Die wiederbelebung des classischen alterthums, Volume 1

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G. Reimer, 1880 - Classical philology - 486 pages
 

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Page 133 - Und die Menschen gehen hin, um die Bergeshöhen zu bewundern und die ungeheuren Fluten des Meeres und den breiten Lauf der Ströme und den weiten Kreis des Ozeans und die Bahnen der Gestirne — sich selbst aber lassen sie außer acht, vor sich selbst bleiben sie ohne Bewunderung.
Page 6 - Nicht eine Summe antiquarischer Kenntnisse giebt den Ausschlag, sondern die Lebensanschauung, die Hingebung an die alte Welt, das sehnsüchtige Streben, sie wieder in die Gegenwart zu führen und mit aller Kraft des Geistes zu umfassen.
Page 16 - So ist denn überhaupt, was an der Gestalt Dante's uns modern anmuthet, das Hervortreten seiner männlichen selbstbewussten Persönlichkeit, die der Welt ihr Ich zu bieten wagt. Das war die Majestät des Denkers und Dichters, die schon seine Zeitgenossen auf der gewaltigen Stirn und den dunklen Gesichtszügen thronen sahen. Und dieser einsame Mann, der ein solches Wissen und eine solche Kunst erworben, dessen Welt auf eigenem Studium und eigener Geisteskraft ruhte, war ein Laie, der weder dem Verbande...
Page 382 - ... Sohnes tröstet, wie er ihre Seele mit den Worten der heiligen Schrift, selten nur mit denen anderer kirchlicher Autoritäten speist, fern von gekünstelter Salbung, fern auch von aller Polemik. Er war ein gelehrter Theologe und hat Werke von grossem Umfange und einer ausgedehnten encyklopädischen Gelehrsamkeit hinterlassen, aber was er schrieb, war so einfach und schmucklos wie sein Leben, die Herren vom eleganten Stil nahmen keine Notiz davon. Die klassische Literatur ist ihm keineswegs ganz...
Page 89 - Einverständniss und gewisse Stichworte zusammenhielt oder auch in seiner Verzweigung und seiner Stellung neben der Kirche an das Freimaurer- und Logenwesen wenigstens erinnern mag. Die Bezeichnung nach dem Meister ist die bestimmteste. Doch werden dieselben Männer auch Atheisten und Epikureer genannt; denn letzterer Name bedeutet im Mittelalter Solche, die nicht an Gott und an ein Leben nach dem Tode glauben. Immer scheinen Physiker und Mediciner einer solchen Denkweise am nächsten gestanden zu...
Page 23 - Gemächern wir bereits mit Behaglichkeit wohnen. Der Genius Petrarca's ruht, um vorerst nur vielen Sinn in ein Wort zu drängen, in der von ihm erschlossenen Welt des Humanismus. Nicht nur dass er dem in langen Winterschlaf gehüllten Alterthum das Erwache zugerufen, dass er eine erstarrte Welt neubelebt, er hat sie auch in den Kampf mit der ihn umgebenden geführt und aus diesem Kampfe ahnungsvoll ein neues Zeitalter emporsteigen gesehen.
Page 473 - Schenkung vor aller Welt mit erbarmungsloser Hand zu zerfetzen. „Er erklärte vielmehr mit dem alten Hasse des Römers gegen die Pfaffenherrschaft die Fürsten berechtigt, den Papst aus seinem weltlichen Besitz zu vertreiben. Er schmähte Papst Eugen als Tyrannen und Cardinal Vitelleschi als einen Bluthund. Aber er formte zugleich aus jener Fälschung ein schweres Verbrechen der Päpste überhaupt: entweder das der höchsten Unwissenheit oder das der furchtbarsten Hab- und Herrschsucht, wenn sie...
Page 83 - Redestrom" seiner Werke überzeugt, und schilt die Kathederphilosophen, die seinem Lobe widersprechen, ein plebejisches und kleinkrämerisches Volk (epist. rer. var. 21. famil. IV. 9. rerum memor. I. op. p. 452.). Ja sogar den neueren Griechen, die sich sonst wenig seiner Hochachtung erfreuen, will er beistimmen, wenn sie Aristoteles seiner reichen Kenntnisse wegen achten, Plato aber wegen der Hoheit seines Geistes als den Göttlichen bewundern (op. 453.). Uebrigens beachte man auch die bezeichnende...
Page 131 - Welt erheben und für seine Individualität das Staunen der Mitwelt und den Ruhm der Nachwelt zu fordern wagt? Wir nehmen keinen Anstand, Petrarca in diesem Sinne den Propheten der neuen Zeit, den Ahnherrn der modernen Welt zu nennen.

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