Die Botschaft: neue Gedichte aus Österreich

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Ed. Strache, 1920 - Austrian poetry - 356 pages
 

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Page 217 - Abend. Am Weiler vorbei Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein. Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams. Bei der Heimkehr Fanden die Hirten den süßen Leib Verwest im Dornenbusch. Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern. Gottes Schweigen Trank ich aus dem Brunnen des Hains.
Page 271 - LÄCHELN ATMEN SCHREITEN Schöpfe du, trage du, halte Tausend Gewässer des Lächelns in deiner Hand! Lächeln, selige Feuchte, ist ausgespannt All übers Antlitz. Lächeln ist keine Falte, Lächeln ist Wesen vom Licht. Durch die Räume bricht Licht, doch ist es noch nicht. Nicht die Sonne ist Licht, Erst im Menschengesicht Wird das Licht als Lächeln geboren. Aus den tönenden, leicht unsterblichen Toren, Aus den Toren der Augen wallte Frühling zum erstenmal, Himmelsgischt, Lächelns nieglühender...
Page 219 - Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel, Wenn er staunend Arme und Beine bewegt, Und in purpurnen Höhlen stille die Augen rollen.
Page 222 - Es ist ein Licht, das der Wind ausgelöscht hat. Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verläßt. Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Löchern voll Spinnen. Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben. Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Südsee, Den Sonnengott zu empfangen. Man rührt die Trommeln.
Page 221 - Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern, Die Schatten der Alten unter der offenen Tür, Da Helians Seele sich im rosigen Spiegel beschaut Und Schnee und Aussatz von seiner Stirne sinken.
Page 228 - KLAGE Schlaf und Tod, die düstern Adler Umrauschen nachtlang dieses Haupt: Des Menschen goldnes Bildnis Verschlänge die eisige Woge Der Ewigkeit. An schaurigen Riffen Zerschellt der purpurne Leib Und es klagt die dunkle Stimme Über dem Meer. Schwester stürmischer Schwermut Sieh ein ängstlicher Kahn versinkt Unter Sternen, Dem schweigenden Antlitz der Nacht.
Page 219 - Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts. In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden Mit dem Gold seiner Sterne. Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tönt, Verfallen die schwarzen Mauern am Platz, Ruft der tote Soldat zum Gebet. Ein bleicher Engel Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Väter.
Page 228 - Am Abend tönen die herbstlichen Wälder Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen Und blauen Seen, darüber die Sonne Düstrer hinrollt ; umfängt die Nacht Sterbende Krieger, die wilde Klage Ihrer zerbrochenen Münder. Doch stille sammelt im Weidengrund Rotes Gewölle, darin ein zürnender Gott wohnt, Das vergossne Blut sich, mondne Kühle; Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Page 223 - Student, vielleicht ein Doppelgänger, schaut ihr lange vom Fenster nach. Hinter ihm steht sein toter Bruder, oder er geht die alte Wendeltreppe herab.
Page 272 - Sieh der Geliebten erdenlos schwindenden Schritt! Schwinge dich hin, schwinde ins Schreiten mit! Schreiten entführt Alles ins Reine, alles ins Allgemeine. Schreiten ist mehr als Lauf und Gang, Der sternenden Sphäre Hinauf und Entlang, Mehr als des Raumes tanzender Überschwang.

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