Geschichte der Deutschen in den Karpathenländern: bd. Geschichte der Deutschen in Galizien bis 1772

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F. A. Perthes, 1907 - Austria
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Page 239 - Das Gerichtswesen. 1. Einleitung. JJie Verleihung des deutschen Rechtes war stets mit der Befreiung von der landesüblichen Gerichtsbarkeit verbunden, mag es sich um eine Neuansiedlung oder um Übertragung des deutschen Rechtes an einen bereits bestehenden Ort handeln. So wird in der Bestiftungsurkunde von Bochnia (1253) bestimmt, daß über die Bürger dieser Stadt kein Kastellan, kein Palatin (Woiwode) und kein anderer polnischer Richter ein Urteil schöpfen dürfe.1 Im Privileg von Wieliczka (1290)...
Page 24 - Fürsten und Volk Polens sich von einer Wüste umgeben. Es mangelte an Menschen, um dieselbe zu bevölkern, es fehlte an Geist und Kapital, um ein neues Leben zu beginnen und die Arbeit des Volkes von neuem in Bewegung zu setzen.
Page 27 - Dies und ähnliches sagt unser bedeutender Schriftsteller, dessen Gelehrsamkeit gleichwie sein Leben rühmenswert sind, zum Lobe der Germanen, der Pole über das mit seinen Stammesgenossen im ererbten Streit um Ruhm und Macht wetteifernde Volk, doch die Tugend soll auch am Feinde gerühmt weiden.
Page 239 - ... Kastellan, kein Palatin (Woiwode) und kein anderer polnischer Richter ein Urteil schöpfen dürfe.1 Im Privileg von Wieliczka (1290) wird die Befreiung der Stadt und ihrer Bewohner von allen Verpflichtungen nach polnischem Rechte , darunter insbesondere auch von der ,Citation auf die Burg' ausgesprochen;2 hier hatte nämlich das Kastellanei-, Burg- oder Grodgericht seinen Sitz, das für die dem landesüblichen Rechte untergeordneten Ein-wohner des betreffenden Burgbezirkes das ordentliche öffentliche...
Page 26 - ... der polnische Geschichtsschreiber Kromer (um 1575) sich ausführlich über den Wert der deutschen Ansiedlung geäußert. Er zählt zu den besonderen Verdiensten des Königs Kasimir des Großen, daß er die wüsten Landstriche mit Deutschen bevölkert habe, und bemerkt an einer andern Stelle: „Durch Mühewaltung und Arbeit der Deutschen begann die Zahl der Dörfer und Städte sich zu mehren und die Kultur sich zu heben. Sie sind sparsamer und fleißiger als die Polen, und ihre Wohnungen sind...
Page 268 - Theutonicum castri Cracoviensis, supremum iudicium (provincialis) iuris Theutonici in castro Cracoviensi oder supremum ius Theutonicum in castro Cracoviensi. Der Vorsitzende hieß advocatus, iudex seu advocatus oder iudex provincialis. In dieser Eigenschaft erscheinen wiederholt Krakauer Bürger. Im Jahre 1464 ist Nikolaus Rezinger, im Jahre 1516 Jakob Maysnar Vorsitzender.4 Die sieben Schöffen (scabini) sind teils Krakauer Bürger, zumeist aber Schulzen verschiedener Ortschaften. Alles dies entspricht...
Page 247 - Wie wir sahen, behielten sich die Lehensherren, mögen es nun die Landesfürsten oder weltliche und geistliche Gutsherren gewesen sein, in einzelnen Orten einen Teil der Gerichtsbarkeit vor. Über diese Fälle konnte aber der Lehensherr nicht etwa willkürlich urteilen. Er war vielmehr auch an das deutsche Recht gebunden und daher konnte die Urteilsfftllung nicht durch ihn selbst erfolgen, sondern mußte durch die Schöffen im zuständigen Ortsgerichte geschehen.
Page 355 - So haben die deutschen Ansiedler in Galizien alle Zweige der materiellen und geistigen Kultur erfolgreich gefördert und zur Entwicklung dieses Landes sowie der polnischen und ruthenischen Bevölkerung reichlich beigetragen. Ein untrügliches Zeugnis dafür bieten vor allem die in die Sprache dieser Völker aufgenommenen unzähligen deutschen Wörter, von denen eine kleine Auswahl an verschiedenen Stellen dieses Kapitels mitgeteilt wurde.
Page 25 - Polen herbeizuführen. Was man einst ausnahmsweise versucht hatte, das ergriff man jetzt als allgemeines Rettungsmittel und führte es in der größten Ausdehnung durch. Eine massenhafte Kolonisation des Landes durch fremde Einwanderer gelang vortrefflich. In kurzer Zeit wurden die eingeäscherten Städte aufgebaut und bevölkert, Industrie und Handel erhoben sich mächtig, und unter ihrem Schutze kehrte auch das Landvolk zu seiner gewöhnlichen, aber viel inten
Page 243 - Dem Ortsgerichte wurde oft nur die niedere Gerichtsbarkeit anvertraut, während der Landesfürst oder Grundherr sich die höhere vorbehielt. So hat Herzog Heinrich von Schlesien, der auch über das Krakauer Gebiet eine Zeitlang herrschte, im Jahre 1234 dem Krakauer Palatin Theodorus und seinen Schulzen die Gerichtsbarkeit nach deutschem Rechte über seine Ansiedler übertragen, nur die Erkenntnis auf Todesstrafe und Verstümmlung der Glieder behielt er sich als Herzogrecht...

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