Und all' das Licht gelernt ertragen, , Wer doch vermag, was da sie sahn, Der es nicht selbst geschaut, zu sagen?
Page 146 - ... Deutung sich zu senken: Dem Gott wird Weihrauch dargebracht, Gold wird dem Könige geboten: Doch Myrrhe? Myrrhe schmückt die Nacht Des Grabes, und die Gruft der Todten? Gott, König, Mensch dem Tod geweiht! Sie ringt mit dem verborgnen Sinne : Ob sie dem Staunen Worte leiht? — Die Fürsten werden es nicht inne, Sie sind dem König zugewandt, Sie ruh'n in Andacht vor der Krippe, Und drücken still die zarte Hand Des Kindes an die heiße Lippe. / Doch lenkt den weisen Melchior Der Geist auf...

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