Sammtliche Werke, Volume 3, Issue 2

Front Cover
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Other editions - View all

Common terms and phrases

Popular passages

Page 388 - Wer gefühlt hat, und fühlt, was Werther fühlte; dem verschwinden die Gedanken, wie leichte Nebel vor Sonnenfeuer, wenn er's bloß anzeigen soll. Das Herz ist einem so voll davon, und der ganze Kopf ein Gefühl von Thräne. 0 Menschenleben, welche Gluth von Qual und Wonne vermagst du in dich zu fassen!
Page 389 - Doch, es verdrießt mich, daß ich so von einem Buche reden muß, wo alles lebendige Gestalt hat. Wer hat zum Beyspiele jemals so viel Vergnügen bey einem Kindergemählde, und wenn es von dem größten Meister gewesen wäre, empfunden, als bey S. 30, 48, 60? Welche Landschaften voll Leben!
Page 389 - Ossian in seiner Wahrheit kennen lernen. Wer kann vor Empfindung etwas über den Gesang der Minona, und Ullins, und die Klagen Armins sagen, wenn er auch nur einen Schatten von den Gefühlen des Barden dabey hat! diese Schweere läßt sich nicht aus der Sphäre des Herzens winden.
Page 575 - Früchte hervor. Er gleicht dem Elemente des Feuers. Es ist nichts, was den Menschen so zur Vollkommenheit treibt, deren er fähig ist. Das goldne Jahrhundert der Griechen kam nach den Schlachten gegen die Perser.
Page 390 - Genieen müssen sichs zuweilen gefallen lassen, daß ihnen diese Herrn hier und da einen Wasserbau anlegen. Muß doch der mächtige Vater Rhein so seinen schönen Schlangenlauf am Ende verändern, um einige fruchtbare Wieselein zu machen, nach dem kleinen Interesse der tausend Beherscher seiner Ufer sich seiner Kräfte begeben, und in mancherley Zickzack sich brechend traurig zur Ruh ins Meer sich wälzen.
Page 631 - Petrarka, der größte Schwärmer der Liebe, (wozu ihn seine scholastische Weisheit, sein Hang zur thierischen Wollust und seine Ruhmbegierde mehr mögen gemacht haben, als der platonische Begriff vom wesentlichen Schönen, wie ich mir aus seinen Gedichten und Briefen zu erweisen getraue:) ist nie so weit mit seinen Empfindungen bey seiner Laura gekommen...
Page 469 - Lächerlich wär' es, den Herrn von Voltaire zu verdammen, daß er in den Zeiten, und dem Lande, wo er lebte, statt seiner Henriade keine Iliade, und statt seiner Zayre keinen König Lear geschrieben hätte. — Welche Forderung! Doch ist es nicht lächerlich, zu untersuchen, ob man keine bessern Gedichte machen könne, ob wir keine bessern haben; ob die Iliade vor der Henriade, das Zeitalter des Homer, Ossian, und Shakespear vor dem unsrigen den Vorzug verdient, und aus welchen em Genie Stoff zu...
Page 466 - ... kann, nach den Rechten der griechischen Freyheit, seiner Darstellung eine Form geben, die ihm dem Wesen derselben am angemessensten zu seyn scheint, und eine ganz neue dazu erfinden. Gleicht dieselbe einem schönen Geschöpfe voll Leben, und macht ein vollkomnes Ganzes aus, so werden ihm die Menschen, deren Herzen nach dem Willen der guten Mutter Natur fühlen, den Beyfall nicht versagen, den man der Neuheit schuldig ist. Zu den wesentlichen Eigenschaften des Genies gehört Feuerkraft des Gefühls,...
Page 472 - Ordnung in sich enthält, als alle die künstlichen Alleen von beschnittenen Bäumen, und wenn sie auch in den richtigsten mathematischen Verhältnissen, wie preußischeRegimenter, dastünden. Wahr ist's, es ergötzt Auge und Herz, wenn man in deren Schatten tritt, und, wie durch einen Tubus der Natur, hindurch sieht; ebenfalls wird man auch froh, wenn man in einen prächtigen Saal, von vielen Kronleuchtern mit Wachslichtern erhellt, mit einer schönen Maske am Arm, sich begiebt; man empfindet ein...
Page 464 - Gehorsam, und Gehorsam für Fehler angesehn, und, nach den schwachen Kräften der Menschheit, ein wenig geirrt haben! Sie wissen, mein Freund, daß die Bücher über die Dichtkunst von Aristoteles, Horaz, und Boileau unter meine liebsten kritischen Schriften gehören; allein jedes Genie ist frey gebohren, und wird diesen Gesetzbüchern, so oft sie seinem Gefühl widersprechen, eben so wenig Gehorsam leisten, als die Schweizer und Venezianer ihre Mädchen und junge Popen, nach den Gesetzen des großen...

Bibliographic information